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Jubiläum im Künstlerdorf

Seit 25 Jahren gibt es in Kremmen den Scheunenviertelverein – das wird am Sonnabend gefeiert

MAZ Oranienburg, 24.7.2019

Kremmen.
Es ist längst noch nicht alles perfekt im Jahre 2019 im Kremmener Scheunenviertel. Aber wer sich mal Fotos ansieht, wie es vor gut 25 Jahren – in den 90ern – ausgesehen hat, der wird feststellen, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten doch sehr viel getan hat.
Der Kremmener Scheunenviertelverein blickt auf 25 Jahre zurück. Offizieller Gründungstag ist der 3. Dezember 1994, da sei der Verein berufen worden, so die heutige Vorsitzende Ellen Brunner. Die Eintragung erfolgte 1995. „Damals war uns klar: Wir müssen was tun. Der Zustand war schlecht, wir hatten viele Ruinen.“ Anlass für Zukunftspläne war der Plan, das historische Viertel mit den Scheunen unter Denkmalschutz zu stellen, das war 1994. Erster Schritt: bessere Straßen und Wege. Bis dahin führten nur unbefestigte Wege durch das Viertel. Zunächst ist der Kurze Damm befestigt und angebunden worden. „Dafür haben wir Fördermittel bekommen, und ohne den Verein wäre das nicht gegangen“, erinnert sich Christoph Brunner. 450 000 Euro Fördermittel seien damals geflossen.

„Das Scheunenviertel war ein landwirtschaftliches Gelände“, erinnert sich der Kremmener. „Gut 70 Prozent der Gebäude war durch Bauern bewirtschaftet.“ Das heutige Scheunenwerk mit Friseur und Café sei eine Zementscheune gewesen. In vielen Scheunen lagerten Baumaterialien, die Kremmener brachten gern mal Dachziegelschutt dorthin, um sie in die Löcher zu stopfen. Als Mitte der 70er-Jahre die Milchviehanlage gebaut worden sei, stand sogar zur Debatte, das Scheunenviertel platt zu machen – zugunsten von Plattenbauten. Dazu kam es dann aber doch nicht.
„In den 90ern hatten wir die Vorstellung, das Worpswede von Kremmen zu sein“, so Christoph Brunner weiter. Ein Künstlerviertel sollte es werden mit Drechslern, Töpfern, Buchbindern, Grafikern, Bildhauern, Malern oder Druckern, so sagte Christoph Brunner es in einem Interview 1994. Sieht man sich eine damalige Zeichnung des Scheunenweges an, so ist das durchaus eine Vorschau auf das heutige Bild, das die Besucher dort vorfinden.
„Damals war das Interesse groß, Scheunen zu kaufen“, erinnert sich Ulli Hohmann. Aber es sei viel Idealismus nötig gewesen, ergänzt Christoph Brunner. Zumal anfangs die Begeisterung seitens der Entscheider in der Amtsverwaltung nicht sehr groß gewesen sei. Ende 1996 fand erstmals ein Kunstmarkt statt – Tausende Menschen kamen damals. „Der große Umschwung kam 1998“, erzählt Werner Usnerus, der ebenfalls von Anfang an dem Scheunenviertelverein angehört. „Da war die 700-Jahr-Feier, die war in der ganzen Stadt, aber die große Party hat hier im Viertel stattgefunden.“ So rückte das Gelände wieder mehr in den Blickpunkt der Kremmener. „Die Einheimischen sind gekommen, auch wenn sie erst mal nicht wussten, was wir wollen.“ Auch durch die Deklarierung des Viertels als Expo-Außenstelle im Jahr 2000 bekam es noch mal einen Bekanntheitsschub. Im selben Jahr wurde die Museumsscheune fertiggestellt und eröffnet. Nach und nach sind die Scheunen saniert worden.

Und heute? Es gibt Gaststätten, den Friseur, die Tourismusinfo und Gewerbe. Vor allem am Wochenende ist im Scheunenviertel etwas los. „Wir suchen immer mutige Leute, die unten arbeiten und oben wohnen“, sagt Werner Usnerus. Die Theaterscheune sei unterdessen „der Hammer vom ganzen Scheunenviertel. Das ist einzigartig, mit einem verrückten Intendanten“, so Werner Usnerus weiter. Es gibt, vom Verein organisiert, einen Weihnachtsmarkt und das Kürbisfest, außerdem die Bluesnacht und natürlich das Erntefest, das im Viertel gefeiert wird. Es tut sich was, auch wenn sich die Leute vom Verein wünschen würden, dass die Scheunenbetreiber wieder mehr an einem Strang ziehen. Als gemeinnütziger Verein könne man jedoch nicht alles beeinflussen.

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