Monatsarchiv für September 2019

RT im Kino

Systemsprenger

Montag, den 23. September 2019

Dieser Film lässt einen nicht kalt. Er wühlt auf, und er macht hilflos. Weil man einfach keinen Ausweg weiß. Vielleicht weil es ihn erst mal nicht gibt.

Wohin mit Benni (Helena Zengel)? Das neunjährige Mädchen war schon in diversen Pflegefamilien und Wohngruppen. Überall schickte man sie wieder weg. Sie ist lieb, sie kann lieb sein. Aber sie kann auch ausrasten. Schlimm ausrasten. Dann ist sie nicht zu bändigen. Wenn etwas nicht so läuft, wie sie es will. Wenn man ihr ins Gesicht fasst. Wenn sie zurückgewiesen wird.
Dabei will sie nur eines: zu Mama (Lisa Hagmeister). Doch zu ihr kann sie nicht. Das Jugendamt hat sie ihr weggenommen, und sie kommt auch nicht mit dem hochexplosiven Mädchen klar. Sie hat Angst vor ihrem Kind. Sie ist überfordert. Und offenbar ist Benni dort auch Böses getan worden.
Nur Frau Bafané (Gabriela Maria Schmeide), die Mitarbeiterin des Jugendamtes, kommt an das Kind heran, und auch der Betreuer Micha (Albrecht Schuch) schafft es, Zugang zu Benni zu bekommen. Er nimmt sie drei Wochen mit in den Wald. Raus kommen. Runter kommen.
Aber reicht das? Und was soll aus dem Mädchen werden?

Benni ist ein “Systemsprenger”. Ein Mädchen, das durch das Betreuungssystem fällt, weil niemand sie betreuen kann. Weil sie niemand bändigen kann.
Der Film war einer der Höhepunkte bei der 69. Berlinale 2019, und nun soll er als deutscher Oscar-Kandidat ins Rennen gehen. Vollkommen zurecht, denn dieser Film ist ein Ereignis, so schwer erträglich die Handlung auch ist.
Denn es tut weh zu sehen, was das Mädchen durchmacht. Aber auch, was die Erwachsenen durchmachen, weil scheinbar keine Maßnahme etwas bringt. Alle leiden sie. Benni und auch die, denen das Mädchen am Herzen liegt. Immer wieder gibt es Rückschläge.
Mit unfassbarer Wucht spielt Helena Zengel das neunjährige Mädchen. Diese Wut, diese harten körperlichen und psychischen Attacken werden von ihr auf eine erschütternde Art gespielt. Auch Albrecht Schuch spielt großartig – einen Mann, der entsetzt ist, als er das Mädchen erstmals sieht. Der etwas tun will und auch immer wieder Rückschläge erleidet. Gabriela Maria Schmeide, die Jugendamtfrau, die die Hoffnung nie aufgibt, bis auch sie irgendwann regelrecht zusammenbricht. Lisa Hagmeister, die Mutter, so voller Liebe und voller Angst und voller Verzweiflung. Bis in die Nebenrollen ist “Systemsprenger” hervorragend besetzt.
Klar ist, dass sich hier eine Fortsetzung anbietet – vielleicht in drei Jahren. Diese Geschichte ist noch längst nicht auserzählt.

-> Trailer auf Youtube

Systemsprenger
D 2018, Regie: Nora Fingscheidt
Port au Prince Films, 118 Minuten, ab 12
10/10

Hits: 38

RTelenovela

Ist das noch mein Kaufland?

Montag, den 23. September 2019
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Klingt komisch, aber für mich ist ein Bummel durch den Supermarkt immer ein Stück Entspannung. Neben dem, was man so oder so kaufen muss, schlendert man durch die Regale, schaut hier und schaut dort. In der Regel weiß man ja, was man wo findet, und zwischendurch steht immer mal wieder was Neues im Regal oder auf dem Gang.

Als ich am Sonnabend aber in das Oranienburger Kaufland kam, blieb ich erst mal wie angewurzelt stehen. Alles sah anders aus. Hinter der Schranke waren früher immer rechts die CDs und Zeitschriften, links Gedöns wie Schuhe oder Klamotten. Alles anders.
Jetzt stand ich mitten in der Gemüseabteilung.

Kennst du das auch, wenn du von einer Sekunde auf die andere ganz schlechte Laune bekommst? Wenn du plötzlich anstatt entspannt total gestresst bist?
Denn nun begann das große Suchen. Ziemlich verstört lief durch den Gang entlang. Links kamen statt der Suppen die Süßigkeiten, davor Backwaren. Völlig konfus und schlecht gelaunt stiefelte ich durch die Reihen. Immerhin schien die rechte Seite des Marktes weitgehend unangetastet. Milchprodukte, Getränke, Drogeriewaren – alles noch da. Da stieg die Laune dann schon wieder leicht an.

Hits: 33

KeineWochenShow

#142 – Paul Aurin, Show-Wettkämpfer und Lehrer des Jahres

Sonntag, den 22. September 2019
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Zum fünften Mal haben wir einen Gast in KeineWochenShow. Bei uns ist Paul Aurin. Der 29-Jährige aus Hohen Neuendorf steht am 28. September wieder auf der Bühne der Stadthalle in Hohen Neuendorf. Dann heißt es wieder “Wer besiegt Paul?”, und gegen ihn wird wieder jemand in bis zu 15 Spielen antreten, um 2000 Euro zu gewinnen.
In unserer Sendung erzählt er, wie so eine Show entsteht, was für ein großes Team dahintersteckt und wie alles angefangen hat.

Er erzählt aber auch von seinem Beruf. Er ist Lehrer am Hohen Neuendorfer Marie-Curie-Gymnasium und erhielt 2019 die Auszeichnung “Lehrer des Jahres” im Landkreis Oberhavel. Er berichtet auch davon, wie er sich den Lehrer der Zukunft vorstellt.
Das alles in KeineWochenShow #142 auf Youtube.

Hits: 52

RTelenovela

Mal schnell in den Baumarkt is’ nich’

Sonntag, den 22. September 2019
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Um das mal vorweg zu nehmen: Du kannst stolz auf mich sein. Denn in meinem Flur waren beide Deckenlampen kaputt gegangen – im Abstand von wenigen Tagen. Und ich habe sie komplett selbstständig austauschen können. Hochgeklettert, rausgefummelt, neu gekauft, hochgeklettert, reingefummelt.

Die kleinen Lampen habe ich aus dem Baumarkt. Ich gehe mal schnell in den Baumarkt, dachte ich mir. Funktioniert nicht wirklich. Ich betrat das Geschäft im Oranienburger Oranienpark, und schnell stellt man fest: Man hat gefälligst den Weg zu laufen, der uns Kunden vorgegeben wird.
An den Wohnzimmereinrichtungen vorbei. An den Sofas. Den Esstischen. Den Schrankwänden. Irgendwann kam ich an den Büroeinrichtungen vorbei, rechts und links und wieder rechts. Abkürzen geht nicht. Bei den Schreibtischen bin ich kurz gestoppt, um festzustellen: Ich brauche keinen, ich habe schon einen.
Aber dann, kurz vor der Kasse: Die Lampenabteilung! Endlich! Dort angekommen stellte ich fest, dass ich offenbar doch eine Abkürzung übersehen habe. Allerdings hätte ich dann ja nicht an den Schreibtischen anhalten können, um feststellen zu können, dass ich schon einen habe.

Zum Glück hatte ich ein Musterexemplar mit, eine meiner kaputten Lampen. Ich fand eine entsprechende LED-Variante, und kurz danach davon auch ein Dreierpack, das so viel kostet wie die einzelne Lampe.
Der Einkauf war erfolgreich, mir geht wieder ein Flurlicht auf – nur die Sache mit dem schnell mal in den Baumarkt – die funktioniert nie.

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RTZapper

O’zapft is!

Sonntag, den 22. September 2019
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SA 21.09.2019 | 11.15 Uhr | Das Erste

Sonnabend, 11.59 Uhr, und Deutschland hält den Atem an. Alle blicken sie nach München, denn auf der Wiesn wird die ersten Maß Bier angestochen, und alle Welt fragt sich nicht, wie viele Schläge denn der Oberbürgermeister brauchen wird, bis das alkoholische Gebräu denn endlich in Strömen fließen wird.

Das Erste übertrug den Start des Münchner Oktoberfestes. Es ist viele Jahrzehnte Tradition, dass bundesweit live übertragen wird, wie ein Volksfest eröffnet wird und sich der Oberbürgermeister und Ministerpräsident feiern lassen. Wofür auch immer.

Dann wurde ab zehn abwärts der Countdown gezählt, und schon bei zwei war alles vorbei. Der Oberbürgermeister Dieter Reiter hat nur zwei Schläge gebraucht, um das Fass anzustechen. Dummerweise haben wir nur einen davon gesehen, weil die Regie langsamer war als der eifrig stechende OB. Man kann halt nicht alles haben, o’zapft is! Aber Hauptsache wir machen da keine Welle drum, um dann die Hälfte vom wichtigsten, sendungstitelgebenden Akt zu verpassen.
Wenigstens durften wir ausführlich zusehen, als sich Reiter, Ministerpräsident Söder und ihre Frauen von den Fotografen abschießen ließen.
Ein Prosit, ein Prosit auf die Gemütlichkeit! Es darf gesoffen werden!

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aRTikel

Yule Zebe liebt das Spiel mit dem Feuer

Samstag, den 21. September 2019
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Der 29-jährige Beetzer begeistert die Zuschauer mit Flammen – schon als Jugendlicher beginnt er zu üben – hauptberuflich arbeitet er mit dem Spargel

Beetz.
Seine Eltern sagen, er habe schon als Kind eine große Affinität zum Feuer gehabt. Yule Zebe lächelt, als er das erzählt. Denn das Spiel mit dem Feuer ist für den 29-Jährigen aus Beetz ein großes Hobby geworden.

Die Kremmener kennen ihn vermutlich vom Spargelhof. Dort arbeitet er als Betriebsleiter Spargel und kümmert sich um den Anbau und die Ernte des Gemüses. Ende Juli trat er allerdings in einer anderen Rolle auf – nämlich mit seiner Feuershow beim Festival „Feuer und Flamme für Kremmen“ im Scheunenviertel. Er zeigte seine Qualitäten als Feuerspucker, er wirbelte das Feuer an Kugeln durch die Luft und sorgte damit beim Publikum für Erstaunen und Freude.

„Ich hatte schon früh Lust, selber was damit zu machen“, erzählt er. „Feuer hat etwas sehr Urtümliches, Warmes, gleichzeitig auch was Mächtiges und Bedrohliches.“ Mit 14 Jahren kaufte er sich Pois. Ein Poi ist ein Ball am Ende einer Kette, den man herumschleudert. „Ich habe dann im Garten geübt. Da hat man ja eine steile Lernkurve, ansonsten verbrennt man sich.“ Später begann er mit Fackeln zu arbeiten. Und auch das Feuerspucken wollte er lernen. „Ich habe Texte dazu gelesen und geübt. Erst mit Wasser.“ Entweder verwenden Feuerspucker eine Flüssigkeit oder Pulver. „Ich arbeite mit Flüssigkeit“, sagt Yule Zebe. Das ergibt eine schönere Flamme.“ Man müsse diese Flüssigkeit, ein Feuerspuckfluid, stark ausstoßen, so dass sich eine große Wolke ergebe. „Das Zeug ist mehr oder weniger geschmacksneutral.“ Wichtig sei der Wind. Gegenwind könnte die Flamme zurückstoßen. „Und man sollte es nicht einatmen.“
Auch immer gern gesehen: die Funkenpois. „Die sind technisch nicht anspruchsvoll, dafür aber effektvoll“, sagt der 29-Jährige. „Die sollte man so schnell wie möglich drehen, sie sprühen Funken, das sieht aus wie ein Riesenrad.“
Seinen allerersten Auftritt als Feuerkünstler hatte er in Wunsiedel in Oberfranken. „Das war auf einer Chorfahrt, ich war da als Betreuer mit.“ Inzwischen tritt er 15 bis 20 Mal pro Jahr auf. „Oft zur Weihnachtszeit, aber auch bei Hochzeiten oder Firmenfeiern.“ Nicht immer ist alles glattgegangen. „Einmal hat sich eine heiße Kette ums Handgelenk gelegt.“ Auch bei einer Fackeljonglage hat er sich einmal verbrannt. „Da habe ich am falschen Ende zugegriffen.“ Bart und Haare sind auch schon mal angekokelt worden.

Yule Zebe stammt aus Berlin, seit 2016 lebt er mit seiner Frau in Beetz. Mit ihr hat er drei Kinder. Er studierte in Hessen ökologische Agrarwissenschaften, später absolvierte er eine Ausbildung auf einem Schulbauernhof. „Mein Ziel war eine eigene Landwirtschaft, ein eigener Hof.“ Davon hat er sich mittlerweile mehr oder weniger verabschiedet. „So was ist heute sehr schwierig“, sagt er. Nach Beetz kamen er und seine Frau, weil beide ihren Familien, er hat sechs Geschwister, nah sein wollten. In der Großstadt aber wollten sie nicht mehr leben.

Für Hobbys neben dem Job auf dem Spargelhof und der Feuershow bleibt nur wenig Zeit – zudem ist er erst kürzlich zum dritten Mal Vater geworden. Die beiden anderen Kinder sind sechs und drei. Ansonsten betreibt er modernes Survival: Buschcraften. Das ist das Handwerken in der Natur, aber auch das Handwerk in der Natur zu bestehen. „Draußen sein und leben können.“ Sehr selten bleibt noch Zeit zum Klettern. „Wobei das ja in Brandenburg eher schwierig ist.“ Während seine Frau in Beetz als Tagesmutter arbeiten will, arbeitet Yule Zebe seit 2016 auf dem Spargelhof in Kremmen. Er fing als Standbetreuer an und stieg recht schnell zum Spargel-Betriebsleiter auf. Jetzt, im Herbst, hat er da etwas mehr Freiräume als zur Hochsaison.

-> Im Internet: laubrausch.info

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ORA aktuell

Klimastreik: 580 Leute bei Demo in Oranienburg

Samstag, den 21. September 2019
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Weltweiter Klimastreik – und auch in Oranienburg. Nach Angaben der Veranstalter nahmen am Freitagmittag 580 Menschen an der Demonstration teil.
Die Bewegung “Fridays for Future” erreichte diesmal Menschen aller Altersklassen, die bei der Demo mitliefen. Sie führte vom Bahnhof über den Louise-Henriette-Steg zum Landratsamt, weiter zum Louise-Henriette-Gymnasium und zum Schloss.

Oranienburgs “Friday for Future”-Sprecher Tobias Fiedler forderte bei der Abschlusskundgebung die Abschaltung von einem Viertel aller Kohlekraftwerke bis Ende des Jahres und den kompletten Ausstieg bis 2030. Er sprach sich zudem für eine CO2-Steuer aus.

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