Tagesarchiv für 9. April 2019

RT im Kino

Beautiful Boy

Dienstag, den 9. April 2019

Warum?
Warum, um Gottes Willen, macht er das? Es gibt doch gar keinen Grund!
Aber das ist genau das Schlimme: Dass es keinen Grund gibt. Dass er die Frage nach dem Warum eigentlich gar nicht beantworten kann. Niemand kann die beantworten.

Familie Sheff führt ein gutes Leben. Sie gehören zur Mittelschicht Amerikas, alles verläuft recht harmonisch.
Aber dann beginnt Sohn Nic (Timothée Chalamet), Drogen zu nehmen. Erst sind es die weichen Drogen, aber sie werden immer härter. Bis hin zu Crystal Meth. Immer wieder verspricht er, aufzuhören. Immer wieder schafft er es, clean zu werden und zu bleiben. Aber immer wieder stürzt er ab.
Vater David (Steve Carell) versucht alles Menschenmögliche, ihn von den Drogen wegzubekommen. Aber er muss einsehen, dass er seinem Sohn offenbar nicht helfen kann. Ihn macht das fassungslos – denn sie waren doch mal ein so gutes Team.

“Beautiful Boy” von Regisseur Felix van Groeningen entstand nach den autobiografischen Werken von David Sheff und seinem Sohn Nic Sheff, die ihre Erlebnisse jeweils aus ihrer Sicht geschildert haben.
Der Film rüttelt deswegen so auf, weil er zeigt, dass der Drogenkonsum nicht nur ein Problem in schmuddeligen Gegenden ist, wie es gern mal in solchen Filmen dargestellt wird. Es trifft eine Familie, von der man es nicht erwartet. Und tatsächlich lässt sich nicht so richtig sagen, wieso Nic eigentlich in den Drogensumpf abgleitet. Denn genau darum geht’s: Es kann jeden treffen, und in den USA sind Drogen ein derartiges Problem, dass sie die Todesursache Nummer 1 bei jungen Leuten ist.
Die Geschichte ist interessant erzählt – es gibt nämlich immer wieder Rückblenden, in denen dargestellt wird, was die Familie ausmacht. Steve Carell spielt den verzweifelten, aber unglaublich liebevollen Vater auf herzzerreißende Art. Und Timothée Chalamet dabei zu beobachten, wie er seine dargestellte Figur zugrunde richtet, sorgt für körperliche Schmerzen. Wie überhaupt dieser Film Momente hat, die kaum auszuhalten sind.

Beautiful Boy
USA 2018, Regie: Felix von Groeningen
NFP, 121 Minuten, ab 12
8/10

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ORA aktuell

Nach Stadtfest-Zwischenfall: NPD-Mann verurteilt

Dienstag, den 9. April 2019

Der Veltener NPD-Mann Robert Wolinski ist am Montag vor dem Oranienburger Amtsgericht wegen Nötigung verurteilt worden.

Am Rande des Oranienburger Stadtfestes im Juni 2017 gerieten er und der damalige Oranienburger Linke-Bürgermeisterkandidat Enrico Rossius aneinander. Rossius hatte ein Drachenboot fotografiert, in dem nach seinen Angaben alles im Boot gesessen habe, “was die NPD in Oberhavel zu bieten hat”. Es handelte sich um die Mannschaft “Projekt Habula Velten”, die inzwischen auch vom Verfassungsschutz beobachtet wird.
Wolinski hatte Rossius daraufhin angesprochen und laut des Linke-Mannes Gewalt angedroht, wenn er die Fotos nicht löschen würde. Das tat er auch.

Die Richterin sagte in der Urteilsbegründung, dass die Fotos im Rahmen des Stadtfestes im öffentlichen Raum entstanden seien, sie seien somit rechtens. Die Staatsanwaltschaft glaubte zudem den Aussagen von Enrico Rossius, der inzwischen den Namen seiner Frau trägt.
Der NPD-Mann ist zu 15 Tagessätzen verurteilt worden – 750 Euro. Wolinski will Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen.

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RTZapper

Wildes Herz

Dienstag, den 9. April 2019
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SO 07.04.2019 | 23.35 Uhr | Das Erste

Die Band Feine Sahne Fischfilet steht schon seit einiger Zeit im Brennpunkt.
Bei den Rechten, weil sich die Band sehr gegen Rechtsextremismus und den allgemeinen Rechtsruck engagiert.
Bei den Medien, weil jede Meldung über die Band im Internet Klicks bringt.
2017 kam eine Doku über Frontmann Jan „Monchi“ Gorkow ins Kino. Charly Hübner hat ihn und seine Band dazu sehr lange und immer wieder begleitet.
Am Sonntagabend lief die Doku “Wildes Herz” im Ersten – interessanterweise als Programmänderung, denn ursprünglich sollte an dieser Stelle das Justizdrama “Betty Anne Waters” laufen.

Natürlich war die Wut bei bestimmten Leuten über die Ausstrahlung des Filmes groß. Dabei spricht überhaupt nichts dagegen, weil man ja als Zuschauer selbst einen Kopf zum Denken hat und sich ein Urteil über die Band und deren Ansichten bilden kann. Diesen Raum lässt diese Doku nämlich durchaus.

Die Doku erzählt, wie sich Jan Gorkow politisierte. Er wuchs in Jarmen in Mecklenburg-Vorpommern auf, war Teil der Ultra-Szene von Hansa Rostock und lieferte sich in der Zeit auch Polizeischlachten. Dass er in dieser Zeit auch mal ein Polizeiautos angezündet hat, erzählt er auch. Und dass er da auch nicht zwingend stolz drauf sei, auch wenn es nicht das Schlimmste gewesen sei, was je getan habe.
Mit Feine Sahne Fischfilet engagiert er sich gegen Rechtsextreme. Gegen NPD und AfD. Weil ihnen “Antistaatlichkeit” vorgeworfen ist, kamen sie im Verfassungsschutzbericht des Landes vor. Etwas, was die Rechten bis heute gegen die Band verwendet.

Man muss nicht alles gut finden, was die Band macht. Man muss auch die Musik nicht gut finden und schon gar nicht alle Texte. Aber dieser Kampf gegen den Rechtsextremismus – der übrigens normal sein sollte und nicht linksextrem ist – ist aller Ehren wert. Wie die Musiker sich diesem Hass stellen, das ist mutig.
Wenn man “Wildes Herz” sieht, weiß man aber auch, warum der Band ein so großer Gegenwind von rechts ins Gesicht weht, warum entsprechende Kampagnen – als Gegenkampagnen der Band – gestartet werden.

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