Tagesarchiv für 15. April 2019

RT im Kino

Alfons Zitterbacke

Montag, den 15. April 2019

Alfons Zitterbacke war in der DDR ein Star. Die meisten Kinder kannten den Jungen, der immer nur Pech hatte, aber Kosmonaut werden wollte. 1966 gab es einen Kinofilm der DEFA, 1986 eine sechsteilige Serie im Fernsehen der DDR. 2019 kommt eine Neuverfilmung, die hoffentlich den Alfons auch wieder in die Herzen der heutigen Kinder katapultiert.

Alfons (Tilman Döbler) ist 11, und er weiß schon genau, was er werden will: Astronaut. Sein großer Held ist Alexander Gerst, der Mann auf der ISS. Aber Alfons hat ein Problem: Er muss noch zur Schule, und er hasst die Schule. Und: Ständig geht was schief. Macht sein Papa (Devid Striesow) einen Aprilscherz, fällt er darauf rein. Macht er einen, muss er Strafe ins Bett. Sein Lehrer mag ihn nicht, von den meisten Mitschülern wird er gehänselt. Nur sein bester Freund Benni (Leopold Ferdinand Schill) hält zu ihm. Gemeinsam wollen sie an einem Flugmaschinen-Wettbewerb teilnehmen. Blöd nur, dass ihnen die Idee geklaut wird…

Mark Schlichter hat Alfons Zitterbacke sehr erfolgreich in die Neuzeit übertragen. Wer die alten Geschichten noch kennt, wird sie an einigen Stellen im Film wiedererkennen. Da gibt es zum Beispiel die Szene auf dem Sprungturm, bei der Papa seinem Sohn zeigen will, wie man einen Köpper macht.
Hin und wieder ist es zwar ein wenig zu klamaukig, gerade in den ersten Minuten nach dem Vorspann, aber später zeigt der Film sehr viel Herz. Denn er zeigt, dass man im Leben immer dann noch besser voran kommt, wenn man Freunde hat und auf sie vertraut. Wenn man nicht bescheißt und aufrichtig ist. Das ist eine sehr schöne Botschaft.
In “Alfons Zitterbacke” gib es viele nette Nebenrollen. Wolfgang Stumph ist als schmieriger Opa dabei, Bürger Lars Dietrich als Astronaut, Alexandra Maria Lara als Alfons’ Mutter, Katharina Thalbach als Schuldirektorin und eben der echte Alexander Gerst. Zu sehen ist auch Helmut Rossmann, der 1966 den Alfons spielte.
“Alfons Zitterbacke” ist ein humoriger, sehenswerter Kinderfilm – vielleicht vor allem für Jungs.

Alfons Zitterbacke
D 2018, Regie: Mark Schlichter
X-Verleih, 92 Minuten, ab 0
7/10

Hits: 153

RT liest

Sarah Kuttner: Kurt

Montag, den 15. April 2019
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Ein großer Schritt für Lena und ihren Freund Kurt. In der Nähe von Oranienburg haben sie sich ein Grundstück mit Haus gekauft. Raus aus Berlin. Und näher zu Kurts Sohn aus erster Ehe: Kurt will Kurt nahe sein. Der wohnt nämlich mit seiner Mutter im Nachbarort Lehnitz, und von Berlin aus konnte sich der Vater kaum um seinen Sohn kümmern. Jede zweite Woche soll der kleine Kurt nun bei den beiden leben. Sie richten sich ein, es scheint alles gut zu werden.
Aber dann stirbt Kurt. Der Junge fällt in der Kita vom Klettergerüst. Keiner hat schuld. Es passiert einfach.
Eine Welle der Trauer erfasst die Patchworkfamilie, und Lena weiß nicht genau, wie sie damit umgehen soll. Ihr Freund lässt sich kaum trösten, er lässt sie nicht an sich ran.
Kann die Beziehung diese Trauer überleben?

In ihrem vierten Roman widmet sich Sarah Kuttner der Trauer. Wie umgehen mit dem Schmerz? Dabei geht es auch darum, wie man umgeht mit dem Schmerz anderer, nahestehender Menschen. Auf ergreifende Art und Weise schildert Kuttner wie das Paar zurecht kommt oder eben nicht zurecht kommt.
Sarah Kuttner hat eine wunderschöne Weise, Alltag zu erzählen. Liest man die ersten Kapitel bekommt man einen Eindruck vom Familienleben. Wie sie erzählt, wie sie die Dialoge aufschrieb, all das ist toll. Wahrhaftig und unaufgeregt.
Sie hat tatsächlich ein Grundstück bei Oranienburg, sie kennt die Gegend gut. Deshalb wird sie in diesem Roman erstaunlich detailliert beschrieben. Wir fahren mit Lena durch Oranienburg, zum Wandlitzsee, nach Rummelsburg in Berlin. Kommt in der Verfilmung, die natürlich auch dort spielen muss, sicher gut.
Den Tod des Jungen erzählt sie fast beiläufig. Passiert eben. Das kommt erschreckend, man bekommt eine Gänsehaut. Die Trauer danach ist gut beobachtet. Die Angst, die leise Verzweiflung springt einem regelrecht entgegen. Man fühlt und fiebert mit, man kämpft immer wieder mit den Tränen.
“Kurt” ist liebevoll, gefühlvoll, hat aber auch eine fröhliche und leichte Alltagsbeschreibung, die später ins Traurige abgleitet. “Kurt” geht unter die Haut.

Sarah Kuttner: Kurt
S.Fischer, 240 Seiten
9/10

Hits: 157

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Kastelruther Spatzen

Montag, den 15. April 2019
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SA 13.04.2019 | Velten, Ofenstadthalle

Die Volksmusik hat im deutschen Fernsehen kaum noch eine Lobby. Sie findet kaum noch statt. Das kann man gut finden oder, nun ja, ein bisschen weniger gut.
Wer in den 90ern den Fernseher eingeschaltet hat, wird in diversen Volksmusiksendungen immer wieder auch auf die Kastelruther Spatzen getroffen sein. Ihre Heile-Welt-Songs kommt vor allem beim älteren Publikum gut an.

Am Sonnabend kamen die Spatzen in die Veltener Ofenstadthalle. Schon eine Stunde vor Konzertbeginn gab es eine lange Schlange vor dem Einlass.
Fragt man die Senioren, warum sie gekommen sind, sagen sagen sie: wegen der schönen Texte. Die Musik sei gut. Und so manche Besucherin kann sogar davon berichten, dass sie bereits in Kastelruth war, um den Norbert dort mal zu besuchen.

Googelt man nach Norbert Rier, dem Frontmann der Kastelruther Spatzen, springen einem dramatische Schlagzeilen in die Augen: „Schon viermal wäre er fast gestorben!“, heißt es da in einem Artikel vom vergangenen Jahr. Da ist von mehreren Unfällen und einer schweren Herz-OP die Rede. Aber der 59-Jährige hat sich davon erholt. Am Sonnabendnachmittag kamen 800 Menschen zur Show. Ausverkauft. Mehr wäre nicht gegangen.

Bevor die Spatzen kamen, trat noch Michael Heck im Vorprogramm auf. Mit einer Gitarre im Schlepptau brummte er seine Songs und erinnerte damit an Ronny, der vermutlich auch mit einer brummig-schmusigen Stimme schmusige Lieder sang. Muss man mögen. Praktisch war, dass Heck seine Band auf CD dabei hatte, da fiel es auch gar nicht auf, wenn er mitten im Song mal aufhörte, Gitarre zu spielen. Ob er überhaupt Gitarre spielen kann, wäre mal eine Nachfrage wert.

In der Zwischenzeit konnten sich Fans zum Meet and greet einfinden. Und so ändern sich die Zeiten: Ich kann mich erinnern, dass es früher bei Konzerten mit den Stars oft so ein „Meet and greet“ gab. Fans trafen ihre Stars – meist wurde sowas verlost. Heute müssen die Fans dafür extra zahlen, wenn sie ihre Lieblinge treffen möchten – einen guten Zwanziger kostet sie das zusätzlich. Was sie dafür bekommen? Bei den Kastelruther Spatzen in der Veltener Ofenstadthalle war das am Sonnabendnachmittag so: Die drei Gewin …, äh, Käufer des „Meet and greet“ (heißt so viel wie „Treffen und grüßen“) wurden in einen Versammlungsraum gebeten, in dem es stark nach Essen roch. Kurz zuvor hatten die Volksmusiker dort wohl noch gespachtelt. Die Fans waren aufgeregt – ein bisschen. Dann kamen Norbert Rier und seine Kastelruther Spatzenkollegen. Händeschütteln, Smalltalk, anstoßen mit Sekt, Gruppenfoto – und weg. Ziemlich routiniert abgespult. Manchmal drehte sich Norbert mitten im Gespräch weg. Fand er scheinbar nicht besonders interessant, das Ganze. Ein Pflichtprogramm, für das sich die Musiker gut bezahlen lassen. Kann man dafür mehr erwarten? Bestimmt.

Es dauerte nur wenige Minuten, die leicht enttäuschten Backstagefans waren noch gar nicht zurück in der Halle, da standen die Spatzen auch schon auf der Bühne. Gut zwei Dutzend Songs wurden gespielt. „Genieße den Augenblick und sei dankbar für alles, was du erleben kannst“, sagte Norbert Rier zum Publikum. Routiniert spielten die Musiker ihre Stücke. Worum es geht, erzählte der Sänger auch: „Um Probleme, mit denen sich die Leute beschäftigen.“ Ein Lied sei zwar nur drei Minuten lang, aber könne Anstöße geben.
Beim Lied “Das bist das Gold in meinen Herzen” sah man im Hintergrund den Norbert mit seinen Pferden. Ach, wie schön.

Fans finden das Konzert mit den Kastelruther Spatzen vermutlich völlig in Ordnung, vielleicht sogar gut. Aber eigentlich spulen die Musiker ihr Konzert eher uninspiriert runter. Wie viel Musik tatsächlich live kommt und wie viel aus der Konserve, ist ebenfalls fraglich.
Fans der Volksmusik zahlen relativ viel Geld für so ein Konzert. So richtig viel Liebe und Herzblut bekommen sie dafür nicht wirklich zurück.

Hits: 149

RTelenovela

Ab nach Henningsdorf!

Montag, den 15. April 2019
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Vielleicht hätte man doch noch mal nachschauen sollen. Auf der Landstraße zwischen Vehlefanz und Eichstädt ist in der dortigen Baustelle ein neuer, provisorischer Wegweiser aufgestellt worden. Da fiel mir am Sonnabend etwas sofort ins Auge. Denn ganz oben und ganz groß stand der Hinweis auf die Stadt “Henningsdorf”.
Mir ist das sofort aufgefallen, aber diversen Leuten, die sich sicherlich mit der Aufstellung eines solchen Schildes beschäftigt haben, scheinbar nicht.

Viele Leute sprechen von “Henningsdorf”, wenn sie von der sogenannten Stahlstadt an der Havel sprechen. Kein Wunder, dass da öfter mal ein N zu viel im Ortsnamen auftaucht. Denn natürlich heißt die Stadt Hennigsdorf.
Ob wir uns den “Henningsdorf”-Schriftzug nun monatelang ansehen müssen?

Hits: 189