Tagesarchiv für 12. Februar 2020

RTZapper

Kitsch oder Kasse

Mittwoch, den 12. Februar 2020
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MO 10.02.2020 | 15.00 Uhr | RTL

RTL will es noch mal versuchen. Aufmerksamkeit bekommen. Programme abseits der drögen Reality-Doku anbieten. Am Montagnachmittag startete eine neue Spielshow, eine Talkshow und eine Kochshow. Alles nichts Neues, aber das muss nichts Schlimmes heißen.

Immer um 15 Uhr läuft nun “Kitsch oder Kasse”, womit auch Oliver Geissen in die tägliche Schiene bei RTL zurückkehrt.
Das Konzept ist simpel: Zwei Kandidaten werden insgesamt zehn Gegenstände gezeigt. Und sie müssen am Ende rausfinden, welcher der wertvollste Gegenstand ist.
In der ersten Sendung am Montag ging es beispielsweise um das fast durchsichtige Skandalkleid, das Sarah Connor einst bei “Wetten, dass…?” getragen hatte. Das Kandidatenpaar war der Meinung, es sei das Wertvollste in der Show. Heißt: 10.000 Euro wert.
Ansonsten gab es einen 50-Milliarden-Mark-Schein aus den 1920ern, eine besondere Schneekugel, eine Schweinsfigur aus Holz, ein besonderer Fotoapparat und einiges mehr.

Als Zuschauer kann man die ganze Zeit mitraten, und nicht mehr oder weniger will ja so eine Show erreichen. Ist der 50-Milliarden-Mark-Schein wirklich am wenigsten wert? Das kann doch gar nicht sein. Das Kanidatenpaar legte es fest – und lag richtig: nur 50 Euro wert.
So zieht sich das durch die ganze Stunde, immer wieder zweifelt man als Zuschauer, ob die da wirklich das Richtige machen. Als sich die Schweinsfigur als der Toppreis herausstellt, herrscht erst mal Ernüchterung.
Aber das Connor-Kleid liegt immerhin auf Platz 2, die Kandidaten gehen mit 5000 Euro nach Hause.

Fazit: kann man gucken. Und das will ja bei RTL schon was heißen.
Dennoch wird es im großen Einerlei schwierig sein, die Sendung zu etablieren. Warum sie ausgerechtet gegen “Bares für Rares” im ZDF laufen muss, ist unklar.
Und auch wenn die Sendung nett ist, muss man auch festhalten, dass es heute auch “nette” Formate schwer haben, täglich Zuschauer an sich zu binden. In einer Zeit, wo Streamingdienste ganz grundsätzlich immer Besseres zu bieten haben, ist es immer schwieriger, überhaupt auf sich aufmerksam zu machen.
Falls “Kitsch oder Kasse” mangels Interesse scheitert, muss sich RTL zumindest nicht vorwerfen lassen, den Leuten wieder mal Trash vorgesetzt zu haben. Dass man aber mehr als ein ganzes Jahrzehnt zu viel Trash sendete – das ist wohl das eigentliche Problem. Wenn die Zuschauer erst mal weg sind…

PS: Folge 1 ist bei TV Now interessanterweise als Folge 9 gelistet.

-> Die Sendung bei TV Now

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RT liest

Timur Vermes: Die Hungrigen und die Satten

Mittwoch, den 12. Februar 2020

Mit der Hitler-Satire “Er ist wieder da” hat Timur Vermes gleich mit seinem Erstling einen riesigen Erfolg eingefahren. Anhand der fiktiven Story, dass “der Führer” wiedererwacht ist und wie die Gesellschaft reagiert und wie rechts sie überhaupt tickt, sorgte er 2012 für Furore.
2018 ist “Die Hungrigen und die Satten” erschienen, und wieder wendet sich der Autor einem gesellschaftspolitischen Thema zu, das hochbrisant ist: Deutschland und die Flüchtlingsfrage.

Deutschland und Europa sind für Flüchtlinge nahezu unerreichbar geworden. Die Geflüchteten stranden schon in Afrika. Im Norden des Kontinents entstehen riesige Lager mit Millionen Menschen.
In Deutschland ist die Moderatorin Nadeche Hackenbusch ein großer Star. In ihrer Doku-Sendung kümmert sie sich um die Armen und Schwachen. Die Quoten sind gut. Aber diese Idee könnte für steigende Zuschauerzahlen sorgen: Sie soll nach Afrika reisen und sich in einem der großen Flüchtlingslager umschauen.
Und es ist die ganz große Story. Denn Nadeche Hackenbusch engagiert sich. Sie hilft. Und das erfolgreich – auch für den Sender, der sich über riesiges Interesse freut.
Als sich die Hackenbusch aber mit 150.000 Flüchtlingen zu Fuß von Afrika in Richtung Europa und Deutschland macht, da werden in der deutschen Politik einige sehr nervös.
Es entsteht eine Hysterie auf vielen Seiten. Die Rechtsradikalen rasten aus, die Politik sucht nach Lösungen, und der Privatsender überträgt den Marsch der Flüchtlinge aufwendig live.

Das Buchcover von “Die Hungrigen und die Satten” erscheint erst mal ein bisschen lahm. Auch die Beschreibung auf dem Buchrücken ist ein bisschen nichtssagend. Aber das Buch hat es in sich. Denn die Story ist explosiv.
Das Cover zeigt “Die Hungrigen” nämlich hinter einem Zaun, den man, wenn man über das Cover streicht, auch spüren kann. Das erschließt sich erst im Laufe der Zeit.
Der Roman ist eine Satire. Irgendwie. Die Frage, was eigentlich passiert, wenn wirklich 150.000 Flüchtlinge – im Laufe des Marsches werden es noch viel mehr – in Richtung Deutschland marschieren.
Auch einer Klatschstory – Moderatorin reißt nach Afrika, kümmert sich, verliebt sich in einen Flüchtling – wird ein Politdrama, in dem sich die Situation mehr und mehr aufschaukelt. Absurd. Aber auch unmöglich?

Timur Vermes: Die Hungrigen und die Satten
Eichborn, 509 Seiten
8/10

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RTelenovela

Neu im Programm: Parasite

Mittwoch, den 12. Februar 2020
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Ich muss ja zugeben, dass ich am Montagmorgen ziemlich perplex war: “Parasite” aus Korea hat bei den Oscars abgeräumt. Dass sich dieser Film gegen Meisterwerke wie “1917”, “Jojo Rabbit” oder “Marriage Story” durchsetzen konnte, hat mich sehr verwundert.
Aber zu meiner kleinen Tradition gehört es, wenn möglich, am Abend den Oscar-Gewinner im Kino zu sehen, falls ich das noch nicht getan habe. Und “Parasite” hat mich bislang irgendwie nicht so interessiert.

Ich schaute also nach, wann und wo der Film zu sehen sein wird. Am Sonnabend war ich im “Filmkunst 66”. Dort lief “Parasite” im kleinen Saal und war lange vor Filmbeginn ausverkauft. Auch das hatte mich schon gewundert. Im großen Saal lief “Das Vorspiel”, und da war es lange nicht so voll.

Im Cinemaxx am Potsdamer Platz sollte er um 19.45 Uhr in einem der kleinen Säle laufen. Eine gute Zeit. Doch als ich am Ticket-Automaten stand: der Schock. Der Film war nicht gelistet. Sollte er etwa ausfallen. Auf der großen Anzeigewand war der Film plötzlich für 22.15 Uhr angekündigt.
Na toll. So lange warten?
Ich ging also zum Verkaufstresen, der zum Glück am späten Nachmittag ganz leer war. Die Frau an der Kasse musste sich auch erst mal telefonisch erkundigen, wie denn das nun mit “Parasite” ist. Die Antwort: Programmänderung. Der Film zog in einen großen Saal, da aber erst 20.15 Uhr.
Das nenne ich mal eine sinnvolle Programmänderung, denn tatsächlich war der Film gut besucht. Der kleine Saal hätte da sicherlich nicht ausgereicht.

Wir ich den Film fand, steht demnächst im Kinobereich des Blogs.

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RT im Kino

Countdown

Mittwoch, den 12. Februar 2020

Diese App ist der neue heiße Scheiß. Sie sagt nämlich voraus, wie lange man noch zu leben hat. Schön, wenn es noch Jahrzehnte sind. Unschön, wenn es nur noch Tage sind.
Krankenschwester Quinn (Elizabeth Lail) glaubt nicht daran, dass das alles stimmt. Sie hat sich die App runtergeladen, und die Nutzungsbedingungen hat sie erst gar nicht gelesen. Hätte sie mal.
Quinn hat nämlich keine drei Tage mehr. Was hat sie vor in drei Tagen? Sie sagt die Fahrt zu ihren Eltern ab. Blöd nur: Die App erkennt einen Regelbruch – und plötzlich rückt ihr Lebensende noch viel näher.
Und nicht nur das: Sie – und nicht nur sie – wird von einer unheimlichen Figur verfolgt. Ist es das “Wesen”, das für ihren Tod sorgen soll? Sie versucht, hinter das Geheimnis zu kommen.

Die Idee ist nicht neu. Wir kennen sie so ähnlich aus “Final Destination”, wo der Tod sich auch nicht überlisten lässt. Neu hier ist die App, auf der die Zeit abläuft.
Im Horrorthriller “Countdown” mit Justin Dec versucht eine Gruppe junger Leute, dem Tod von der Schippe zu springen – oder ihn zu überlisten.
Dass dazu irgendwelche unheimlichen Gestalten, Dämonen, ins Spiel kommen, ist fast schon schade. Es ist schon unheimlich genug, gesagt zu bekommen, wann man stirbt. Daran hätte mehr angeknüpft werden können. Die ganze Sache mit den Dämonen wirkt dagegen unlogisch, denn warum sollte die Durchbrechung des Fluches nicht nur für die eigene Person wirken? So richtig funktioniert der Plot nicht. Deshalb bleibt der große Thrill aus.

-> Trailer auf Youtube

Countdown
USA 2019, Regie: Justin Dec
Leonine, 91 Minuten, ab 16
4/10

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