Tagesarchiv für 3. August 2019

aRTikel

Überflieger: Der Mann mit dem besonders guten Geschmack

Samstag, den 3. August 2019
Tags: , , ,

Der Sommerfelder Nicolas Kröger (28) kreiert und produziert Spirituosen und ist unter Kennern für seine gute Feinsensorik bekannt – in Berlin hat er eine Bar

MAZ Oberhavel, 3.8.2019

Sommerfeld.
Nicolas Kröger hat viel mit Alkohol zu tun. Was aber nicht heißt, dass er davon übermäßig viel trinkt. Das stellt er klar und lächelt dabei. Viel mehr geht es ihm um den Geschmack, um die Inhaltsstoffe. Er gilt in der Branche nicht umsonst als Feinsensoriker. Das „Foodist-Magazin“ nannte ihn einen aufstrebenden Stern am Destillerie-Himmel. Der 28-Jährige aus Sommerfeld ist Spirituosen-Produzent und hat mit „Fine Spirits“ seine eigene Firma. Bei ihm gibt es Gin, Rum oder Whisky. Er kreiert neue Sorten und füllt die Flaschen in seiner kleinen Sommerfelder Manufaktur ab und lässt sie etikettieren. Er sitzt zudem in Jurys und bewertet den Geschmack von Spirituosen und bietet sie selbst auch in seiner „Wagemut“-Bar in Berlin-Kreuzberg an.

Zu ihm kommen Firmen oder auch Leute, die eigene Spirituosen-Kreationen haben möchten. „Das Wertvollste, was ich habe, ist zu wissen, was Leute geschmacklich wollen“, erzählt er. Aber wie wird beispielsweise so ein neuer Whisky kreiert? „Ich frage dann zum Beispiel: Was ist dein Lieblingsschnaps? Dann sagen sie eine Marke oder Kategorie. Und ich frage: Was gefällt dir daran?“ Er hört zu und hat dann meist schon Ideen im Kopf. „Ein Kunde wollte einen Whiskylikör mit Zimtnote.“, erzählt er. Er brachte daraufhin Vanille ins Spiel. „Ich habe alles in konzentrierter und destillierter Form da.“ Meist gehe es bei der Umsetzung eines neuen Geschmacks um Emotionen. „Ich stelle mir etwas vor, beginne mit meiner Arbeit und versuche, es beim ersten Versuch umzusetzen.“ In der Regel sitze die Rezeptur schon beim ersten Mal. Da spricht der Feinsensoriker.

Ursprünglich stammt Nicolas Kröger aus Ellerau in Schleswig-Holstein. Schon mit 15 begann er, Schnaps zu brennen. „Ich hatte immer Interesse an Sensorik und Geschmack, schon mit elf konnte ich mehrere Gänge kochen.“ Sein Opa habe gern Wein getrunken, und er sei erstaunt gewesen, „wie gut ich den sensorisch auseinandernehmen konnte.“ Das hatte er schnell drauf: Geschmäcker und die Unterschiede erkennen.
Er begann eine Lehre zum Hotelfachmann im Steigenberger in Hamburg, machte dort auch eine Sommelier-Ausbildung. Später ging er nach York, um Englisch zu lernen. „Dort habe ich eine Mondschein-Destillerie aufgezogen“, erzählt er. „Auf jeder Party standen meine Flaschen.“ Später arbeitete er im Londoner Ritz-Hotel, kümmerte sich dort um den Bar-Bereich. Auf den Malediven war er im „One & Only“-Hotel für die Umgestaltung des Barkonzepts zuständig. In Südafrika absolvierte er schließlich noch eine Butler-Ausbildung. „Ich wollte nie Butler werden, aber das höchste Level im Service erreichen.“ Überall sei er immer mit Abstand der Jüngste gewesen.

„Mein Leben bestand nur aus Schnapsbrennen und arbeiten“, sagt er. Er sei immer mit Leidenschaft dabei gewesen, eines führte immer zum anderen in seinem Leben. 2013 kam er nach Berlin. „Ich wollte aus der Luxushotellerie raus in den Barbereich.“ Schließlich machte er sich selbstständig – mit eigener Firma und mit eigener Bar. „Ich wollte immer die Bar mit der besten Spirituosenauswahl haben.“ Inzwischen hat „Wagemut“ in der Kreuzbergstraße in Berlin nach seinen Angaben 2500 verschiedene Spirituosen zu bieten. „Davon 1800 Flaschen, die es nicht mehr gibt.“

Er sagt, dass Spirituosen nicht teuer sein müssen. Er sei genervt von „Heuchelprodukten“, wo die Flasche extravagant aussehe und entsprechend teuer sei, der Inhalt aber weniger. „Ein guter Rum kann schon um die 20 Euro Freude machen.“ Er ist Mitglied im Freimeister-Kollektiv. Dabei handelt es sich um eine Plattform für neue Spirituosen-Produkte. „Wir wollen den Markt revolutionieren. Das sind echte Produkte, die nachhaltig produziert werden.“ Hochwertige Produkte in scheinbar schlichten Flaschen – damit sind sie schon recht erfolgreich und haben Preise gewonnen. Seine eigenen Kreationen sind gekennzeichnet als „N.Kröger“, künftig soll aber die Marke „Wagemut“ hervorstechen – nicht nur die Bar, sondern auch die von ihm kreierten Produkte.
Er selbst mag übrigens am liebsten Champagner. „Aber an sich trinke ich sehr wenig, der Alkohol beeinflusst den Geschmack.“ Auf den komme es ihm an. Da er viel unterwegs sei, könne er auch gar nicht so viel Alkohol trinken.

In Sommerfeld lebt er seit drei Jahren. „Ich mag Städte nicht besonders“, sagt er. Stattdessen fährt er mit dem Rad durch die Wälder. „Das brauche ich.“ Gerade füllt Mitarbeiterin Heike Preuße unten im Haus wieder Flaschen ab – für neue Produkte made in Sommerfeld.

Hits: 135

aRTikel

Andreas Dalibor verlässt die SPD

Samstag, den 3. August 2019
Tags: , , ,

Der Beetzer will weiter Ortspolitik machen – auch das Festival “Feuer und Flamme für Kremmen” wird es nicht mehr geben

MAZ Oberhavel, 3.8.2019

Kremmen.
Andreas Dalibor ist aus der SPD ausgetreten. Das bestätigte der 61-jährige Beetzer der MAZ am Freitag auf Nachfrage. Und auch das Umsonst-und-draußen-Festival „Feuer und Flamme für Kremmen“, das erst am vergangenen Wochenende stattgefunden hatte, wird es nicht mehr geben.

„Weil ich mit verschiedenen Sachen aufhöre“, begründete Andreas Dalibor seine Entscheidungen. Seinen Entschluss, die SPD zu verlassen, hatte er bereits vor einer Woche umgesetzt, wie er nun sagte. Dass er die Sozialdemokraten verlasse, habe mit der „Bundespolitik ein Stück weit mehr als mit der Kreispolitik zu tun“, sagte er. Allerdings sei der Streit um das Punkfestival „Resist to Exist“ in Kremmen – das nun in Berlin-Marzahn stattfindet – das Tröpfchen gewesen, dass das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Er habe sich da von seiner Partei – auch Landrat Ludger Weskamp ist in der SPD – mehr Unterstützung gewünscht. „Aber die Bundespolitik momentan ist durchaus der größere Hammer.“ Eigentlich wollte er seinen Austritt gar nicht so publik machen, am Freitag wussten auch innerparteilich nur wenige davon, aber dennoch ist die Nachricht intern offenbar doch durchgesickert. „Ich wollte die Punkfestgeschichte erst mal sacken lassen und nicht so schmollig rüberkommen.“ Er sei nie der große SPD-tätige gewesen, sagte er. „Ich war ja auch im Kreistag immer eher einer der Stillen. Aber ich finde es gut, wenn ein paar Leute mal ins Nachdenken geraten.“ Er sei im Herzen immer noch bei Regine Hildebrandt und Willy Brandt, ergänzte er.

In der Kremmener Politik will er sich jedoch weiter engagieren. „Je nachdem, was die Kollegen im Ortsverein sagen“, so Andreas Dalibor weiter. „Kann ja sein, dass die das nicht gut finden.“ Dalibor ist in der Fraktion der SPD-UWG/LGU im Kremmener Stadtparlament der Vorsitzende.

Dass das Event „Feuer und Flamme für Kremmen“ am 27. Juli letztmals stattgefunden hat, darüber hatte er seine Mitstreiter bereits am Donnerstag informiert. „Die fanden es natürlich schade“, sagte Andreas Dalibor. Wenn sich aber jemand anderes den Hut aufsetzen würde, dann würde er das Equipment zur Verfügung stellen. „Es hat großen Spaß gemacht, aber es war auch eine große Belastung, gerade in den Wochen davor.“ Die Sicherheitsauflagen würden immer umfangreicher werden, „was sicher auch eine Folge der Punkgeschichte ist“, glaubt er. Und grundsätzlich: „Ich will jetzt einfach etwas kürzer treten.“
Dennoch habe das Festival „Feuer und Flamme“ am vergangenen Sonnabend einen schönen Nebeneffekt gehabt, so Dalibor. Auch wenn es wegen des Punkevents unterschiedliche Meinungen gegeben habe, dort hätten alle an einem Strang gezogen – vom Bürgermeister, bis zu den Leuten am Bierwagen und am Grill. Politik habe da keine Rolle gespielt.

Auch wenn er kürzer treten will, sein Theater „Tiefste Provinz“ in Kremmen ist davon nicht betroffen. Das will er auch weiterhin im Scheunenviertel betreiben.

Hits: 95

RTZapper

Guten Morgen, Deutschland!: Pocher vs. AfD

Samstag, den 3. August 2019
Tags: , ,

FR 02.08.2019 | 6.00 Uhr | RTL

Eigentlich ist Oliver Pocher für die leichte Unterhaltung zuständig. Aber es gibt Themen, da ist die leichte Unterhaltung nicht angebracht, da geht es darum, Haltung zu zeigen. Oliver Pocher tut dies.

Was auf dem Frankfurter Hauptbahnhof passierte, war grauenvoll. Ein Mann tötete einen Achtjährigen, er schubste ihn vor einen einfahrenden ICE. Auch die Mutter schubste er, sie konnten sich retten. Der Mann kommt aus Eritrea, lebte schon einige Jahre in Schweiz, galt als integriert. Aber offenbar hat er schwere psychische Probleme, wurde schon polizeilich gesucht.
Nach der Tat twitterte die laut Behörden in der Schweiz gemeldete AfD-Frau, dass man die Bürger vor der grenzenlosen Willkommenskultur schützen müsse. Die AfD-Bundestagsabgeordnete Verena Hartmann schrieb auf Twitter, dass sie “den Tag ihrer (Angela Merkel) Geburt” verfluche.

Diese Provokation ist widerlich, und völlig recht brachte das auch Oliver Pocher auf die Palme. “Solange solche Abgeordneten, die „den Tag der Geburt von Frau Merkel verfluchen“, im Bundestag für die AfD sitzen, brauch man mit euch nicht diskutieren”, schrieb er, “oder können Sie sich von so einer Beleidigung mal deutlich distanzieren!?”
Kann die AfD offenbar nicht.

Auch nicht am Freitagmorgen bei RTL. Da saßen bei Wolfram Kons der AfD-Mann und NRW-Landtagsabgeordnete Martin Vincentz und Oliver Pocher.
Nein, da saß weder Alice Wedel, noch Verena Hartmann. Es wäre spannend gewesen, wie die versucht hätten, sich rauszureden. Oder vielleicht hätte sie sich nicht mal rausgeredet, denn warum sonst sollten sie das auf Twitter schreiben, wenn sie es nicht so meinen?
Stattdessen saß da – ganz AfD-medientypisch – der nette Politiker von nebenan. Ein Sympathieträger, der nett vor sich hinplauderte, der sich aber auch nicht konkret von dem Merkel-Tweet distanzierte.
Dagegen kam Oliver Pocher kaum an, denn was soll man gegen so einen freundlichen Herrn tun, der da in die RTL-Kameras lächelte und der diese widerlichen Tweets auch gar nicht geschrieben hatte.
Pocher betonte nochmals, dass dieser Tweet, der Merkels Geburt verfluche gar nicht gehe – und der AfD-Mann lächelte und erzählte ein bisschen was anderes.

RTL hatte da einen spannenden Ansatz, und dass Oliver Pocher sich da hinsetzt und diese Konfrontation nicht scheut, ist gut. Aber die AfD hat mal wieder alles richtig gemacht und einen Sympathieträger ins RTL-Studio geschickt. Denn mit den Neonazis im eigenen Haus will man sich dann doch nicht zu RTL begeben. Da hat sich RTL jedenfalls echt vorführen lassen.

-> Das Gespräch auf RTL.de

Hits: 167