Tagesarchiv für 27. Oktober 2018

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Thomas Grimm / Roberto Yáñez: Ich war der letzte Bürger der DDR – Mein Leben als Enkel der Honeckers

Samstag, den 27. Oktober 2018
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Sein Opa war der Erste Sekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Vorsitzender des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik. Für Roberto war er aber einfach nur der Opa.
Roberto Yáñez ist der Enkel von Erich und Margot Honecker, und Thomas Grimm hat er seine Geschichte erzählt.

Wir erfahren, was Roberto in Wandlitz erlebt hat. In der Waldsiedlung haben die DDR-Funktionäre gewohnt, und der Junge ist damals über das Gelände gestreunt. Mal mit Freunden, mal mit seinem Opa. Zu ihm hatte er einen engen Draht. Dagegen schien Margot Honecker, seine Oma, immer ein bisschen kühl gewesen zu sein. Irgendwie liebend, aber kühl.
Roberto berichtet von der Schule, wo ihm hin und wieder schon klar gemacht worden ist, dass er als Honeckers Enkel ein Vorbild zu sein habe. Er erzählt aber auch davon, wie der Opa 1989 krank wurde und wie die Wende ihn einholte. Zu guter Letzt erfahren wir auch etwas über die Zeit in Chile bis zum Tod seiner Oma 2016.

Das Buchcover macht den Eindruck, als würde Roberto Yáñez das Buch hauptsächlich geschrieben haben. Dem ist nicht so. Aber er kommt immer wieder ausführlich in Thomas Grimms Story zu Wort. Sie wirkt wie eine Fernsehdokumentation, sowohl in der Art der Sprache als auch der Zitate.
Aber dadurch liest sich das Buch flüssig und spannend. Es ist sehr interessant, zu lesen, wie Roberto einige Dinge erlebt hat. Wie Roberto Geschichte aus seinem Blickwinkel erzählt. Man wird vermutlich wenig bis nichts bahnbrechend Neues erfahren. Diesen Anspruch hat Roberto Yáñez aber vermutlich auch nicht. Insofern ist es eine interessante Biografie eines Mannes, der in einem höchstspannenden Umfeld aufwuchs.

Thomas Grimm / Roberto Yáñez: Ich war der letzte Bürger der DDR – Mein Leben als Enkel der Honeckers
Insel Verlag, 255 Seiten
8/10

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Die Story im Ersten: Hand am Po – Macht und Sex am Arbeitsplatz

Samstag, den 27. Oktober 2018
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MO 22.10.2018 | 22.45 Uhr | Das Erste

Der Mann, der an dieser Stelle nicht namentlich genannt wird ist ein Pianist und Musikwissenschaftler. Und jetzt gilt er als Grapscher. Als einer, der Frauen belästigt.
Und die Zeiten, wo Männer das einfach mal machen konnten, ohne dass ihnen was passiert, ist einfach mal vorbei. Dem Mann wurde der Prozess gemacht, und der ging für ihn nicht sehr gut aus.

Am Montagabend lief im Ersten die Doku “Hand am Po – Macht und Sex am Arbeitsplatz”. Dort kam unter anderem besagter Mann zu Wort. Man könnte sagen, er ist mutig, dass er sich dem Interview gestellt hat. Man könnte aber auch sagen: Der Mann hat nichts dazu gelernt und hätte besser mal geschwiegen.

Er hatte ein Gespräch mit einer Angestellten. Sie sagt, gleich am Anfang hätte er sie gepackt und ihr einen Zungenkuss gegeben. Er sagt, es sei normal gewesen, dass man sich stürmisch umarme. Man habe sich schon mal intensiver umarmt. Und sogar einen Kuss gibt er zu, wenn auch keinen Zungenkuss. Den bestreitet er. Später setzte sie sich auf eine Couch, um, wie sie sagt, so weit weg wie möglich von ihm zu sitzen. Er sagt, er habe sich dann neben sie gesetzt und fest ihre Hand gedrückt und dann auf seinen Schenkel gelegt.

Ja. Echt. Hat er gesagt.
Und man hört und sieht ungläubig diesem Mann zu, wie er in die Kamera stammelt und wie er sagt, dass er die Aufregung ja gar nicht verstehen könne. Früher habe man das alles doch ganz anders gesehen.

Selten hat sich ein Interviewpartner in einer solchen Doku dermaßen selbst ins Aus geschossen. Ganz freiwillig. Denn diese Doku zeigt sehr eindrucksvoll – und mit ganz einfachen Mitteln – wie wichtig es ist, solche Dinge anzusprechen. Und wie scheinbar manche Leute immer noch nicht begreifen, dass solche Grabbeleien, die sie nicht mal als solche betrachten, gar nicht mehr gehen. Oder eigentlich: noch nie gegangen sind.

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 22.10.2019)

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