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Überflieger: „Beim Bergsteigen geht es auch darum, Grenzen zu akzeptieren“

Der Oranienburger Torsten Weigel (31) unternimmt mit einem Team drei große Expeditionen – bald hält er dazu einen Vortrag im Oranienwerk

MAZ Oberhavel, 7.12.2019

Oranienburg.
Nehmen wir die Rubrik der Überflieger wörtlich, dann trifft das auf Torsten Weigel eigentlich nicht zu. Denn er erklettert sich die Berge, um ganz oben anzukommen. Der 31-jährige Oranienburger hat in den vergangenen Jahren viel erlebt. Schon immer waren Reisen sein Hobby, inzwischen sind sie Berufung. Für Aufsehen sorgte sein Weltumrundungsprojekt „Abenteuer Südhalbkugel“. Von Oktober 2014 bis Ostern 2015 bereiste er Namibia, Lesotho, Südafrika, Australien, Chile und Argentinien. Daraus entstand ein Buch, dessen erste Auflage fast ausverkauft ist. Vorträge dazu hält er noch heute regelmäßig.

Die Idee für sein nächstes Projekt hatte er auf der Schlussetappe, die er mit dem Fahrrad absolviert hatte. „Da dachte ich, nächstes Mal machst du alles anders.“ Er wollte ein Team bilden, und er wollte auf Berge klettern. „Es war eine verrückte und vage Vision“, sagt er. Wobei das Attribute sind, die ihn nicht davon abhalten würden, so eine Idee auch umzusetzen. „Im Bann der Berge“ hieß das neue Projekt, das genaugenommen aus drei verschiedenen Expeditionen bestand. Am 26. Januar um 17 Uhr wird er dazu seinen neuen Vortrag in Oranienburg halten.

14 Leute hatte er angesprochen, ob sie beim neuen Projekt dabei sein wollen – 13 sagten Ja. Er war der Expeditionsleiter. „Das waren ganz unterschiedliche Leute“, sagt Torsten Weigel. Freude, ehemalige Sponsoren, Bekannte. „Das erste Treffen hatte eine Blind-Date-Atmosphäre.“ Es sind Ideen diskutiert worden, Reiseziele, Konzepte. Kurz vor Silvester 2016 bestiegen sie als Test den Brocken. „Für manche im Team war er schon die höchste Erhebung, die sie je bestiegen hatten“, erzählt Torsten Weigel.
Das sollte natürlich nicht so bleiben. In den zwei Jahren danach standen drei Expeditionen auf dem Programm. Sie bestiegen im Frühsommer 2017 in Georgien den Kasbek, 5047 Meter hoch, bereisten Swanetien im Norden Georgiens. „Wahnsinnig spektakulär.“ Später ging es nach Bolivien und Peru. „In der Gegend habe ich schon mal nach dem Abi gelebt“, erzählt Torsten Weigel. Der ehemalige Louise-Henriette-Gymnasiast sagt: „Damals begann ich mit dem Höhenbergsteigen und hatte mehrfach Glück, wieder runtergekommen zu sein.“ Am Coropuna, 6425 Meter hoch, musste er damals viel Lehrgeld bezahlen und scheiterte.“ Sie wagten nun im Team den Aufstieg. „Für die meisten war es der erste 6000er, und alle haben es geschafft.“ Es geht bei solchen Touren aber auch immer darum, Grenzen zu akzeptieren. Mit dem 6057 Meter hohen Chachani stand ein weitere Berg auf dem Plan.
Zum Abschluss ging es im August 2018 nach Kirgisistan in Zentralasien. Mit einem russischen Militärtransporter, einem Gas 66, „sind wir steile Bergstraßen hochgefahren. Das war eine wilde Nummer.“ Zu fünft wollten sie dort den Pik Lenin, 7134 Meter, besteigen. „Wir waren topfit“, erinnert sich Torsten Weigel. Aber es kam alles anders. „Wir haben uns dort deutlich mit Leben und Tod befassen müssen.“ Wie die Tour ausging und ob sie den Gipfel erreicht haben – diese Fragen wird Torsten Weigel im Rahmen seiner neuen Show beantworten.

Ihn haben die Touren nachhaltig verändert, sagt er. „Ich habe Lust auf das Leben und nehme eine andere Risikobewertung vor als noch vor zehn Jahren.“ Die Planung sei akribischer, die Touren müssten nicht um jeden Preis zu Ende geführt werden. „Kein Berg ist so schön wie das Leben.“
Auf den Touren sind viele Bilder und Filme entstanden. Die sind nun zu einem Vortrag zusammengefasst worden. „Die Leute können eine bildgewaltige Show erwarten, sie werden mitgenommen auf eine abenteuerliche Reise.“ Es werde persönlich und emotional.

Seine Erfahrungen teilt Torsten Weigel auch als Speaker und Trainer. Er hält Vorträge, trainiert Führungskräfte und arbeitet in Unternehmen an der Teamentwicklung.

„Visionsjäger – Im Bann der Berge“ mit Torsten Weigel. 26. Januar, 17 Uhr, Oranienburg, Oranienwerk. Karten dafür gibt es auch in der MAZ-Ticketeria.

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