Tagesarchiv für 21. Januar 2020

RTZapper

Sex Education – Staffel 2

Dienstag, den 21. Januar 2020
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(1) -> 16.1.2019

SO 19.01.2020 | Netflix

Der Sex-Unterricht bei Netflix geht in die zweite Runde, und es kommt ja nicht so oft vor, dass zweite Staffeln einer Serie noch viel besser sind als die erste Runde. Bei “Sex Education” ist das der Fall.
Die Serie ist auf der Höhe der Zeit, sie scheint keine Tabus zu kennen – was die Themen angeht und auch die in der Umsetzung. Vermutlich wären die Kinder der 80er neidisch auf die Jugendlichen der jungen 20er-Jahre, dass sie so über Sex reden können – im Fernsehen! “Sex Education” ist vermutlich die Teenieserie unserer Zeit, aber auch Erwachsene können daran ihren Spaß haben. Denn auch sie werden bedient, und interessant zu sehen, wie das heute läuft unter den Jugendlichen, ist allemal spannend.

War Otis mit seinen Sextherapie-Stunden in der Schule noch der Hauptstrang, schafft es die Serie mit den acht neuen Folgen auf sehr erstaunliche Weise, eine Vielzahl von Geschichten zu erzählen. Und erstaunlich ist auch, welchen Tiefgang diese Geschichten mitunter haben.
Otis will endlich das erste Mal haben, aber so ganz sicher ist er sich nicht mit seiner Freundin, zumal seine Ex Maeve noch dazwischenfunkt. Da gibt es das Mädchen, das im Bus sexuell belästigt wird und sich davon scheinbar nicht mehr erholt – und nur noch zu Fuß zur Schule geht, das Ereignis aber selbst versucht, zu verdrängen. Es geht um Beziehungsstress, Analsex, um Sex unter Alkoholeinfluss, aber auch darum, mit der drogensüchtigen Mutter klarzukommen. Um das Verliebtsein eines Behinderten, um Süchte und darum, seine Aggressionen zu unterdrücken, weil man damit nicht weiter kommt.

Das klingt extrem vollgepackt, und das ist es auch. Hervorragend ist, wie gut es funktioniert. Die Geschichten sind bis in die kleinsten Nebenrollen interessant, es werden so ziemlich alle sexrelevanten Jugendprobleme geschildert. Das wirkt nicht mal aufgesetzt, weil es ja alle diese Sorgen und Nöte gibt.
So ist “Sex Education” mehr und mehr packend, mal rau, oft lustig, manchmal traurig, und oft gerät man selbst ins Grübeln, wie man sich selbst verhalten hätte.
Die zweite Staffel von “Sex Education” ist das erste große Serien-Highlight 2020.

-> Trailer auf Youtube

Hits: 95

RT im Kino

1917

Dienstag, den 21. Januar 2020

Es beginnt ruhig, fast schon idyllisch. William Schofield (George MacKay) und Tom Blake (Dean-Charles Chapman) liegen im Gras und dösen an diesem sonnigen Tag.
Aber es ist bald vorbei mit dem Päuschen. Die beiden sind Soldaten. Sie sind im Ersten Weltkrieg, kurz vor der Frontlinie. Es ist das Jahr 1917.
Tom Blake bekommt einen Auftrag. Er soll zu Colonel Mackenzie (Benedict Cumberbatch), um ihm einen schriftlichen Befehl zu übergeben. Er soll den Angriff auf die deutschen Truppen absagen, weil er ansonsten mit seinen Soldaten in eine Falle zu tappen droht.
Und da Blakes Bruder in Mackenzies Einheit ist, ist er sehr motiviert, seinen Auftrag zu schaffen. Gemeinsam mit William Schofield macht er sich auf den Weg. Er ist beschwerlich. Die Hölle. Über Tote. Überall Matsch. Und überall die Gefahr, erschossen zu werden.

Der Erste Weltkrieg ist im Film viel weniger beleuchtet als der Zweite Weltkrieg. In “1917” geht es aber nicht um das große Ganze. Es ist diese eine Geschichte von diesen zwei Männern, die sich auf diesen harten Weg begeben.
Das Besondere: Wir verfolgen die beiden in Echtzeit. Es gibt keine sichtbare Schnitte. Wir verfolgen die beiden mit der Kamera, es dauert so lange, wie es dauert.
Das ist extrem spannend, hin und wieder auch zermürbend.
Innerhalb von Minuten kommen wir von der Idylle in die Hölle. Los geht es in der sonnigen Wiese, aber es dauert nicht lange, bis wir plötzlich im Schützengraben sind. Wir sehen die vielen Soldaten im Wartestand. Wir verlassen den Graben, stehen dann im freien Feld. Laufen durch schlammige Krater. Wir sehen Leichen, Leichenteile. Und immer der Blick zum Horizont: Ist da wer?
Auch wenn der Film später ein bisschen schummelt was die Echtzeit angeht – die Nacht vergeht erstaunlich schnell -, funktioniert das sehr gut. Weil man sich stark auf das konzentrieren kann, was man sieht. Kein Schnitt erlöst uns von bösen Momenten.
Die immer wieder dräuende Musik im Hintergrund hebt die Spannung weiter. Die beiden Hauptdarsteller spielen toll, George McKay scheint in den fast zwei Stunden um Jahre zu altern.
Dass man den Krieg, die Gefahren, das Elend hautnah mitbekommt, wäre vielleicht übertrieben zu sagen. Aber man bekommt durchaus einen tiefgreifenden und nachhaltigen Eindruck davon.

-> Trailer auf Youtube

1917
USA 2019, Regie: Sam Mendes
Universal, 110 Minuten, ab 12
8/10

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