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Zu wenig Platz im Bus

Saskia Albroscheit aus Bärenklau ärgert sich über den mangelhaften Nahverkehr im Dorf – zu selten, zu eng und morgens oft überfüllt

MAZ Oranienburg, 9.3.2019

Bärenklau.
Eigentlich würde Saskia Albroscheit gern von Bärenklau aus morgens nach 8 Uhr mit dem Bus nach Vehlefanz fahren. Dort geht ihr dreijähriger Sohn Fabian in die Kita, sie möchte ihn dort hinbringen. Die Sache ist: In dieser Stunde fährt von Bärenklau aus kein Bus nach Vehlefanz. Sie muss den Bus an der Kirschenallee um 7.07 Uhr nehmen, obwohl das zeitlich nicht nötig wäre.
Die dreifache und wieder hochschwangere Mutter muss allerdings auch einen Kinderwagen mitnehmen, und da wird es beim 7.07-Uhr-Bus schwierig. „Das ist ein Reisebus, und das genau zur Schulzeit“, sagt sie. Mit dem Kinderwagen sei es schwierig bis unmöglich, dort mitzukommen. Der Reisebus sei in jeder Hinsicht zu eng. „Und der nächste Bus fährt dann erst um 9.20 Uhr, das ist zu spät für mich.“
Also muss Saskia Albroscheit einen weiteren Bus früher nehmen – und der fährt um 6.37 Uhr an der Kirschenallee ab. „Der Bus ist oft überfüllt, auch mit Kinderwagen und Zwillingswagen, die Leute fluchen schon.“ Für ihren weiteren Kinderwagen sei dann auch da kaum oder kein Platz. „Ich habe schon erlebt, dass mir der Busfahrer gesagt hat: Ich darf Sie hier nicht mehr mitnehmen.“ Eine Situation, die die Bärenklauerin unglücklich macht.

Die Albroscheits leben erst seit einem halben Jahr im Dorf, sie stammen aus Berlin. „Alle außer meinem Mann nutzen den öffentlichen Nahverkehr, aber das geht so nicht. Viele sagen uns, wir sollen uns einen Zweitwagen zulegen. Aber wir sind doch hier im C-Bereich, das kann doch nicht sein.“

In den Ferien verschärft sich die Lage für sie, denn dann fährt auch der Bus um 7.07 Uhr nicht. Der Schulbus, der auch von allen anderen genutzt werden kann, fällt dann aus. Am Wochenende fährt der 800er-Bus sogar nur dreimal am Tag über den Wendemarker Weg in Bärenklau. „Da ist es doch klar, dass die meisten Leute sich hier echt einen Zweitwagen anschaffen, Ältere lassen sich rumfahren, oder man muss sich ein Taxi nehmen.“
Wegen der Brückenbaustelle im Wendemarker Weg kommt es derzeit zu Änderungen im Busfahrplan. Eigentlich fährt dort der 812er-Bus. „Mit dem konnte ich aber auch nicht fahren. Denn der Bus um 6.50 Uhr war immer nur ein kleiner Sprinter, ein umfunktionierter Kleinbus mit acht Sitzen.“ Da passte der Kinderwagen auch nicht rein.

Sie sagt, schon mehrfach hätten sich Pendler an die Oberhavel Verkehrsgesellschaft (OVG) gewandt. Maik Meißner, bei der OVG für die Fahrpläne zuständig, war das Problem neu. „Ich werde das weiterleiten“, sagte er auf Nachfrage der MAZ. Er wolle schauen, dass dort künftig um 7.07 Uhr ein anderes Fahrzeug unterwegs ist. Warum um diese Zeit ein Reisebus fährt, ist unklar. „Das hat sich so ergeben.“
Dass der Bus in Bärenklau nur so selten fährt, liege nicht im Einflussbereich der OVG selbst. „Wir richten uns nach dem Nahverkehrsplan des Landkreises.“ Maik Meißner rät den Betroffenen, sich zum Beispiel an den Bürgermeister zu wenden.

„Sich an uns zu wenden, wäre eine Möglichkeit“, sagte gestern Oberkrämers Bürgermeister Peter Leys (BfO). Jedoch sagt er auch: „Was nicht wirtschaftlich ist, ist kompliziert.“ Ansprechpartner seien auch die Kreistagsabgeordneten, sie könnten auf den Nahverkehrsplan Einfluss nehmen. Erstellt werde der aber erst wieder 2021.

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