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Meyhöfers nehmen Abschied

Gaststätte in Kremmen schließt am zweiten Feiertag – Chef des Hauses bedankt sich bei den Kunden

MAZ Oberhavel, 22.12.2018

Kremmen.
Weihnachten wird es noch mal so richtig voll. Insgesamt vier Brunch-Durchgänge am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag wird es geben. „Das wird noch mal ein ordentlicher Ritt“, sagt Andy Meyhöfer. Dann ist Schluss. Am Nachmittag des 26. Dezember schließt „Meyhöfers Gasthaus“ in Kremmen. „Dann machen wir die Schotten dicht.“ Mit der Belegschaft wird es im Anschluss ein kleines Abschiedsfest geben. „Auch als Dankeschön für alle.“ Etwa 15 Leute werden kommen.

Die Gaststätte am Kremmener Ortsausgang ist eine Institution. Viele Familienfeiern und Vereinstreffen haben im vergangenen Vierteljahrhundert dort stattgefunden. Die Hausmannskost wurde geschätzt. Dass der Laden dicht macht, weil keiner mehr kommt, das kann man nun wirklich nicht behaupten. Dass nun Schluss ist, hat andere Gründe.

„Meine Mutter geht in den Ruhestand“, sagt Andy Meyhöfer. „Sie hat das damals hier ins Leben gerufen, sie ist die gute Seele des Hauses.“ Christine Meyhöfer ist nun 65. Es sei schwer bis unmöglich, neues Personal zu finden. Allein mit seiner Angestellten Janine Degenhardt schafft er das alles nicht. „Ich hatte seit 2004 keinen Urlaub mehr. Ich bin auch leer.“ Sein Tag beginnt um 4.30 Uhr, er fährt zum Großmarkt, dann der Restaurantbetrieb, am Abend noch die Büroarbeit. „Kein Wochenende, keine Feiertage“, sagt der 43-Jährige. Freunde? Familie? Zu wenig Zeit. „Und das kann auf Dauer auch nicht sein.“ Reich werde man damit schon gar nicht.

„Deshalb ist das auch eine Befreiung“, sagt er, „diese ganzen Verpflichtungen und diese Verantwortung los zu sein.“ Andererseits sei gerade in den vergangenen Wochen so viel zu tun gewesen wie selten zuvor. „Die Gäste wollen ein letztes Mal kommen, sie verabschieden sich liebevoll und herzlich, da kullern ganz oft die Tränen. Da kommt man schon noch mal ins Grübeln und Nachdenken. Da erkennt man erst mal den Stellenwert, den man mit dem Haus hier hat.“ Es habe so viele Familienfeiern gegeben, „die einfach auch total schön waren, wo wir den Gästen einen unvergesslichen Tag bereiten durften.“

Aber die Entscheidung steht. Zwar gebe es Interessenten für das Haus, „es ist aber nichts spruchreif.“ Ob später wieder ein Lokal an der Stelle öffnet oder was ganz anderes daraus werde, sei noch völlig offen. Klar ist, dass Meyhöfers wegziehen. Auch was Andy Meyhöfer beruflich machen wird, stehe noch nicht fest. „Aber auf jeden Fall nichts mehr mit Gastro.“ Seit 1996 ist Andy Meyhöfers Teil des Familienbetriebes. Vier Jahre zuvor begann er seine Lehre. 2012 übernahm er den Betrieb von seiner Mutter.

Wichtig ist ihm eines: „Ich möchte Dankeschön sagen an alle Gäste, an all die Leute, die einmal oder oft bei uns waren. Ohne die Gäste wären wir nicht, was wir sind.“ Er stockt und schluckt. „Das ist gerade ein bisschen schwierig. Es ist schade, dass man für so viele Leute nicht mehr da sein kann.“

Weihnachten steht an – ein letztes Mal arbeiten. „Danach stelle ich mir eine kleine Auszeit vor“, sagt Andy Meyhöfer. Im Januar stehen aber noch diverse Behördengänge an. „Ich hoffe, dann kehrt ein bisschen Ruhe ein.“ Davor könnte der zweite Weihnachtsfeiertag aber noch mal für emotionale Momente sorgen.

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