Tagesarchiv für 28. Oktober 2019

aRTikel

Letzte Ehre für Mike Bollig

Montag, den 28. Oktober 2019
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Die Familie des verstorbenen Bäckermeisters begrüßt noch einmal zum Abschied die Kunden in ihrem Laden in der Beetzer Chausseestraße

MAZ Oranienburg, 28.10.2019

Beetz.
Schon als der Laden um 7 Uhr öffnete, standen viele Menschen davor. Sie wollten Abschied nehmen. Am Sonnabend öffnete die Bäckerei Bollig im Kremmener Ortsteil Beetz nach drei Wochen Pause – aber das zum letzten Mal. Am 5. Oktober war der Chef des Hauses, Bäckermeister Mike Bollig, unerwartet im Alter von nur 55 Jahren gestorben. „Wir haben alle Kunden persönlich begrüßt“, erzählte Lucas Penther, der Sohn des Verstorbenen. „Manche Kunden haben sogar Blumen mitgebracht.“

Der Tag für ihn und seine Schwester Vivienne Bollig begann bereits um 1.30 Uhr in der Nacht. „Da sind wir aufgestanden, um 2.30 Uhr waren wir hier“, so Lucas Penther. Sie standen dann in der Backstube – aber nicht allein. Hilfe kam unter anderen vom Oranienburger Bäckermeister Roland Schulz. Auch der Teschendorfer Bäcker Fred Plessow kam mit seiner Frau nach Beetz. „Als Papa vor drei Wochen ins Krankenhaus kam, hatten wir ihn auch schon angerufen“, so Lucas Penther. Er hatte die Lieferung für die Sommerfelder Klinik spontan übernommen.

Dass der Laden noch einmal öffnet, „das war unser Herzenswunsch“, sagte Vivienne Bollig. Und ihr Bruder ergänzte: „Die Arbeit, die Backstube, das war seine große Liebe. Er hat diesen würdigen Abschluss verdient.“ Er sei dort großgeworden, erzählte er außerdem. „Die Backstube hat unser Leben begleitet.“ Beide haben in den vergangenen Jahren auch regelmäßig in der Backstube geholfen, erzählten sie. „Als ich 14 Jahre alt war, begann ich, dort zu helfen.“ Später war sie jeden Sonnabend dabei, als auch Sohn Lucas mithalf, wechselten sie sich am Sonnabend immer ab.

Nicht alle Bollig-Spezialitäten konnten am Sonnabend angeboten werden. „Ein paar Sachen konnten wir nicht machen, er hatte ja viele Rezepte nur in seinem Kopf“, so seine Tochter. „Wir konnten nur darauf zurückgreifen, was wir gelernt haben“, sagte die 30-jährige Kremmenerin. Die anderen Bäcker lieferten dazu. „Aber da sieht man auch mal, was unser Vater geleistet hat. Wir haben es gerade mal geschafft, bis 7 Uhr die Brötchen zu backen.“ Die Theke war trotzdem voll, weil so viele geholfen haben: Nicht nur Brote und Brötchen lagen da zum Verkauf, auch verschiedene Sorten Pfannkuchen, Streuselkuchen, Bienenstich und vieles mehr.

Nach 7 Uhr gab es im Laden eine lange Schlange, die bis weit nach draußen reichte. Selbst am Vormittag strömten die Kunden weiter in den Laden. Gabi Weiß aus Alt Ruppin kam extra nach Beetz, nachdem sie aus der MAZ vom letzten Öffnungstag gelesen hatte. Auf dem Weg zur Arbeit musste sie mal einen Umweg fahren und stieß so auf die Bäckerei in Beetz. Sie sei noch einmal gekommen, „weil Kuchen glücklich macht, und er konnte das.“ Der Kuchen von Mike Bollig habe wie früher bei Oma geschmeckt. „Man hat gemerkt, dass er da viel Herz reingesteckt hat und es gerne gemacht hat.“ Deshalb hatte sie sich entschlossen, auch noch mal nach Beetz zu kommen.

Heike Schauer stand 24 Jahre lang im Beetzer Bäckerladen. „Ja, das ist schon komisch“, sagte sie über die Stimmung am Sonnabend. „Die Kunden waren oft betroffen, viele waren sehr traurig, manche haben sogar geweint.“ Sie sagt, sie sei am längsten im Laden gewesen.

Wie es mit dem Laden nun weiter geht, ist noch offen. „Eine richtig finale Entscheidung ist noch nicht getroffen“, sagte Lucas Penther. „Es wäre schön, wenn es eine Bäckerei bleiben kann, das liegt uns am Herzen, auch für die Beetzer. Aber wie eine Lösung aussehen kann, wissen wir noch nicht.“ Für so eine Entscheidung sei es auch noch viel zu früh. Nach diesem Sonnabend bleibt die Bäckerei erst mal geschlossen. Es seien aber Gespräche mit Interessenten geführt worden. „Wir wollen das Geschäft aber natürlich nicht an irgendjemanden abgeben“, so Lucas Penther. Sie wollen den Schatz in guten Händen wissen.

Die Familie muss die Geschäfte nun abwickeln. Generell sei es nicht einfach, mit den Büchern, die jemand anderes geführt hat, zurechtzukommen. „Aber wir haben Hilfe von einem Freund“, so der 19-Jährige Sommerfelder. „Der hat einen klaren Kopf.“ Ansonsten ist die Familie über jede Ablenkung dankbar. „Selbst Freunde, die nur mit uns reden, lenken uns ab.“ Immer wieder kämpfen alle mit den Tränen, und als sie den Laden dann abschlossen, da ging in Beetz eine Ära zu Ende – die von Bäckermeister Mike Bollig.

(Onlinefassung)

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RTZapper

Gottschalks große 80er-Show

Montag, den 28. Oktober 2019
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SA 26.10.2019 | 20.15 Uhr | ZDF

Wer noch einen Beweis dafür brauchte, dass Deutschlands Einheit nach 30 Jahren immer noch nicht in den Köpfen angekommen ist, der musste sich am Sonnabend im ZDF nur “Gottschalks große 80er-Show” ansehen. Denn die Redaktion der Show hat sich dem Thema mal wieder ausschließlich aus westdeutscher Sicht genähert.

Immer wieder wird insbesondere den Westdeutschen vorgeworfen, sich eigentlich nie so wirklich mit Ostdeutschland und der DDR befasst zu haben. Womit haben sich die Leute dort beschäftigt? Welche Ereignisse haben sie geprägt? Welche Musik haben sie gehört?
All das ging den Menschen in der alten Bundesrepublik so ziemlich am Allerwertesten vorbei.
Im Gegensatz zu den Ostdeutschen. Schon zu DDR-Zeiten haben sie – wenn es technisch funktionierte – Westfernsehen geschaut und Westradio gehört. Sie wussten, was im Westen los war.

In “Gottschalk große 80er-Show” ging es zweieinhalb Stunden lang aber nur darum, was in der alten Bundesrepublik geschah. Kultur, Fernsehen, Musik, Politik.
DDR? War da was? Gab es die?
Ja! Katarina Witt war zu Gast, aber so wirklich über den Osten sollte sie doch besser nichts erzählen. Nur einmal, als es um westdeutsche Fernsehserien ging, merkte sie an, dass es ja auch in der DDR Fernsehhighlights gegeben habe. Vermutlich hat sie noch mehr davon erzählt, aber das scheint weggeschnitten worden zu sein. Später beschwerte sich Kati Witt darüber, dass diese Show komplett aus westdeutscher Sicht erzählt worden ist.
Die DDR kam nur als Randnotiz vor und zur Wende. Ansonsten interessiert sich scheinbar auch 2019 beim ZDF immer noch niemand für die DDR.
Aber ganz nüchtern betrachtet: am 3. Oktober 1990 ist die DDR dem Gebiet der Bundesrepublik beigetreten. Vorher war die Bundesrepublik halt kleiner als heute, und was da früher drüben war – wen interessiert’s…

PS: Positiv zur ZDF-80er-Show ist zu sagen, dass die Interpreten alle live sangen. Man griff, wie sonst üblich, nicht auf die 80er-Jahre-Playbacks zurück, sondern alle mussten in der Jetztzeit ihre stimmlich Bestes geben. Das war oft sehr spannend, nur Paul Young tat sich extrem schwer.

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RTelenovela

Überraschungsevent (33): Magical Festival of Lights Garden

Montag, den 28. Oktober 2019
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(32) -> 1.10.2019

Der Startschuss fiel im April 2016. Einmal im Monat wollen wir uns gegenseitig überraschen. Und immer darf der andere nicht wissen, wo genau wir hingehen werden – erst vor Ort wird das Geheimnis gelüftet. Der Termin muss beim anderen natürlich abgefragt werden, alles andere nicht. Die Preisgrenze liegt bei 30 Euro. Diesmal durfte sie das Event planen, im nächsten Monat bin ich dran.

Erstmals ging es nach Berlin-Marzahn. Dort befindet sich das Gelände “Gärten der Welt”. Dort fand kürzlich die Internationale Gartenausstellung (IGA) statt, für viele Berliner ist der große Park immer noch ein Ausflugsziel.
Wir waren am Freitagabend dort – und es war schon dunkel. Aber das war trotzdem genau die richtige Zeit.
Dort fand das “Magical Festival of Lights Garden” statt.

An vielen Stellen im Park wurden Wiesen und Bäume illuminiert. Auf der Freilichtbühne wurde mit Lasern gearbeitet. Auf einer Wiese stand ein Baum, der beleuchtet wurde, und davor sah es aus, als ob da lauter Äpfel liegen – lauter kleine Leuchtkugeln. Es blinkte und funkelte.
Auf einer anderen Wiese standen beleuchtete Pinguine, auf einem Teich schwamm ein leuchtender Schwan. In einem der Gartenräume gab es Wasserspiele mit Licht, an die Wand wurden tolle Bilder geworfen.

Höhepunkt war eine Wiese unter Bäumen, auf der lauter Figuren aus Stahlstäben standen oder hingen. Sie wurden mit Schwarzlicht angeleuchtet. Da standen dann zum Beispiel Figuren, die das Berliner Leben vor 100 Jahren darstellen sollten. An einer anderen Stelle hingen lauter Figuren in der Luft, die sich in Schlafpositionen befanden. In einem Baum waren Tiere zu sehen, dazu Märchenfiguren. Über allem war eine sphärische Musik zu hören, das dass alles sehr mystisch erschienen ließ. Toll!

Am Anfang waren wir ein bisschen skeptisch, ob sich der Besuch gelohnt, aber spätestens beim Schwarzlicht waren wir dann doch begeistert.

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RT liest

Sigrid Zeevaert: Gehen, immer weiter

Montag, den 28. Oktober 2019

Luis ist recht schnell in seinen Bann gezogen: Edvard ist der Neue in der Klasse, und relativ schnell müssen sie bei einer Hausarbeit ein Team bilden. Als Luis aber zu Edvard nach Hause fährt, ist alles merkwürdig. Es scheint neben Edvard jemand zu Hause zu sein, aber er leugnet das. Und das Haus wird gerade umgebaut, so scheint es, aber Edvard will darüber nicht so richtig reden.
So richtig kommt Luis an Edvard nicht ran – zunächst. Erst nach und nach finden sie zusammen. Aber Edvard hat ein Geheimnis, und dann kommt es auch noch zu einem schweren Zwischenfall.

“Gehen, immer weiter” heißt der Roman von Sigrid Zeevaert. Er erzählt von einer Freundschaft, die auf wackligen Beinen steht. Und von einem Jugendlichen, in dessen Leben längst nicht alles glatt verläuft.
Die Autorin erzählt aus der Sicht von Luis, was passiert ist. Lange ist unklar, worauf der Roman überhaupt hinauslaufen soll. Luis erzählt von der Faszination zu diesem Neuen, aber auch davon, dass er ein Konkurrent ist, als ein Mädchen ins Spiel kommt. Und letztlich geht es auch ums Erwachsenwerden, denn Luis muss sich mit wirklich schwierigen Problemen auseinandersetzen. Das ist nach schleppendem Start zunehmend interessant.
Buchtitel und Cover-Motiv sind allerdings eher nicht so passend zu dieser Geschichte.

Sigrid Zeevaert: Gehen, immer weiter
Thinemann, 159 Seiten
7/10

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