Tagesarchiv für 4. Mai 2019

RTZapper

Der Deutsche Filmpreis 2019

Samstag, den 4. Mai 2019
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FR 03.05.2019 | 22.55 Uhr | ZDF

Wahrscheinlich ist man in Deutschland eigentlich ganz froh, dass der Oscar immer erst um 2 Uhr nachts vergeben wird. Da muss man wenigstens nicht die Primetime opfern und miese Quoten riskieren.
Vermutlich fände man es auch beim ZDF voll dufte, wenn die Lola, der Deutsche Filmpreis, auch erst in der Nacht vergeben würde. Denn auch in diesem Jahr hat es das ZDF nicht hinbekommen, die Gala live zu übertragen – weder im Hauptprogramm, noch bei 3sat, zdf neo oder zdf info war das möglich. Nicht mal einen Livestream von der Veranstaltung im Internet gab es. Stattdessen wurde live getickert und bei Twitter schon alles verraten.
Das ist beschämend.
Stattdessen musste sich der deutsche Filmfan bemühen, nicht schon vor der Ausstrahlung um 22.55 Uhr alles zu erfahren, jeden Preis schon um die Ohren gehauen zu bekommen.

Während 2018 Edin Hasanovic mit seiner hervorragenden Moderation der Lola einen Glanz gab, führten 2019 Désirée Nosbusch und Teddy Teclebrhan durch die Show. Letzterer fiel durch mitunter bedrückend schlechte Gags auf, und manchmal machte es den Eindruck, dass er selbst wusste, dass das gerade irgendwie in die Hose geht. Gegen Ende schien es, als sei er schon entlassen worden, weil er dann bloß noch laue Ansagen machte. Aber auch die Nosbusch fiel nicht gerade durch Einfallsreichtum auf.
Und sonst so? Kerkeling-Darsteller Julius Weckauf (11) durfte eine eigene Kategorie präsentieren und scheint sich auf der Bühne sehr wohlzufühlen. Allerdings müssen die Erwachsenen um ihn herum dringend darauf achten, dass der junge Mann nicht abhebt. Hin und wieder machte er Gags, die, nun ja, schwierig waren. Leider sind einige Danksagungen sehr rüde geschnitten worden. Das geht natürlich nur in einer Aufzeichnung, die allerdings schon 35 Minuten länger war als geplant.

Bester Film des Jahres wurde “Gundermann” – und das vollkommen zurecht. Auf diese Preisvergabe mussten die Zuschauer dann bis 1.40 Uhr warten. Dass die Lola kaum Zuschauer hat, muss dann auch nicht wirklich verwundern.

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RTZapper

Alfons Zitterbacke

Samstag, den 4. Mai 2019
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MI 01.05.2019 | 9.40 Uhr | mdr-Fernsehen

Es gibt Mythen und Kults, bei denen man sich fragt, wieso die das eigentlich sind. Gerade läuft in den Kinos die Neuverfilmung von “Alfons Zitterbacke” nach den bekannten DDR-Jugendbüchern. Diese 2019er-Version wird gerne mit dem Film von 1966 verglichen. Damals hat die DEFA das Buch schon mal verfilmt.
Am Maifeiertag zeigte das mdr-Fernsehen am Vormittag die frühe “Alfons Zitterbacke”-Version. Und wer sich die angesehen hat, der wird merken: Nicht alles war früher besser.

Während sich die Macher 2019 noch eine Geschichte um die einzelnen Storys um Alfons ausgedacht haben, war der Film von 1966 eine relativ stupide Abfolge von Kurzgeschichten. Er hat nicht mal eine richtige Einführung. Er beginnt damit, dass Alfons und seine Freundin auf einem Rummel spielen und in der Geisterbahn für Stress sorgen. Es gibt aber wie im neuen Film auch schon die Sprungturm-Geschichte, bei der Alfons bei “Köpper” gezeigt bekommt und natürlich diverse Schulgeschichten.
Aber alles viel biederer, fast schon dröge erzählt. Der Film kommt fast ohne zusätzliche Musiken aus, die Inszenierung erscheint simpel.
1966 war das vermutlich dennoch ein großes Ding. 2019 ist das leider nur noch ein laues Lüftchen, und umso mehr kann man sich über die tolle Neuverfilmung freuen.

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RTelenovela

Bahnbekanntschaften (88): Alle tot!

Samstag, den 4. Mai 2019
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(87) -> 20.2.2017

Gerade sind wir in Bad Segeberg in die Regionalbahn nach Neumünster gestiegen, als ein Mann durch den Waggon läuft. Ob er Herr aller Sinne ist, wissen wir nicht. Allerdings flüstert er laut vor sich hin: “Ich bringe euch alle um!”, sagt er. “Ihr seid alle tot.”
Er hat eine leere Flasche in der Hand. Ob er sie allerdings selbst ausgetrunken hat oder ob er ein Flaschensammler ist, wissen wir nicht.
Er setzt sich auf einen Sitz direkt hinter uns. An sich macht er nichts, er brabbelt weiter vor sich hin. Wir entschließen uns trotzdem, uns ein anderes Vierer-Abteil zu suchen.

Als der Zug losrollt, setzt sich eine andere Gruppe mit jungen Leuten auf die Plätze, auf denen wir vorher saßen. Es dauert keine Minute, bis auch sie sich was Neues suchen.
In Neumünster ist Endstation. Wir haben glücklicherweise keine Nachrichten gehört, dass der Typ dort sein Gebrabbel umgesetzt hat.

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Brisant: Wie verlässlich sind Pränataltests?

Samstag, den 4. Mai 2019
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DI 30.04.2019 | 18.10 Uhr | mdr-Fernsehen

Die Debatte um Pränataltests ist wichtig. Dabei geht es um die Kostenübernahme von Bluttests zur Früherkennung von Trisomie. Und um die Frage, wie zuverlässig solche Tests sind und ob dadurch die Hemmschwelle sinke, ein möglicherweise erkranktes Kind abzutreiben?
Der mdr – und vorher Das Erste – zeigte am Dienstagabend im Boulevardmagazin “Brisant” einen Beitrag über diese Debatte. Allerdings war das Stück von Marion Mück-Raab und Secilia Rappert eher etwas für die Tränendrüse – auf recht unangenehme und alles andere als ausgewogene Art.

Im Mittelpunkt des rührseligen Beitrages stand Carina Kühne. Sie hat das Downsyndrom, Trisomie 21, und gerade zieht sie in ihre eigene Wohnung. Sie liebt es, Klavier spielen und schauspielert ab und zu. Das ist gut. Die Frau führt ein lebenswertes Leben.
Unterlegt sind die Szenen mit leichter Klaviermusik, offenbar von Carina Kühne selbst gespielt. Als es dann aber um die Pränataltests geht und diese mit entsprechenden Bildern gezeigt werden, ist plötzlich bedrohliche Musik zu hören. Eine ganz klare Beeinflussung und Kommentierung der beiden Autorinnen des Beitrages.
Ein Experte kommt zu Wort, und es wird darauf hingewiesen, dass die Tests unsicher sein können. Dass diese Tests also darauf hinweisen könnten, dass beim Ungeborenen ein Downsyndrom vorliegen könnte, dass das aber auch fehlerhaft sein könne. Dass aber werdende Eltern daraufhin schon eine Abtreibung vornehmen könnten. Alle dies mit bedrohlicher Musik im Hintergrund.

Der Beitrag endet wieder mit Carina Kühne. Sie sei geschockt, dass der Test nun von den Kassen bezahlt werden könne. Sie sagt, nicht gewollt zu sein, da habe ihr nicht so gut getan. Dass man merke, man sei nicht gewollt und werde abgetrieben.
Die Sprecherin des Films sagt dann noch, dass Carina Kühne nicht unter dem Downsyndrom leide, sondern nur unter den Blicken und Reaktionen der Menschen.
Das ist harter Tobak. Und es ist schwierig. Und es ist ein Vergleich, der nicht wirklich zulässig ist. Denn eines ist klar: Carina Kühne wurde nicht abgetrieben. Sie ist am Leben, und ihr geht es gut.

Untersuchungen, ob das Kind im Mutterleib gesund ist, gibt es immer öfter. Ist es krank, stehen die Eltern vor einer schwierigen Entscheidung. Abtreiben oder gebären?
Einseitige Berichte wie der am Dienstag in “Brisant” sind da alles andere als hilfreich. Denn es ist auch ganz klar, dass nun mal auch die Mutter entscheiden muss, was mit und in ihrem Körper passiert. Sie müssen beraten werden, und natürlich gehört dazu auch, zu zeigen, wie Menschen mit dem Downsyndrom leben.
Aber auf die Tränendrüse zu drücken und zu sagen, was wäre, wenn ich abgetrieben worden wäre, das ist schwierig. Zumal wir uns dann wohl alle geschockt vor eine Kamera setzen und ganz allgemein drüber sprechen könnten, wie schockiert wir seien, dass es Leute gibt, die – aus welchen Grünen auch immer – Abtreibungen vornehmen. Und dass wir vielleicht nicht erwünscht sein könnten.

Die Vor- und Nachteile der Pränataltests müssen gezeigt werden. Dass es im mdr-Boulevardmagazin “Brisant” auf diese einsetig-emotionalisierende Weise passiert, fühlt sich eher wie eine Kampagne an.

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