Tagesarchiv für 2. April 2019

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Martin Sonneborn: Herr Sonneborn geht nach Brüssel – Abenteuer im Europaparlament

Dienstag, den 2. April 2019
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184.709. Das ist eine wichtige Zahl, die man kennen muss, wenn man das neue Buch von Martin Sonneborn liest. So viele Leute haben nämlich 2014 das Kreuz bei der Partei “Die Partei” gemacht. Das sind 0,6 Prozent der abgegebenen Stimmen, und das reichte für einen Sitz im Europaparlament.
Seitdem ist Martin Sonneborn Abgeordneter in eben jenem Europaparlament.
Nun könnte man sagen: Die Partei ist doch sowieso nur Satire und Reklame für das “Titanic”-Magazin. Ein wenig stimmt das vielleicht auch. Aber völlig abseits der Satire sorgt Martin Sonneborn auch immer wieder dafür, dass der Finger in die europäischen Wunden gelegt wird.

Über seine erste Legislatur in Brüssel (und Strasburg), über die “Abenteuer im Europaparlament” hat Martin Sonneborn nun ein Buch herausgegeben.
Auf sehr unterhaltsame Weise schildert er, was im Parlament abgeht, und was nicht. Wie er sich im Plenium mit den Neonazis abgeben muss, wie die deutschen Abgeordneten versuchen, eine größere Hürde einzuführen, damit kleine Parteien nicht mehr ins Parlament einziehen. Sonneborn berichtet über Martin Chulz, der später nach Deutschland abgeschoben und dort nicht Kanzler wird. Wir erfahren, wie alten Hasen wie Elmar Brocken (Brok) gerne mal zu cholerischen Anfällen neigen. Wie Beatrix von Strolch von der AfD oder Udo Voigt (NPD) auch noch da sind und wie überhaupt der manchmal etwas merkwürdige Alltag vonstattengeht.

Nun könnte man auch zu diesem Buch sagen: Satire! Aber nein, das ist es nicht. Sonneborn schildert relativ genau, was ihn stört. Die Momente, die ihm Freude machen, die Augenblicke, wo er in der Tat merkwürdig-lustige Reden hält und wie die alten Hasen auf ihn reagieren.
Das ist sehr erhellend. Auf kurzweilige Art demontiert Sonneborn dieses Parlament. Gleichzeitig ist es aber ein Plädoyer, es doch bitte endlich mal besser zu machen.
Deshalb ist dieses Buch durchaus auch eine Wahlwerbung für Die Partei.

Martin Sonneborn: Herr Sonneborn geht nach Brüssel – Abenteuer im Europaparlament
Kiepenheuer & Witsch, 427 Seiten
8/10

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Goldene Kamera 2019

Dienstag, den 2. April 2019
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SA 30.03.2019 | 20.15 Uhr | ZDF

Die Umwelt! Achtet auf die Umwelt! Als Greta Thunberg am Sonnabendabend auf der Bühne der “Goldenen Kamera” steht, da liest sie auch den dort sitzenden Promis die Leviten. Sie sagt, einer Gala werde große Aufmerksamkeit geschenkt, ein großes Problem wie die Umweltzerstörung finde dagegen kaum Gehör. Und Promis würden sich zwar für alles mögliche engagieren, aber eher selten für die Umwelt. Weil sie ja sonst nicht ständig mit dem Flugzeug irgendwo hinfliegen könnten.
Das war eine ordentliche Ohrfeige, und das muss man sich als 16-Jährige auch erst mal trauen. Aber dass Greta sich das traut, das wissen wir ja inzwischen. Und deshalb wurde sie vermutlich auch in die Show eingeladen.

Dass Preise vor allem auch gern mal aus Prestigegründen vergeben werden, das wissen wir nicht erst seit dem Ryan-Gosling-Coup bei der “Goldenen Kamera”. Und auch 2019 wurde für Greta Thunberg extra eine Kategorie eingeführt, um diesen Star zur Gala zu holen.
Dass es die Macher aber nicht ernst meinen, das haben sie am Sonnabend eindrucksvoll bewiesen. Milena Tscharntke bekam den Nachwuchspreis – und dazu gehört nicht nur die goldene Kamera-Statue, sondern auch ein Autoschlüssel. Moderator Steven Gätjen verkündete, dass die junge Frau ab jetzt Besitzerin eines VW SUV sei. Eine fette Dieselschleuder. Na herzlichen Glückwunsch!
Dabei hat der Sponsor VW doch sicherlich auch ein paar schicke Elektroautos im Programm, aber vielleicht machen die ja auch irgendwie Umweltprobleme…

Noch nie haben so wenige Leute die “Goldene Kamera” im ZDF gesehen. Die Frage muss aber auch erlaubt sein, warum ein öffentlich-rechtlicher Sender die Preisverleihung eines Zeitschriftenverlages übertragen muss. Welche Bedeutung hat so ein Preis überhaupt noch? Brauchen wir das eigentlich noch? Diese Selbstbeweihräucherung eines Verlages kann auch gut und gerne als Werbesendung im Privatfernsehen oder als Stream auf den eigenen Internetseiten laufen. Das ZDF sollte aussteigen.

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