Tagesarchiv für 13. Februar 2020

RTZapper

Big Brother

Donnerstag, den 13. Februar 2020
Tags:

MI 12.02.2020 | 19.00 Uhr | Sat.1

Es war die Sensation! Im “Big Brother”-Haus wohnen unbekannte Leute und lassen sich 24 Stunden filmen. Und wir schauen alle zu. Jeden Tag.
2000 war das. Vor unglaublichen 20 Jahren. Als 2015 auf sixx nach mehrjähriger Pause mal wieder Bewohner ins “Big Brother”-Haus einzogen, was das Interesse eher gering.
Dass Sat.1 nun, im Jahr 2020, mit einer 13. Staffel daherkommt, ist hoffentlich nicht von vornherein ein schlechtes Omen. Denn die Vorzeichen stehen eigentlich nicht gut. In den Zeiten, wo es eine Reality-Soap nach der anderen läuft, wo jeder auf Youtube auf Sendung gehen kann, ist “Big Brother” nichts Besonderes mehr.
Zudem: Als 2000 die 1. Staffel lief, da wussten die Bewohner nicht, was auf sie zukommt und was für ein Hype um sie entstand.

Deshalb musste sich Sat.1 auch mehr einfallen lassen, als nur irgendwelche Leute ins Haus einziehen zu lassen. Die Idee: Die Zuschauer können die Bewohner bewerten – mit bis zu fünf Sternen. Das sorgte schon im Vorfeld für Zoff, der durchaus berechtigt war – andererseits aber auch albern und heuchlerisch.
Es gibt nämlich zwei Häuser: das Glashaus und das Blockhaus. In Letzterem herrscht ein analoges Leben ohne Luxus und vor allem ohne digitale Technik. Im Glashaus herrscht dagegen moderater Luxus – aber vor allem bedeutet Glas, dass die Leute immer wieder informiert werden, sie wie draußen ankommen.
So saßen sie am Mittwochabend in der 3. Folge da und waren mitunter entsetzt über die Bewertungen. Es nagt an ihnen, wenn sie sehen, dass man sie draußen nicht mag.

In der Tat ist das ein zweischneidiges Schwert. Leute auf diese Art mit bis zu fünf Sternen zu bewerten, ist unangenehm. Vor allem wenn man sieht, wie sie drauf reagieren. Aber darüber empört zu sein, ist gerade im Medienbereich nicht angebracht. Immerhin gibt es nach fast jedem Fußballspiel Schulnoten, in bestimmten Bereichen werden immer wieder Menschen auf eine oft harte Art bewertet.
Dass die Kritik aufkam, dass die gelben Sterne einen Bezug zum Holocaust und zur Judenverfolgung haben sollen – das war eine mindestens irritierende und weit hergeholte Diskussion.

Nach Folge 3 kann man aber sagen, dass “Big Brother” 2020 erstaunlich gut funktioniert. Dass es zwei Bereiche gibt, sorgt die Abwechslung. Anfangs haben sich die Bewohner viel miteinander unterhalten, was auch die Gelegenheit für die Zuschauer war, alle näher kennenzulernen. Gut ist auch, dass es Sat.1 weitgehend vermieden hat, prollige Influcencer in die Show zu holen. Es gibt einige echte Sympathieträger, Leute, die man schnell ins Herz schließen kann – und gibt es die Gegenpole. Wobei sich zeigen muss, ob es Streits oder Skandale braucht, um es spannender zu machen. Aber vermutlich wird die Harmonie keine 100 Tage anhalten – schon allein wegen der Bewertungen, die am Mittwoch auch schon für Unmut sorgten.
Es ist nun spannend zu beobachten, ob “Big Brother” auch 2020 für die deutschen Zuschauer noch eine Rolle spielt. Wobei die Quotenansprüche von Sat.1 inzwischen ja nicht mehr sehr hoch sind.

-> Die Sendungen bei Joyn

Hits: 152

RT liest

Katrin Schrader: Sternstunden unterm Fernsehturm

Donnerstag, den 13. Februar 2020
Tags: ,

Pensionierung. Katrin Schrader war Lehrerin an den Gesamtschulen in Glienicke und Mühlenbeck. Und dann sollte Schluss sein? Das kam für sie nicht in Frage. “Ich wollte weitermachen”, sagte sie danach.
Sie wurde Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache an der Deutschakademie am Alexanderplatz in Berlin. Dorthin kommen Leute, die aus beruflichen oder persönlichen Gründen nach Deutschland kommen und die Sprache lernen wollen oder müssen.

In ihrem Buch “Sternstunden unterm Fernsehturm” berichtet sie über ihre Arbeit an der Deutschakademie, aber vor allem vom Unterricht mit ihren Schülerinnen und Schülern. Darunter sind Italiener, Brasilianer, Spanier, US-Amerikaner, Koreaner, Australier und viele Nationalitäten mehr. Sie kommen aus allen möglichen Berufen, die nun eine Arbeit in Berlin haben. Psychologen, Architekten und vieles mehr. Andere wollen ihren Doktor in der Stadt machen und müssen dafür Deutsch können. Oder es sind Frauen, die mit ihren Männern und der Familie nach Berlin gekommen sind, und nun auch die deutsche Sprache lernen möchten.
Sie erzählt in dem Buch von den Mühen und vom Spaß, den es macht, gemeinsam an einer Sprachschule dieses schwierige Unternehmen zu starten – nämlich eine ganz neue Sprache zu lernen. Als Deutscher ist es zudem immer wieder interessant, zu erfahren, wie schwer sich andere tun, die Sprache zu lernen und welche Probleme es dabei gibt. Allein schon die vielen Fälle verwirren, ebenso wie die scheinbar wahllosen Artikel vor Wörtern.
Das ist zum Beispiel Fatma aus Tunesien. Als sie in Katrin Schraders Kurs ist, ist es heiß draußen – und Ramadanzeit. Es ist zur Tradition geworden, dass auch gemeinsam gefrühstückt wird. Fatma kann das nicht, und für sie wird das zu einer echten gesundheitlichen Herausforderung. Oder Billy, der immer gerne von seiner Freundin erzählt hat, sie wollten in Deutschland glücklich werden, und dann ist alles zerbrochen.
Es geht um kleine Dramen, um Momente des Glücks, aber auch um die Anstrengungen, die so ein Deutschkurs mit sich bringt.

Das Buch hat viele spannende und interessante Momente. Es vermittelt einen Eindruck davon, was für Leute in so einem Kurs sitzen. Wie die Stimmung ist, und wie schwer es hin und wieder ist, gute Stimmung zu verbreiten.
Manchmal kratzen die kurzen Geschichten zwar ein bisschen sehr an der Oberfläche. Aber andererseits spiegelt das auch das Erleben der Lehrerin wider, die mit einigen ihrer Kursleute ein engeres Verhältnis aufbaut und andere quasi nur am Rande mitbekommt. Spannend sind aber in dem Zusammenhang auch die Ausflüge in ihr Privatleben und die Rückblicke in ihr Schaffen als Musicalautorin in Glienicke.

Katrin Schrader: Sternstunden unterm Fernsehturm
Books on Demand, 215 Seiten
7/10

Hits: 177

RT im Kino

Parasite

Donnerstag, den 13. Februar 2020

Sie leben in armen Verhältnissen. Familie Kim wohnt in einer rumpeligen Wohnungen in einem Kellergeschoss. Ki-taek (Song Kang-ho), seine Frau Chung-sook (Jang Hye-jin), Sohn Ki-woo (Choi Woo-shik) und Tochter Ki-jung (Park So-dam) haben kein regelmäßiges Einkommen, sie müssen irgendwie über die Runden kommen.
Ki-jung fälscht Dokumente, und so kann ihr Bruder als Nachhilfelehrer arbeiten. Er trifft auf das Ehepaar Park, er hilft der Tochter in ihren Englischkenntnissen nach. Als er mitbekommt, dass der Sohn der Familie gerne malt, aber kompliziert ist, empfiehlt Ki-woo seine Schwester, die angeblich Kunst studiert hat.
Familie Kim gelingt es nach und nach alle bei den Parks einzuschleusen. Der Fahrer und die Haushälterin werden rausintrigiert, und Vater und Mutter Kim übernehmen die Jobs. Aber verheimlichen sie aber, dass sie sich alle sehr gut kennen.
Als Familie Park in einen Kurzurlaub aufbricht, genießen die Kims das gute Leben im Haus der reichen Leute. Doch es kommt zu einer Reihe von Zwischenfällen.

“Parasite” aus Südkorea ist der Überraschungshut der Saison. Bei den Oscars 2020 hat er vier Oscars gewonnen, für den besten Film, besten internationalen Film, beste Regie und bestes Drehbuch.
Und man rieb sich verwundert die Augen, wie es ein Werk aus Südkorea schaffen konnte, die großen Blockbuster auszustechen.
Aber in der Tat ist der Film sehr sehenswert. Wir sehen, wie sich Familie Kim bei den Parks einschleicht. Irgendwie ist das natürlich betrügerisch, aber es scheint, als hätten sie dabei eigentlich nur gute Absichten – nämlich vor allem, Geld zu verdienen, das sie dringend nötig haben. Und so ist man auch auf deren Seite, zumal der Gegensatz krass bleibt: Während sie in der reichen Familie ihre Jobs erledigen, säuft ihr Stadtviertel bei einem Starkregen gnadenlos ab.
Die Geschichte nimmt später eine dramatische Wendung. Der Moment, wo aus der harmlosen Tragikomödie ein echter Thriller wird.

-> Trailer bei Youtube

Parasite
Südkorea 2019, Regie: Bong Joon-ho
Koch Films, 132 Minuten, ab 16
8/10

lebt in ärmlichen Verhältnissen ohne stabiles Einkommen in einer schäbigen Wohnung im Untergeschoss eines Hauses.

Hits: 167