Tagesarchiv für 1. April 2019

RT im Kino

Wir

Montag, den 1. April 2019

1986 in einem Vergnügungspark in Santa Cruz. In einem Spiegelkabinett macht die junge Adelaide Thomas (Madison Curry) eine schockierende Entdeckung: ein Mädchen, das genauso aussieht wie sie.
30 Jahre später. Adelaine (Lupita Nyong’o) ist inzwischen verheiratet, und mit ihrem Mann Gabe (Winston Duke) und ihren Kindern Zora (Shahadi Wright Joseph) und Jason (Evan Alex) beziehen sie ein Ferienhaus. Es befindet sich ganz in der Nähe von Santa Cruz. Für Adelaine ist das problematisch, denn in ihr kommen Erinnerungen hoch – und schlimme Vorahnungen.
Eines Abends passiert etwas Angsteinflößendes: Auf der Grundstückseinfahrt stehen vier Leute, sie halten sich an den Händen. Sie stehen einfach nur da. Erst als Gabe ihnen schließlich Prügel androht, machen sich die vier auf den Weg – in das Haus der Familie. Es beginnt ein schockierender Alptraum. Denn diese vier Leute in ihren roten Klamotten sehen aus wie sie selbst. Jason bringt es auf den Punkt: Das sind wir. Allerdings wollen die Fremden nichts Gutes.

Nach seinem vielgelobten Film “Get out” wurde das neue Werk von Jordan Peele lange erwartet. Es trägt den schlichten Titel “Wir”, und er passt. Denn die Familie steht gewissermaßen sich selbst gegenüber, und “sie selbst” sind ihr Feind.
Die Geschichte hält sich zunächst nicht mit langen Erklärungen auf, was es mit diesen Leuten auf sich hat. Das kommt später. Bis dahin ist es jedoch sehr spannend, weil sich die Familie versucht, gegen die Angreifer zu wehren. Und sie muss feststellen, dass sie nicht die einzigen Betroffenen sind.
Der Film spielt mit großer Spannung und kommt selten nur mit plumpen Schockmomenten aus. Zudem wird der Zuschauer auch immer mal auf falsche Fährten geschickt.
Der Schluss ist noch mal ein Thrill, der allerdings auch ein wenig hinterfragt werden muss – weil er so eigentlich nicht funktioniert. Aber was soll’s.

Wir
USA 2018, Regie: Jordan Peele
Universal, 116 Minuten, ab 16
7/10

Hits: 155

RTelenovela

Überraschungsevent (28): Die singende Orgel

Montag, den 1. April 2019
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(27) -> 18.2.2019

Der Startschuss fiel im April 2016. Einmal im Monat wollen wir uns gegenseitig überraschen. Und immer darf der andere nicht wissen, wo genau wir hingehen werden – erst vor Ort wird das Geheimnis gelüftet. Der Termin muss beim anderen natürlich abgefragt werden, alles andere nicht. Die Preisgrenze liegt bei 30 Euro. In diesem Monat durfte ich das Event planen, im April ist sie dran.

Obwohl ich das Event geplant habe, wusste ich selbst nicht, was da eigentlich auf uns zu kommt. Ich wusste nicht mal, wo sich der Ort befindet, wo wir hinfahren. Ich brauchte das Navi, um hinzufinden.
Das Ziel war die katholische Kirche St. Karl Borromäus in der Delbrückstraße in Grunewald. Dort fand ein Konzert mit dem Titel “Die singende Orgel” statt.
Seit 1928 befindet sich an der Stelle eine Kirche, die im Innenraum durch ein schönes, hohes und buntes Fenster besticht.

Zum Konzert selbst kamen nur etwa 30 Leute. Das ist schade, die Kirche hätte für sehr viel mehr Leute Platz gefunden, und kostenlos war es auch noch. Aber diese Art der Kultur hat es im großen Berlin vermutlich schwer.
Gespielt wurde Musik vom französischen Komponisten Jehan Alain. Gespielt der Orgel, mit Querflöte sowie Alt- und Sopran-Gesang.
Im Kirchenraum, in dem es schallte, wirkte die Musik wunderbar. Die Frauen sangen toll, sie sorgten für Gänsehaut. Leider ist das etwas, was ich an dieser Stelle schlecht beschreiben kann.

Bei den meisten Stücken standen die Frauen oben auf einer Art Balkon, dahinter war die Orgel. Den Spieler sah man leider nicht. Das ist immer ein wenig schade, wenn man die Musiker nicht sieht. Ich mag es, Musikern bei der “Arbeit” zuzusehen.

Es war wieder ein ganz besonderes Überraschungsevent, das für beide Seiten überraschend war und etwas bot, was wir in den drei Jahren so noch nie gemacht haben.

Hits: 168

RTZapper

Rammstein: Deutschland

Montag, den 1. April 2019
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DO 28.03.2019 | Youtube

Ja, da war sie wieder, die Empörung auf Knopfdruck. Fast wie bestellt.
Als die Band Rammstein einen etwas mehr als halbminütigen Vorschauclip präsentierte, dauerte es nicht lange, und die Musiker hatten die PR, die sie wollten.
“Deutschland” heißt der neue Song von Rammstein, und im Teaser war zu sehen, dass die Musiker in KZ-Kleidung dastanden. Sie hatten den Strick um den Hals und warteten auf ihre Hinrichtung.
Will Rammstein da etwa auf Kosten von Holocaust-Opfern Kasse machen. Da raste sofort der Puls. Das komplette Video, der eigentliche Song war noch gar nicht draußen, aber die Empörungswelle lief an. Da ruft man den jüdischen Zentralratspräsident an, der auch gleich mitteilt, dass er empört sei. Die Schlagzeile war sicher, und schon war davon die Rede, wie rechts die Band nun wieder sei.

Am Donnerstag hatte der eigentliche Clip und Song dann auf Youtube Premiere. In “Deutschland” geht es, so stellt sich schnell heraus, um 2000 Jahre deutscher Geschichte. Es geht um die Befreiungskriege, die Ordensritter, um die Weltkriege.
“Deutschland” ist kein Song, der den Faschismus hochhält. Es ist eher so, dass er ein Plädoyer gegen den Faschismus, gegen Hass für den Zusammenhalt ist. Rammstein distanziert sich vom Hass.
Und das in einem neunminütigen Epos, das an viele Kinofilme und Serien-Events erinnert.
Und schon sind die ganzen Empörungspostings der ganzen Texte verpufft und wirken ziemlich peinlich. Aber genau diese Provokationhat Rammstein vermutlich gewollt. Oder zumindest erwartet. Denn dieser Reflex ist in der Zeit der Klickzählerei Alltag geworden.

-> Der Clip auf Youtube.

Hits: 166