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hessenschau: Mahnwache in Frankfurt/Main

DI 30.07.2019 | 19.30 Uhr | hr fernsehen

Manchmal fragt man sich wirklich, ob eigentlich ein Taktgefühl zur Ausbildung von Journalisten gehört. Der Reporter der hessenschau vom hr hat da ganz offensichtlich Nachholbedarf.

Am Dienstagabend fand vor dem Hauptbahnhof in Frankfurt/Main eine Mahnwache statt. Die Menschen kamen zusammen, weil sie um den Jungen trauerten, vor von einem Mann auf den Bahnsteig vor einen ICE geschubst worden ist und daran starb. Und weil sie mit dessen Mutter trauerten.
Vorne sprach jemand tröstende Worte, und die Leute hörten schweigend zu.

Einer schwieg nicht: der Reporter vom hr. Der stand mitten in der Menge und redete halblaut in die Kamera. Dass das irgendwie unpassend ist, schien er zu merken, denn er sah sich immer wieder leicht verunsichert um. Dennoch sprach er eine Frau an, die zur Mahnwache gekommen war. Vermutlich war das vorher abgesprochen, denn auch noch die Trauernden live zu fragen, ob sie was sagen wollen, wäre vermutlich absolut taktlos gewesen.
Später sprach der Reporter noch mit einer Trauerbegleiterin, und das alles inmitten der Menschen, die der Mahnwache folgten.
Das Ganze wirkte deplatziert und war auch unnötig. Der hr-Mann hätte sich auch etwas weiter abseits hinstellen können.

Und apropos live: Das Ganze war nicht mal live. Weil die Andacht eine Stunde vor der hessenschau begann, hat man diese Schalte einfach aufgezeichnet. Das ist nicht verwerflich, aber dann hätte man den Beitrag ganz anders aufbauen können. Aufsager live und abseits der Trauernden und reingeschnitten die Bilder der Mahnwache.
Aber diese Sache mit dem Taktgefühl muss man den Fernsehleuten vielleicht noch beibringen.

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