Tagesarchiv für 31. Mai 2019

RTZapper

Joko & Klaas live

Freitag, den 31. Mai 2019
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MI 29.05.2019 | 20.15 Uhr | ProSieben

Es gibt sie noch, diese Fernsehmomente, die für Gänsehaut sorgen. Und in diesem Fall mit eigentlich ganz einfachen Mitteln. In dem Leute reden. Über Dinge, die ihnen wichtig sind. Über Dinge, die uns wichtig sein sollten. Und das zur Primetime. Auf einem Privatsender.

Weil Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf am Dienstagabend in der neuen Spielshow “Joko & Klaas gegen ProSieben” gewonnen haben, gab ihnen ihr Sender am Mittwochabend um 20.15 Uhr genau 15 Minuten Zeit, damit sie tun können, was sie wollen. Bei ProSieben war – so heißt es – vorher nicht bekannt, was die beiden tun werden. Und so begann “Joko & Klaas live” zur eigentlichen Sendezeit von “Grey’s Anatomy”.
Und alle dachten, die blödeln sich eine Viertelstunde durchs Programm. So schien es auch anfangs: Ein lustiger Vorspann, ein bisschen Gelaber. Aber dann hieß es, sie würden heute mal andere reden lassen. „Es gibt Menschen, die mehr zu sagen haben als wir. Leute, die eine Message haben und die ein bisschen mehr Aufmerksamkeit verdienen.“

Es folgte: ein Stuhl. Und drei Menschen, die dich nacheinander draufsetzten und redeten.
Pia Klempt war Kapitänin auf dem Rettungsschiff „iuventa 10“, auf dem Menschen vor dem Ertrinken im Mittelmeer gerettet wurden. „Ich war Zeuge davon, wie Flüchtlingsboote von europäischen Kriegsschiffen ignoriert werden.” Lange sei sie mit einem toten Jungen in einer Gefriertruhe auf und ab gefahren, weil kein europäisches Land ihn retten wollte, als es noch möglich gewesen sei. Auch die Mutter sei an Bord gewesen.
Dieter Puhl sprach über seine Arbeit als Obdachlosenhelfer in Berlin. Er sagte: „Ich kenne keinen obdachlosen Menschen in Berlin, dem es gut geht.“ Die Leute sollen auf diese Menschen zugehen und sie nicht ausblenden.
Dann kam Birgit Lohmeyer. Die Schriftstellerin lebt im Nazi-Dorf Jamel, ist dort Anfeindungen ausgesetzt. Sie erzählte von einem Brandanschlag auf ihre Familie und vom Musikfestival, das sie im Ort etablierte. „Alle, die Opfer rechter Gewalt werden: Wehrt euch, lasst euch nicht einschüchtern, es lohnt sich.“

Nüchtern betrachtet sind das alles keine Neuigkeiten gewesen. Die Themen sind bekannt, und vielerorts ist berichtet worden. Was hier so besonders ist: Joko und Klaas hätten alles machen können, aber sie wollten eine wichtige Botschaft überbringen: Kümmert euch! Seht hin! Sie bekamen damit sehr hohe Aufmerksamkeit, und dass so etwas auf ProSieben möglich ist, spricht für den Sender.
Somit waren das wohl die überraschendsten und denkwürdigsten 15 Minuten im deutschen Privatfernsehen seit langem.

-> Die Sendung auf Youtube.

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RTelenovela

Radtour (35): Schotter und Kopfsteinpflaster

Freitag, den 31. Mai 2019
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(34) -> 24.5.2019

Zum Himmelfahrtstag passt eine Radtour, und diesmal ließ ich mich wieder von einem Kollegen inspirieren, der ein Teilstück der heutigen Strecke neulich auch erst befahren hat.
Start ist am Oranienburger Schlosshafen. Dort schippern gerade ein paar junge Männer auf einem Boot auf der Havel herum. Sie hören laute Musik und grölen mit. Auf dem August-Wilheim-Steg bleiben immer wieder Leute stehen und schauen zu. Einige singen sogar mit, als das Lied von “Cordula Grün” angestimmt wird.

Ich radelte los. Und im Parkweg gleich das erste Ärgernis, das in Oranienburg ja schon fast Routine ist. Eine Straße mit Schotter. Wer so was entscheidet, ist weder Fußgänger, noch Radfahrer. Auf Schotter mit losen kleinen, spitzen Steinen kann man weder fahren noch laufen. Mit dem Rad ist das unangenehm, aber auch für Leute mit Kinderwagen.
Die Gegend hinter dem Schlosspark ist eine merkwürdige Mischung aus kleinen und großen Wohnhäusern und Kleingärten. Eine spannende und willkürliche aussehende Mischung. Am Luisenweg ist zudem die DDR wieder auferstanden. Eine riesige DDR-Fahne weht über einer Garage.

Ich fahre über die Kanalbrücke zur Thaerstraße. Dort ist in den vergangenen Jahren ein vollkommen neues Wohngebiet entstanden – wie an vielen Stellen in Oranienburg. Auf der rechten Seite der Straße befindet sich so etwas wie ein Gehweg. Bestehend aus Schotter und Sand. Und wieder frage ich mich ernsthaft, was das soll. Der Weg sieht aus wie noch nicht fertig, wie gewollt, aber nicht gekonnt. Radfahren kann man dort nicht und laufen fällt dort sicher auch schwer. Dieser Weg zieht sich die ganze Thaerstraße entlang und weiter am Kühbrückenweg. Stellenweise besteht der in Bordsteinen eingefasste Weg aus Zuckersand. Der pure Wegeblödsinn.
Ich ziehe es vor, auf der Straße zu fahren. Im Kuhbrückenweg wird Oranienburg ländlich. Links sind Spargelfelder, rechts stehen Holzstapel, an einer Stelle befindet so so etwas wie ein verfallener Stall. Im Bereich der B96-Brücke, die erst etwas mehr als 15 Jahre alt ist, gibt es sogar einen richtigen Radweg.

Ich erreiche Tiergarten, eine recht abgelegener Oranienburger Stadtteil. Der eingefasste Sandschotterweg beginnt plötzlich wieder und sieht noch zerzauster aus. Ich fahre wieder auf der Straße, an der Tiergarten-Gaststätte vorbei, in der ein paar Leute sitzen.
Am Ende von Tiergarten endet auch die Asphaltstrecke. Und – hurra – wieder Schotter. Ein paar Radler mühen sich auf dem Weg ab.
Auf der Kuhbrücke im gleichnamigen Wohnplatz mache ich eine kurze Pause und schaue auf die idyllische Natur mit dem Rhin, auf untern durchführt.
In Kuhbrücke gibt es sogar noch ein paar Häuschen, aber schnell befinde ich mich im Wald. Der Weg ist schlecht, Schlaglöcher und Feldsteine. Vermutlich war der Weg früher mal im besseren Zustand.
Der Weg führt bis zur Landesstraße, die ich nahe Teerofen – schon auf Hohenbrucher Gemarkung – überquere.

Es sind durchaus ein paar Leute auf diesem Weg unterwegs. Er führt von Oranienburg-Tiergarten bis Nassenheide und könnte eine wunderbare Radweg-Alternative sein. Von Nassenheide aus ist diese Strecke sogar als Radwanderstrecke ausgewiesen. Aber der Weg ist in miesem Zustand. Er muss früher mit Asphalt überzogen gewesen sein. Davon ist kaum was übrig. Stattdessen: lauter altes, holpriges Kopfsteinpflaster, von dem aber auch kaum noch was übrig ist.
An solche Wege wird offenbar kaum gedacht. Ein zumindest schmales Asphaltband, das sich dort durch den Wald zöge, wäre großartig. Denn die Natur dort ist erholsam, man fährt durch den puren Wald.

Ich erreiche Nassenheide. Wer mit dem Rad durch Nassenheide fährt, lernt das Dorf ganz neu kennen. Auf der Hohenbrucher Chaussee entsteht derzeit ein ganz neues Wohngebiet mit zig Häusern. Wo die bald stehen, war vorher weites Feld. Es ist ein wahnsinnig ruhiges Fleckchen Erde. Zumindest noch.
Und auch der Nassenheider Dorfkern ist vor allem eins: ruhig. Durch das Dorf führt zwar am Rand die B96 durch. Aber abseits davon herrscht Ruhe. Nassenheide hat den Vorteil, kein Durchfahrtsdorf zu sein. Am Ortsausgang kommt nichts mehr – zumindest für Autofahrer. So kann man minutenlang am Dorfanger stehen, auf die Kirche und die anderen alten Gebäude blicken, ohne dass ein Auto kommt.
Durch einen Tunnel an einem Bach geht es unter der B96 hindurch. Auf der anderen Seite geht es auf die Liebenwalder Chaussee, über den Nassenheider Bahnübergang.
Eigentlich wollte ich bis Freienhagen fahren, dann weiter durch den Wald nach Malz. Aber am Dameswalder Weg bleibe ich stehen und schaue auf Google Maps, wohin der Weg führt – und entschließe mich, dort einzubiegen.

Wieder geht es durch den Wald, mit dem Unterschied, dass der Waldweg dort ganz gut befahrbar ist. Ich lande in Neu-Friedrichsthal. Ich wusste als Oranienburger nicht, dass genau genommen Neu-Friedrichsthal ein eigener Ort ist – immerhin gibt es ein eigenes grünes Ortsschild.
Neu-Friedrichsthal liegt auch janz weit draußen. Nahe am Wald gelegen, ist es dort auch sehr ruhig in der relativ kleinen Siedlung. In der Kreuzallee überquere ich die Havel und bleibe dort auf der Brücke auch noch mal kurz stehen. Der Anblick ist einfach schön.
Ich verlasse Neu-Friedrichsthal, einem Ort, den ich bislang nicht kannte, und erreiche den Friedrichsthaler Ortskern mit der Kirche.
Langsam bin ich an einem Punkt, wo ich eigentlich langsam mal wieder zu Hause sein will. Der Wind kommt von vorn, und ich radele durch den Ort, in dem die Gaststätte an Himmelfahrt erstaunlicherweise geschlossen ist.
Mit Mühe erreiche ich wieder Sachsenhausen, ich bin inzwischen auf der selben Strecke von neulich unterwegs, und ich merke, dass ich langsam mal was trinken muss. Aber McDonald’s ist ja nicht mehr weit…

Und dann war da noch der Fußgänger in der Sachsenhausener Straße in Oranienburg, der auf dem Rad- und Fußweg direkt vor mir links – ohne zu gucken – auf meinen Radweg ausscherte, weil vor ihm eine Frau mit Kinderwagen war. Ich war schon so dicht an ihm dran, dass ich mich entscheiden musste: Klingeln oder vollbremsen. Beides ging nicht mehr. Ich bremste scharf, und wir bekamen alle einen Schreck. Der Mann rief mir irgendwas nach, woraufhin ich meinte, das sei der Radweg. Der soll froh sein, dass ich ihn nicht umgekachelt habe, nachdem er unaufmerksam ausscherte.

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RTZapper

Union feiert Aufstieg

Freitag, den 31. Mai 2019
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MI 29.05.2019 | 16.15 Uhr | rbb

Wenn der rbb gut zwei Stunden live überträgt, dass Leute mit einem Schiff auf der Spree in Berlin unterwegs sind, dann muss das etwas Besonderes sein.
Es waren tatsächlich auch nicht irgendwelche Leute auf irgendeinem Schiff. Sondern die Fußballer von Union Berlin. Sie feierten den Aufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga. Erstmals spielt Union Berlin ab August in der höchsten deutschen Liga.

Klar dass das dem rbb am Mittwochnachmittag eine Sondersendung wert war: “Union feiert Aufstieg”, dadurch fiel sogar das “zibb”-Vorabendmagazin mehr oder weniger aus.
Reporter waren auf dem Schiff dabei, während es aus dem Berliner Zentrum in Richtung Köpennick unterwegs war, wo die Unioner ihre Heimat haben.
Es ging unter Brücken hindurch, auf denen viele Leute standen und feierten, überall huldigten sie ihrer Mannschaft.

Für Berlin ist das ein besonderer Moment. Seit langer, langer Zeit spielen zwei Berliner Mannschaften in der 1. Liga. Und in diesem Fall spielt das alte Ost-Berlin gegen das alte West-Berlin. Union gegen die Tante Hertha. Nach RB Leipzig – die ja relativ umstritten sind – zieht endlich wieder eine zweite Mannschaft aus Ostdeutschland nach oben. Das ist nicht weniger als ein großes Identifizierungding, und die Stadtderbys werden sicherlich eine spannende – und hoffentlich gewaltfreie – Sache.

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