Monatsarchiv für Oktober 2018

RTelenovela

Jetzt noch Gebratenes? Wir schließen doch in einer Stunde!

Mittwoch, den 24. Oktober 2018
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Woran merkt man, wenn ein Geschäft langsam am Sterben ist? Wenn der Service mehr und mehr eingeschränkt wird. Ein Oranienburger Imbissladen ist vor einigen Jahren unter Applaus vieler Leute eröffnet worden. Aber die Freude scheint verflogen.

Erst war der Laden immer mal wieder einfach geschlossen. Dann fiel die Öffnungszeit am Sonnabend weg. Dann wurde der Laden schon jeden Tag um 15 Uhr geschlossen. Inzwischen kann man dort auch nicht mehr mit EC-Karte zahlen.
Neulich war ich um 14 Uhr dort, um etwas zu essen. Doch das, was ich wollte, gab es nicht mehr. Man schließe ja drei, hieß es relativ pampig. Gebratenes gebe es nur bis 13.30 Uhr. Mein Appetit in diesem Laden war natürlich vergangen – und letztlich dann wohl für immer.

So oder so sind diese Einschränkungen kein gutes Zeichen und kein Indiz dafür, dass der Laden gut läuft. Wenn man aber solche Mätzchen macht, der muss sich nicht wundern, wenn auch noch die letzten Kunden vergrault werden. Mal abgesehen davon, dass der Laden leider nie wirklich einladend und gemütlich war.

RTZapper

Jäger der versunkenen Lok

Mittwoch, den 24. Oktober 2018
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SO 21.10.2018 | 20.15 Uhr | SWR-Fernsehen

Aus der Reihe: Die dramatischsten Programmänderungen aller Zeiten.
Eigentlich sollte am Sonntagnachmittag im SWR-Fernsehen etwas sehr Spektakuläres live übertragen werden.
Im Februar 1852 fiel die Lokomotive „Rhein“ von einem Transportschiff in den Rhein. 1993 wurde damit intensiv begonnen, das Teil zu bergen. Es wurde geforscht, überprüft, wo genau die Lok liegen könnte, dann gegraben. Am Sonntagnachmittag sollte eigentlich die Bergung bei Cochem beginnen und die Lok ans Tageslicht gehoben werden.
Doch die Übertragung mit dem Titel “Jäger der versunkenen Lok” fiel aus.
Es gab keine Lok.

Es ist ein unfassbares Drama und für Horst Müller eine persönliche Tragödie. 55 (!) Jahre lang hat er sich mit seinem Lebenstraum befasst. Seit 1962 beschäftigte er sich mit der Bergung der Lokomotive. Viele Helfer und Sponsoren waren dabei – bis Anfang Oktober festgestellt worden ist: Dort, wo die Lok vermutet wurde, ist sie nicht. Entweder haben sich die Sonden geirrt oder es wurden die falschen Schlüsse aus den Signalen gezogen.
Eine große Expedition ist somit in letzter Minute gescheitert, und aus dem Mega-Event im SWR wurde am Sonntagabend eine depressive Doku mit lauter fassungslosen und traurigen Männern.
Aber diesen Schock und diesen Schmerz – den kann man sehr gut nachvollziehen. Für Häme ist da kein Platz.

RTZapper

Alle gegen 1

Dienstag, den 23. Oktober 2018
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SA 20.10.2018 | 20.15 Uhr | ProSieben

Die ProSieben halten sie stoisch daran fest, dass Spielshows weit mehr als dreieinhalb Stunden dauern müssen. Am Sonnabend startete “Alle gegen 1″. Es ist der nächste Versuch, am Sonnabend live etwas auf die Beine zu stellen.
Elton hat einen Kandidaten, der einen Abend lang gegen Deutschland spielt. Das klingt aufregender als es ist. Es geht nämlich nur darum, dass der Kandidat etwas schätzen muss. Und die Zuschauer per App auch.

Dazu gibt es Einspieler oder Aktionen. Bastian Bielendorfer fährt Achterbahn mit einem Popcorneimer im Arm – und der Kandidaten sollte schätzen, wie viel von den 5000 Popcörnern übrig bleiben. Oder wie viele Luftballons nötig sind, ein Mädchen zum Schweben zu bringen.
Das ist irgendwie nett und nicht uninteressant – rein vom Konzept her aber nun wirklich nicht neu. Und dass man so etwas bis Mitternacht sehen sollte, erschließt sich auch nicht.

Gerade ProSieben leidet darunter, dass die junge Zielgruppe immer seltener Fernsehen schaut – also das klassische Live-Fernsehen. Aber dass der Sender nun Formate entwickelt, die Streaming-tauglicher sind – und entsprechend nicht ganz so lang – ist immer noch nicht zu merken. Und wenn eine Show schon so lange dauert, dann muss es auch einen entsprechenden Spannungsbogen geben. “Schlag den Raab” hatte den. “Alle gegen 1″ nicht.

Eine interessante Erkenntnis brachte dieser überlange Showabend aber doch: Bastian Bielendorfer – bekannt geworden als Lehrerkind-Autor und Stand-up-Comedian – empfiehlt sich für mehr. Er hat eine gute Präsenz, kann recht gut moderieren und könnte für frischen Wind im ProSieben-Einerlei sorgen. Nur Mut!

RTZapper

Schlagerbooom 2018 – Alles funkelt! Alles glitzert!

Dienstag, den 23. Oktober 2018
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SA 20.10.2018 | 20.15 Uhr | Das Erste

Warum sind einige Stars eigentlich der Meinung, dass es spannend sein könnte, wenn sie ihr Privatleben in der Öffentlichkeit ausbreiten? Warum muss ich als Zuschauer damit belästigt werden, dass Christoff De Bolle bald heiraten wird? Und warum muss ich dabei sein, wenn er seinen Typen fragt, ob der das denn auch will? Live. Am Samstagabend zur Primetime im Ersten.

Aber von vorn. Um seine Band Klubbb3 zu promoten, holt Florian Silbereisen für die Moderation seiner Show “Schlagerbooom” im Ersten seine Kollegen Jan Smit und Christoff De Bolle dazu. So standen die drei Männer also ständig zusammen auf der Bühne rum, um zu plauschen und andere Acts anzusagen.
Und weil sich Flori, Janni und Chrissi so lieb haben, wollten Flori und Janni dafür sorgen, dass ihr dritter Mann endlich unter die Haube kommt. Und so holten sie den Freund von Christoff auf die Bühne – der angeblich davon nichts wusste. Und vor 12.000 Zuschauern in der Halle und mehr als 5 Millionen Leuten zu Hause fragte der Christoff seinen Freund, ob er ihn heiraten will.
Ja, das kann man romantisch finden. Man kann es aber auch aufdringlich finden. Mich interessiert weder, mit wem Christoff De Bolle zusammen ist, und schon gar nicht, ob und wen er heiraten wird und ob und wer die andere Person das auch will. Und ist es eigentlich wirklich romantisch, sich auf einer Bühne zu verloben? Oder ist es dann doch einfach nur die Geilheit nach Prominenz und die Hoffnung, die Hochzeit dann ordentlich vermarkten zu können?

Christoff und seinem Ritchie ist sein schönes Leben zu gönnen, aber die Dokusoap dazu muss dann bitte nicht am Sonnabend zur Primetime im Ersten laufen.

RT im Kino

The Guilty

Montag, den 22. Oktober 2018

Asger Holm (Jakob Cedergren) ist Polizist und muss Dienst schieben in der Notrufzentrale. Er macht den Job nicht besonders gern, was er durchaus auch raushängen lässt. Aber nun ist sein letzter Tag dort. Der aber wird denkwürdig.
Er bekommt einen Anruf von Iben. Sie sagt, sie sei entführt worden. Asger will der Frau helfen – das aber ist nicht leicht, denn er dann sie nicht orten, und sie weiß nicht, wo sie ist. Immer wieder bricht die Verbindung ab. Bald aber bekommt er die Nummer der Familie raus, und als er die kleine Tochter am Telefon hat, beginnt die ganze Sache erst recht umheimlich zu werden.

“The Guilty” aus Dänemark ist stark und schwach gleichzeitig. Stark, weil die Idee an sich sehr gut funktioniert, dass der Film ausschließlich in der Notrufzentrale spielt. Wir hören das komplette Geschehen nur per Telefon. Das Ganze ist ein Stückweit Kopfkino, und das wird nie langweilig, obwohl sich der Schauplatz nie ändert. Zudem gibt es Wendungen, die durchaus aufregend und niederschmetternd sind.
Schwach ist er aus anderen Gründen. Denn man kann nur hoffen, dass die Notrufzentrale in Dänemark nicht so funktioniert, wie im Film. Da gibt es einen Notfall, und die Crew bekommt ihn nicht mit. Asger bleibt allein mit seinem Fall. Scheint eher unglaubwürdig. Auch dass er ewig allein im Nebenkabuff verschwindet und sich niemand interessiert, ist seltsam. Dass die Kollegen an anderen Schaltstellen eher pampig werden, wenn ungenügende Angaben gemacht werden, verwundert auch. Zusammenarbeit? Klingt da nicht so danach. Das kennt man aus Deutschland doch ein wenig anders. Und dass heutzutage die Ortung so ungenau erfolgen kann, verwundert ebenfalls – aber diese Daten hat wohl nur der Internetprovider.
So packt “The Guilty” durchaus, ist aber andererseits auch seltsam ärgerlich.
Für Dänemark soll der Film von Gustav Möller ins Oscar-Rennen gehen. Dafür sollte es wohl eher nicht reichen.

The Guilty
Dänemark 2018, Regie: Gustav Möller
NFP, 88 Minuten, ab 12
6/10

RTelenovela

Schöne Töne im Kammermusiksaal

Montag, den 22. Oktober 2018
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Wer einem klassischen Konzert lauscht, sollte spezielle Regeln befolgen. Normalerweise wird nicht nach jedem einzelnen Stück applaudiert, sondern immer erst nach dem Gesamtwerk. Und man hat sich zusammenzureißen, wenn man mal husten muss – man wartet im Idealfall bis zum Ende eines Stückes.

Ab und zu mal was Neues. In der Berliner Philharmonie war ich schon mal – nicht aber im dortigen Kammermusiksaal. Dort erlebten wir am Sonntagabend das Formosa-Quartett. Es spielte Musik von Ungarn bis Taiwan.
Auf radioeins gibt es jeden Donnerstagabend die Sendung “Schöne Töne”, in der auch mal etwas abseitige klassische Musik gespielt wird. Daran fühlte ich mich zeitweise erinnert, wenn Musiken gespielt wurden, die schwierige Melodien haben, die die Violine kreischen lassen und zum Zupfinstrument machen.

Ich finde es immer wieder faszinierend, Menschen beim gemeinsamen Musizieren zu beobachten. Wie sie schwierige Stücke spielen und dennoch genau auf dem Punkt zu gewissen Stellen gelangen. Mit welcher Hingabe sie spielen und wie toll das immer wieder klingt.

Ach ja, und dann die Sache mit dem Husten. Meistens klappt das ganz gut. Das Phänomen jedoch ist: Wenn einer doch mal husten muss, dann folgen darauf fast immer ein bis zwei weitere Huster. Wie bei einem Reflex.

-> Und so klingt es: Link zu einem Youtube-Video.

RTZapper

Bitte einsteigen! ICE-Führerstandsmitfahrt von München nach Berlin

Montag, den 22. Oktober 2018
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SA 20.10.2018 | 5.55 Uhr | rbb

Manchmal – viel zu selten – überrascht der rbb mit außergewöhnlichen Programmideen. Am Sonnabendmorgen lief dort vier Stunden lang in Echtzeit unter dem Titel “Bitte einsteigen!” eine Führerstandsmitfahrt mit dem ICE-Sprinter von München nach Berlin.
Der Clou: Dafür schaltete sich der rbb in Berlin und Brandenburg auseinander. In Berlin sah man die Zufahrt nach vorne gefilmt. In Brandenburg gab es die Zugfahrt nach hinten raus gefilmt. Wer wollte – und die technische Möglichkeit hatte -, konnte also immer mal hin- und herschalten.

Slow-TV. In anderen Ländern gibt es solche Formate viel öfter, und sie kommen beim Publikum ganz gut an. Das isländische Fernsehen zeigte 2016 live eine 25-stündige Reise rund um das Land. Das norwegische Fernsehen filmt öfter mal lange Zugfahrten ab – alles ist auch auf Youtube zu finden.

Leider hat der rbb die schöne Idee nicht besonders schön umgesetzt. Am irritierendsten ist die schlechte Bildqualität. Das Bild zittert, ist manchmal unscharf und wirkt oft ziemlich breiig wie bei einer schlechten Internetbandbreite. Anfangs ist es noch sehr schummrig. Die Fahrt ist mit Smartphones gefilmt worden, und das war leider offenbar nicht die beste Idee. Auch wären ab und zu Einblendungen schön gewesen, wie schnell der Zug gerade fährt und wo man sich gerade befindet.
Es reicht also nicht zwingend, zwei Handys im Zug zu platzieren und daraus ein Fernsehprogramm zu machen. Zumindest als rbb. Gute Technik und Bildqualität und ein wenig Nachbearbeitung sollten schon drin sein.
Dann könnten gern weitere Slow-TV-Ideen umgesetzt werden.

-> Die Fahrt auf Youtube.