Tagesarchiv für 22. Oktober 2018

RT im Kino

The Guilty

Montag, den 22. Oktober 2018

Asger Holm (Jakob Cedergren) ist Polizist und muss Dienst schieben in der Notrufzentrale. Er macht den Job nicht besonders gern, was er durchaus auch raushängen lässt. Aber nun ist sein letzter Tag dort. Der aber wird denkwürdig.
Er bekommt einen Anruf von Iben. Sie sagt, sie sei entführt worden. Asger will der Frau helfen – das aber ist nicht leicht, denn er dann sie nicht orten, und sie weiß nicht, wo sie ist. Immer wieder bricht die Verbindung ab. Bald aber bekommt er die Nummer der Familie raus, und als er die kleine Tochter am Telefon hat, beginnt die ganze Sache erst recht umheimlich zu werden.

“The Guilty” aus Dänemark ist stark und schwach gleichzeitig. Stark, weil die Idee an sich sehr gut funktioniert, dass der Film ausschließlich in der Notrufzentrale spielt. Wir hören das komplette Geschehen nur per Telefon. Das Ganze ist ein Stückweit Kopfkino, und das wird nie langweilig, obwohl sich der Schauplatz nie ändert. Zudem gibt es Wendungen, die durchaus aufregend und niederschmetternd sind.
Schwach ist er aus anderen Gründen. Denn man kann nur hoffen, dass die Notrufzentrale in Dänemark nicht so funktioniert, wie im Film. Da gibt es einen Notfall, und die Crew bekommt ihn nicht mit. Asger bleibt allein mit seinem Fall. Scheint eher unglaubwürdig. Auch dass er ewig allein im Nebenkabuff verschwindet und sich niemand interessiert, ist seltsam. Dass die Kollegen an anderen Schaltstellen eher pampig werden, wenn ungenügende Angaben gemacht werden, verwundert auch. Zusammenarbeit? Klingt da nicht so danach. Das kennt man aus Deutschland doch ein wenig anders. Und dass heutzutage die Ortung so ungenau erfolgen kann, verwundert ebenfalls – aber diese Daten hat wohl nur der Internetprovider.
So packt “The Guilty” durchaus, ist aber andererseits auch seltsam ärgerlich.
Für Dänemark soll der Film von Gustav Möller ins Oscar-Rennen gehen. Dafür sollte es wohl eher nicht reichen.

The Guilty
Dänemark 2018, Regie: Gustav Möller
NFP, 88 Minuten, ab 12
6/10

RTelenovela

Schöne Töne im Kammermusiksaal

Montag, den 22. Oktober 2018
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Wer einem klassischen Konzert lauscht, sollte spezielle Regeln befolgen. Normalerweise wird nicht nach jedem einzelnen Stück applaudiert, sondern immer erst nach dem Gesamtwerk. Und man hat sich zusammenzureißen, wenn man mal husten muss – man wartet im Idealfall bis zum Ende eines Stückes.

Ab und zu mal was Neues. In der Berliner Philharmonie war ich schon mal – nicht aber im dortigen Kammermusiksaal. Dort erlebten wir am Sonntagabend das Formosa-Quartett. Es spielte Musik von Ungarn bis Taiwan.
Auf radioeins gibt es jeden Donnerstagabend die Sendung “Schöne Töne”, in der auch mal etwas abseitige klassische Musik gespielt wird. Daran fühlte ich mich zeitweise erinnert, wenn Musiken gespielt wurden, die schwierige Melodien haben, die die Violine kreischen lassen und zum Zupfinstrument machen.

Ich finde es immer wieder faszinierend, Menschen beim gemeinsamen Musizieren zu beobachten. Wie sie schwierige Stücke spielen und dennoch genau auf dem Punkt zu gewissen Stellen gelangen. Mit welcher Hingabe sie spielen und wie toll das immer wieder klingt.

Ach ja, und dann die Sache mit dem Husten. Meistens klappt das ganz gut. Das Phänomen jedoch ist: Wenn einer doch mal husten muss, dann folgen darauf fast immer ein bis zwei weitere Huster. Wie bei einem Reflex.

-> Und so klingt es: Link zu einem Youtube-Video.

RTZapper

Bitte einsteigen! ICE-Führerstandsmitfahrt von München nach Berlin

Montag, den 22. Oktober 2018
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SA 20.10.2018 | 5.55 Uhr | rbb

Manchmal – viel zu selten – überrascht der rbb mit außergewöhnlichen Programmideen. Am Sonnabendmorgen lief dort vier Stunden lang in Echtzeit unter dem Titel “Bitte einsteigen!” eine Führerstandsmitfahrt mit dem ICE-Sprinter von München nach Berlin.
Der Clou: Dafür schaltete sich der rbb in Berlin und Brandenburg auseinander. In Berlin sah man die Zufahrt nach vorne gefilmt. In Brandenburg gab es die Zugfahrt nach hinten raus gefilmt. Wer wollte – und die technische Möglichkeit hatte -, konnte also immer mal hin- und herschalten.

Slow-TV. In anderen Ländern gibt es solche Formate viel öfter, und sie kommen beim Publikum ganz gut an. Das isländische Fernsehen zeigte 2016 live eine 25-stündige Reise rund um das Land. Das norwegische Fernsehen filmt öfter mal lange Zugfahrten ab – alles ist auch auf Youtube zu finden.

Leider hat der rbb die schöne Idee nicht besonders schön umgesetzt. Am irritierendsten ist die schlechte Bildqualität. Das Bild zittert, ist manchmal unscharf und wirkt oft ziemlich breiig wie bei einer schlechten Internetbandbreite. Anfangs ist es noch sehr schummrig. Die Fahrt ist mit Smartphones gefilmt worden, und das war leider offenbar nicht die beste Idee. Auch wären ab und zu Einblendungen schön gewesen, wie schnell der Zug gerade fährt und wo man sich gerade befindet.
Es reicht also nicht zwingend, zwei Handys im Zug zu platzieren und daraus ein Fernsehprogramm zu machen. Zumindest als rbb. Gute Technik und Bildqualität und ein wenig Nachbearbeitung sollten schon drin sein.
Dann könnten gern weitere Slow-TV-Ideen umgesetzt werden.

-> Die Fahrt auf Youtube.