aRTikel

Abschied nach 27 Jahren

Peter Matschke, Justiziar und stellvertretender Bürgermeister von Oberkrämer, steht vor Jobwechsel

MAZ Oranienburg, 21.2.2020

Eichstädt.
Das Gefühl, auf der Schlussetappe zu sein. Anfang der Woche hat sich das bei Peter Matschke eingestellt. Er sitzt in seinem Büro in der Verwaltung der Gemeinde Oberkrämer in Eichstädt, und es wird nur noch wenige Tage sein Arbeitsplatz sein. Der 57-Jährige gibt sein Amt als Justiziar und stellvertretender Bürgermeister auf. Am 28. Februar gibt er am Vormittag seinen Abschied – nach 27 Jahren. Er wird stellvertretender Leiter der Brandenburgischen Kommunalakademie in Potsdam.

„Es gab bei mir die Überlegung, wie es weitergeht“, sagt er. „Viele hatten mich auch angesprochen, ob ich in vier Jahren der Nachfolger von Peter Leys als Bürgermeister werden möchte.“ Mehrere Wochen habe er überlegt und abgewägt. Bis zum Oktober dauerte das. Er entschied sich letztlich für die Bewerbung in Potsdam. „Es ist aber keinesfalls so, dass ich der Arbeit in Oberkrämer überdrüssig bin“, stellt er klar. Das Verhältnis zum Bürgermeister und den Mitarbeitern in der Verwaltung sei „ohne Fehl und Tadel“. Die Zusammenarbeit mit Peter Leys bezeichnet er als professionell, vertrauensvoll und auch freundschaftlich. „Ich hatte Peter Leys auch frühzeitig in meine Überlegungen eingebunden, es war mir wichtig, wie er darüber denkt.“

Peter Matschke stammt aus dem Ruhrgebiet. „Groß geworden bin ich in Gladbeck.“ Es folgte ein Studium in Bochum, das Referendariat in Münster. Inzwischen lebt er in Oranienburg. Er kam im Frühjahr 1993 in die Region. „Da hatte ich gerade das zweite Staatsexamen in Nordrhein-Westfalen abgelegt.“ Von dort aus hatte er auch die Wende mitverfolgt. „Meine Überlegung war: Es ist eine Herausforderung und reizvoll, hier etwas mitzugestalten und entwickeln zu können.“ In den alten Bundesländern hatte er so eine Chance auf Veränderungen nicht gesehen. „Aber hier wurde eine Verwaltung aufgebaut, sie musste sich finden und entwickeln.“ Dabei wollte er mitmachen, sich der Herausforderung stellen, Strukturen aufzubauen.
Damals ist ein Justiziar für die damaligen Ämter Oberkrämer, Kremmen und die Gemeinde Leegebruch gesucht worden. „ Ich wollte mich einbringen.“ Als er 2008 stellvertretender Bürgermeister in Oberkrämer geworden ist, „wurden die Aufgaben immer vielfältiger, und mein Zeitkontingent reichte nicht mehr aus.“ Somit konzentrierte er sich ganz auf Oberkrämer.

Ein Wessi und ein Jurist. Kam das gut an in der Region? „Ich bin ja bis heute bemüht, dass Herkunft und Beruf keine Rolle spielen. Und auch 1993 wollte ich genau das nicht zum Ausdruck bringen.“ Er sieht sich vielmehr als „Wossi“, und er ergänzt: „Ich fühle mich total angekommen und akzeptiert.“ Immerhin lebt er nun schon 27 Jahre – also die Hälfte seines Lebens in der Region. Direkt nach Oberkrämer gezogen ist er jedoch nie. „Wir wohnen in Oranienburg. Das ähnelt dem städtischen Wohnen, wie ich es immer gewöhnt war.“ Durch die Landesgartenschau habe die Stadt einen großen Satz nach vorn gemacht. Dort will er auch wohnen bleiben, wenn er künftig in Potsdam arbeitet.

Oberkrämer aber war sein Wirkungsbereich. Er freut sich, dass er „als Justiziar der Gemeinde dabei mitwirken konnte, dass ein solides und rechtlich abgesichertes Ortsrecht geschaffen werden konnte.“ Mit den Mitgliedern der kommunalen Gremien habe er immer konstruktiv, vertrauensvoll „und gern auch kontrovers“ diskutiert. „Vielleicht ist es mir sogar auch gelungen, mit meinem Wirken das positive Erscheinungsbild und Ansehen der Gemeinde Oberkrämer ein wenig mitgeprägt zu haben.“ Und er ergänzt: „Sollte es so sein, freut mich das natürlich am meisten.“

Aber es habe auch schwierige Zeiten gegeben. „Wenn ich an das Schloss Schwante denke“, sagt er. Der Immobilienskandal rund um den damaligen Pächter sorgte zur Jahrtausendwende für Wirbel. „Das hätte ich mir nicht vorstellen können, dass dort so starke politische Einflüsse genommen werden.“ Auch die Diskussion um die mögliche Errichtung eines riesigen Factory Outlet Centers bei Karlsruh an der Autobahn hatte damals für Diskussionen gesorgt. „Ich fand es einerseits reizvoll, aber es hätte auch einen tiefen Einschnitt in den Charakter der Region gehabt.“
Er sagt: „Kein Mensch ist fehlerlos.“ Es gebe Situationen, die sich manchmal im Nachgang anders darstellen. Aber dass er in seinen 27 Jahren in Oberkrämer etwas „wirklich verbockt“ habe, das könne er nicht sagen.
Ab März arbeitet er dann in der größten kommunalen Aus- und Fortbildungsstätte für kommunale Bedienstete in Brandenburg. Schon in den vergangenen Jahren war er dort nebenher als Dozent tätig. Nun wird er stellvertretender Leiter.

Wehmut ist trotzdem dabei. „So eiskalt ist man da sicher nicht. Aber der letzte Tag soll auch kein Trauertag werden. Ich werde die Region nicht aus den Augen verlieren“, sagt er.

Hits: 172

Einen Kommentar schreiben: