Tagesarchiv für 18. September 2019

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Berlin direkt: Björn Höcke

Mittwoch, den 18. September 2019
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SO 15.09.2019 | 19.10 Uhr | ZDF

Wenn es mal so kommen sollte, dass Björn Höcke vielleicht mal die Macht ergriffen hat, dann kann er ARD und ZDF zeigen, wer der Herr im Haus ist. Dann passiert ihm so was nicht, dass ihm ein ZDF-Reporter höchst unangenehme Fragen stellt und dass ihm für Sekundenbruchteile mal das Gesicht entgleist. Denn so was kann man ja eigentlich nicht im Fernsehen senden, und wenn er was zu sagen hat, dann hätte er das auch sofort unterbunden.

Schon beim “Bericht aus Berlin” am Sonntag im Ersten wollte Alexander Gauland von der AfD nicht an der Zuschauer-Fragerunde teilnehmen, weil man Durchlaucht die Fragen vorher nicht geben wollte. Und in “Berlin direkt” Minuten später im ZDF wollte der Sprecher von Björn Höcke, dass der ZDF-Journalist einfach noch mal sein Interview von vorn beginnt, damit Höcke nicht so leiden muss. Denn der Sprecher sagte, dass Höcke so emotional angegriffen sei – der lächelte währenddessen entspannt bor sich hin und trank erst mal was -, dass man das ja unmöglich senden könne.

Das Gespräch – es sollte von vornherein um Höckes Sprache gehen – begann mit einer Umfrage unter AfD-Politikern. Sie bekamen Zitate aus Höckes Buch und mussten sagen, ob das Zitat aus Hitlers “Mein Kampf” oder aus Höckes Werk stammte. Einer vermutete, dass es von Hitler stammt, die anderen wollten sich nicht festlegen, und nebenbei bemerkt hat kein einziger das Höcke-Buch gelesen – Hitlers Kampf aber auch nicht.

In “Berlin direkt” lief das Interview dennoch – online auch in voller Länge.
Die Frage ist allerdings: Was will uns das ZDF beweisen? Schon Tina Hassel hat Gauland im ARD-Sommerinterview mit uralten Kamellen genervt, in denen Gauland und andere AfD-Leute rechtsextreme Parolen losließen. Otto-Normal-Bürger weiß, dass die rechtsextrem waren, und darüber muss man nicht noch mal reden.
Ebenso bei Höcke. Außerhalb der AfD wissen die allermeisten Leute, dass Björn Höcke in der rechten AfD ganz weit rechtsaußen steht. Seine rechtsextremen Parolen und sein Nazisprech zu hinterfragen, ist nicht mehr wirklich sinnvoll, dann Nazisprech ist nun mal Nazisprech, wie sie ein Neonazi nun mal in Reden von sich gibt.

Das ZDF aber gibt Höcke wieder eine Bühne, und wieder kann sich Höcke und kann sich auch die AfD wieder als Opfer des bösen Staatsfunks darstellen. Seine Klientel wird einmal mehr erbost aufheulen und rumtönen, dass ja alles immer schlimmer werde und die Meinungsfreiheit weg und das ZDF schlimmer als das Fernsehen der DDR sei. Jaja.
Vermutlich wäre die AfD, wenn sie an der Macht wäre, die Partei, die ARD und ZDF gleich mal auf Parteilinie bringen wollen würde. Denn eigentlich ist es die AfD, die einen Staatsfunk will. Aber eben erst, wenn sie selbst das Sagen haben.

-> Das Höcke-Interview in der ZDF-Mediathek

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Bericht aus Berlin – Sommerinterview: Alexander Gauland

Mittwoch, den 18. September 2019
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SO 15.09.2019 | 18.30 Uhr | Das Erste

Sie müssen gar nichts.
Das sagte Tina Hassel, die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios am Sonntag am Ende des Sommerinterviews mit dem AfD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland.
Sie fragte ihn zuvor, warum er nicht an der Sendung “Frag selbst” teilnehmen wollte, in der ausschließlich Zuschauer die Fragen an Gauland gestellt hätten – natürlich vorher ausgesuchte Fragen von der Redaktion. Seine Begründung, warum er das nicht wollte: Weil er vorher die Fragen nicht kannte.
Wenn Tina Hassel nun sagt, dass er gar nichts müsse, dann ist das bedauerlich. Denn in Wirklichkeit ist es ziemlich armselig von Alexander Gauland, sich den Leuten nicht zu stellen.

Alexander Gauland war früher mal Journalist. Da sollte er eigentlich wissen, wie das läuft, dass es eher, nun ja, unüblich ist, Politikern vorher die Fragen vorzulegen. Und im Grunde wirft die AfD das gern mal den Journalisten vor, dass sie mit Politikern kuschelten und nur machen, was die ihnen einflüstern. Und hier wollte also AfD-Gauland auch einflüstern, was er für Fragen beantworten will?
Es wäre schön gewesen, wenn Tina Hassel da mehr Partei für ihre Zuschauer ergriffen hätte.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek

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ZAPPER VOR ORT: Mein Lied für dich

Mittwoch, den 18. September 2019
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SO 15.09.2019 | Berlin, Studio Berlin

Das Set ist verhältnismäßig klein und fast intim. An der Decke hängen zwei Kronleuchter, auf der Bühne stehen zwei Sessel und ein Sofa. Am Rand sind Instrumente für eine Band aufgebaut.
Das ZDF hat am Wochenende im Studio Berlin in Adlershof die ersten beiden Folgen einer ganz neuen Show ausgestrahlt. Sie heißt “Mein Lied für dich”, moderiert von Judith Williams.
Es kommt nicht oft vor, dass ich zu einer Show gehe, bei der ich überhaupt nicht weiß, was mich erwartet. Ich wusste nur, dass irgendwer für irgendwen ein Lied singen wird.

Die Stimmung bei der Aufzeichnung am Sonntagabend war entspannt. Dennoch: Erstaunlicherweise mussten wir nicht nur unsere Jacken und Taschen abgeben. Selbst Schlüssel und Handys waren verboten. Alles musste an der Garderobe gelassen werden – ein bisschen übertrieben, wie in einem Hochsicherheitstrakt. Immerhin durfte ich mein Jäckchen anlassen, auch weil ich befürchtete, dass es im Studio wie so oft relativ kühl sein könnte, wollte ich sie nicht hergeben. Schnell war klar: Kühl war es dort nicht.

Nach einem Warm mit den üblichen Hinweisen, dass wir doch bitte allen Leuten einen schönen Applaus spenden sollen, begann die Aufzeichnung.
“Mein Lied für dich” funktioniert so: Jemand kommt, um jemand anderem ein Lied zu singen. Es ist jemand, der einen wichtig ist, der was Tolles geleistet hat, den man liebt oder der es einfach drauf hat und das in der Öffentlichkeit mal zeigen muss.

Los ging es mit einem Busfahrer, der in seinem Bus immer klassische Lieder singt und damit für Aufsehen sorgt. Er springt auch gleich in der ersten Reihe auf, als Judith Williams seinen Namen sagt – dass er nichts geahnt oder gewusst hat, da würde ich mich nicht festlegen wollen. Seine Überraschung ist, dass er mit einem echten Klassikstar am Ende der Show singen darf – was die beiden dann auch machen, und ob die Stunde zum Üben ausreicht – nun ja, man weiß es nicht.

Aber es wird sie geben, die rührenden Momente. Wenn eine ganze Schule für die Lieblingslehrerin singt (leider nur im Filmbeitrag). Wenn eine junge Frau für ihre Frau ein Lied singt, das sie eigentlich schon zur Hochzeit singen wollte, aber sich nicht traute. So viel sei gesagt: Dieser Auftritt ist ganz groß.
Es gibt einige dieser durchaus schönen Momente an diesem Abend.

Die Aufzeichnung dauert mehr als zwei Stunden, und ich bin gespannt, wie sie daraus 90 Minuten schneiden wollen. Ob dieses unaufgeregte, herzliche, manchmal schmalzige Format bei den Leuten ankommt, muss sich zeigen. Es wäre der Show zu wünschen, weil es da mal nicht um Krawall geht oder um große Gewinne.
Judith Williams, die man vom Teleshopping und von der “Höhle der Löwen” kennt, ist allerdings nicht unbedingt die richtige Besetzung für die Show. Ihr fehlt es an echter Herzlichkeit, sie hängt an ihren Zetteln, von denen sie die Moderation abliest, da wünscht man sich mehr Emotionen und dass sie mehr auf die Leute zugeht. Stattdessen wirkt sie höflich distanziert – für diese Art der Show muss sie aber mehr aus sich rauskommen.
Das merkt man auch daran, wie sie jeweils ihre Gäste verabschiedet. Nämlich oft nur nebenbei, manchmal gar nicht, sie geht dann einfach weg und liest schon die nächste Moderation ab. Von den Rängen aus, sahen wir dann, wie einige der Leute etwas irritiert abgingen, manchmal nicht mal empfangen von einem Teammitglied, das den Weg zeigt. Einige Kandidaten standen ewig am Kulissenrand rum, nachdem sie dran waren. Das ist ungewöhnlich für so eine professionelle Show.

Alles in allem war “Mein Lied für dich” vom Publikum aus ein recht kurzweiliger Abend, auch wenn es zum Ende doch etwas zäh wurde. Aber da saßen wir ja auch schon drei Stunden im Studio.
Als wir raus gingen, war es längst dunkel. Wir nahmen unsere Sachen in Empfang, und beim Rausgehen liefen wir an den wartenden Leuten vorbei, die zu “Anne Will” wollten, die wenig später live im Studio Berlin auf Sendung gehen sollte.

“Mein Lied für dich” läuft am 16. und 23. Oktober im ZDF. Ob wir in der ersten oder zweiten Show saßen, sehen wir erst bei der Ausstrahlung. Ich könnte mir vorstellen, dass die zweite aufgezeichnete Show als erstes gesendet wird.

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