Tagesarchiv für 1. Dezember 2019

KeineWochenShow

#152 – Mir steht’s bis hier!

Sonntag, den 1. Dezember 2019
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Mir steht’s bis hier! Also nicht dem Schreiber dieser Zeilen – sondern darum ging es beim Skandal im Bundestag in dieser Woche. Johannes Kahrs von der SPD sprach im Bundestag über die AfD und sagte, dass es ihm bis hier stünde und machte eine entsprechende Geste. Beatrix von Strolch von der AfD reagierte darauf, und diese Geste wurde zum Stein des Anstoßes. Aber alles war etwas anders.

Außerdem sprechen wir über die riesige Treckerdemo in Berlin und vor allem über die Anfahrt der Trecker aus dem Norden, als sie von Nassenheide über die B96 nach Berlin rollten.
Natürlich ist die Verpflichtung von Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC ein Thema, ebenso noch mal das Country-Album von Westernhagen.

Das und noch viel mehr in KeineWochenShow #152 auf Youtube.

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RT liest

Juan Moreno: Tausend Zeilen Lüge – Das System Relotius und der deutsche Journalismus

Sonntag, den 1. Dezember 2019
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Der Name Claas Relotius steht für den größten Fälschungsskandal der deutschen Journalismusgeschichte. Es war nicht die eine Geschichte, die von vorn bis hinten erlogen war. Es waren zig Artikel in diversen Zeitungen. Es waren weniger Artikel wahrhaftig, aber viel mehr davon reine Fantasie.
Aufgeflogen ist das System Relotius im Dezember 2018, als er gemeinsam mit dem ebenfalls freien Autor im “Spiegel”, Juan Moreno, eine Reportage über die Zustände an der Grenze zwischen den USA und Mexico veröffentlicht. Moreno kommt schon während der Entstehung vieles seltsam vor, und später kommt den den vielen Ungereimtheiten des Textes auf die Schliche.

In seinem Buch “Tausend Zeilen Lüge – Das System Relotius und der deutsche Journalismus” beschreibt nun Juan Moreno, wie es zu dieser Reportage gekommen ist, wie er auf die Ungereimtheiten stieß und wie er schon vor Veröffentlichung im “Spiegel” versuchte, die Chefetage im “Spiegel” zu informieren.

Wäre es kein Sachbuch, dann könnte man das Buch gut und gerne in die Abteilung mit den Thrillern stellen. Denn “Tausend Zeilen Lüge” ist eine echte Kriminalgeschichte – und sie macht über weite Strecken geradezu fassungslos.
Denn Moreno deckt das System Relotius auf. System bedeutet, dass er mitunter systemisch seine Texte gefälscht hat. Er reiste oft gar nicht zu den Stätten, über die er berichtete. Er dachte sich Geschichten drumherum aus, falls doch mal Fragen auftauchen. Er schuf sich eine regelrechte Lügenwelt.
Und er kam damit durch, bekam einen Journalistenpreis nach dem nächsten. Und er war hochgeachtet – überall. Er stand kurz davor, Ressortleiter beim “Spiegel zu werden. Andere Obere sollten noch weiter hochrücken. Und in dieser Situation kam der Skandal. Leute hatten Angst um ihre Aufstiege, und überhaupt konnten sie sich nicht vorstellen, dass der gute Claas gar kein Guter war.
Moreno sammelte Beweise für die Lügen, aber in der Chefetage schien es kaum jemanden zu interessieren, und der gute Claas konnte ja eh alles widerlegen. Die Faktenchecker beim “Spiegel” haben ebenfalls versagt, denn sie hätten durchaus drauf kommen können, dass das was nicht stimmt. Dass da immer wieder was nicht stimmt.
Letztlich war es eine US-Journalistin, die endgültig alles ins Rollen brachte.
Es ist ein wichtiges Buch, es ist eine Mahnung, auf Leute wie Relotius nicht mehr reinzufallen. Es ist aber auch eine Mahnung, den Schreihälsen, die von der Lügenpresse faseln, nicht noch mehr Futter zu geben. Beim Lesen überwiegt neben der Wut aber auch der Unglaube, was eigentlich möglich ist.

Juan Moreno: Tausend Zeilen Lüge – Das System Relotius und der deutsche Journalismus
Rowohlt Berlin, 287 Seiten
9/10

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RTelenovela

Zahnarzt (42): Schleim!

Sonntag, den 1. Dezember 2019
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(41) -> 25.5.2018

Mal wieder beim Zahnarzt. Die neue Methode bei der Behandlung scheint zu sein, Schäden im Gebiss zu entdecken und sie erst mal beim nächsten Termin beheben zu wollen.
Aber fertig waren wir diesmal trotzdem noch nicht. Erst zum Röntgen, und dann brauchen wir auch noch einen Abdruck vom Gebiss.

Ich saß auf dem Zahnarztstuhl, ahnte nichts Böses, im Hintergrund wurde irgendwas vorbereitet. Und plötzlich steht die Ärztin neben mir und schiebt mir irgendwas in den Mund.
Leichte Panik ergreift mich, weil ich erstens einen Schreck bekommen habe, zweitens nicht weiß, was ich tun soll. Ich beiße zu und beiße in etwas relativ hart Schleimiges. Die Paste für den Abdruck.
Ich muss würgen. Ich reiße mir das Zeug wieder raus, muss weiter würgen. Das Zeug ist überall in meinem Mund, ich spucke aus und würge immer noch.

Tja, ist wohl kommunikativ etwas schiefgelaufen. Der Ärztin ist das durchaus peinlich. Sie meint, da sei man wohl etwas unkonzentriert gewesen. Kurz herrscht Ratlosigkeit, aber dann beschließen wir, es mal beim unteren Gebiss mit dem Abdruck zu versuchen. Diesmal erklärt sie mir, was zu tun ist. Nämlich nicht zuzubeißen, durch die Nase atmen und warten. Das klappt. Und auch den oberen Abdruck bekommen wir dann noch hin.
Aber noch auf dem Nachhauseweg schmiere ich mir die Paste aus dem Gesicht.

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RTZapper

Bundestag live: Haushalt 2020 – Generaldebatte

Sonntag, den 1. Dezember 2019
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MI 27.11.2019 | 9.00 Uhr | Parlamentsfernsehen

Die SPD hat einen Skandal ausgerufen, mal wieder. Und sie hat sie derselben Methoden bedient, wie es die AfD gern tut. Heißt: Propaganda, in dem man von einem Fakt einfach mal ein paar Sachen weglässt und das aus dem Zusammenhang Gerissene als ganz großes und schlimmes Ding darstellt.
Beatrix von Strolch hat im Bundestag während einer Debatte eine Kopf-ab-Geste gezeigt. Empörend. Findet die SPD.
Das wäre auch empörend, wenn es denn so gewesen wäre.

Es passierte am Mittwochvormittag. Im Parlamentsfernsehen ist live die Generaldebatte zum Haushalt 2020 aus dem Bundestag in Berlin übertragen worden. Es sprach Johannes Kahrs von der SPD, der gleich zu Beginn seiner Rede auf die AfD einging und seine Meinung dazu kundtat, dass er sie für rechtsextrem hält. Dazu sagte er: “Rechtsextreme wie Sie stehen mir bis hier.” Dazu machte er eine Geste, die zeigen, bis wohin es ihm steht – nämlich bis knapp unter den Hals.
Daraufhin teilte ihm auch Beatrix von Strolch von der AfD gestisch mit, bis wohin ihr alles stehe – auch bis unter den Hals. Sie bewegte dazu den Arm ein wenig, so dass es unter Umständen wirklich wie “Kopf ab” aussieht. Aber im Kontakt der Debatte ist davon auszugehen, dass sie direkt auf Kahrs’ Geste reagierte.

Die SPD veröffentliche jedoch nur die Geste selbst. Mit der Botschaft, wie schlimm die AfD sei.
Grundsätzlich liegt die SPD damit sicherlich nicht ganz falsch – dass sich die Sozialdemokraten aber denselben Methoden wie von denen bedient, die sie kritisiert und bekämpft, ist ziemlich armselig.
Ob man bei der SPD davon ausgeht, dass keiner merkt, wie die Begebenheit wirklich war? Auf ziemlich billige Weise sollte so wohl eine Empörungswelle ausgelöst werden. Aber so eine Welle kann ganz schnell auch mal zurückrollen.

-> Auf Youtube: Die entsprechende Stelle in der Haushaltsdebatte im Parlamentsfernsehen

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