RTelenovela

In Velten bleibt keiner unbeobachtet

Alle reden über Dresden oder Chemnitz, über die Rechten, über Mitläufer, über Rechtsextreme und Nazis. In Ostdeutschland ist laut Umfragen die AfD inzwischen die stärkste politische Kraft.
Und auch Velten ist eine gespaltene und tief zerstrittene Stadt. Bei den Bürgermeisterwahlen ging das Ergebnis zur extrem knapp für die SPD aus. Der Kandidat von Pro Velten wäre fast Stadtchef geworden. Bei der Vereinigung sammeln sich die Unzufriedenen, Diskussion arten zu heftigen Streits aus, die Diskussionskultur hat oft unterstes Niveau. Auch die NPD ist in Velten relativ stark.
Spürt man das im täglichen Leben, im Alltag? Leute, die dort wohnen, sagen: ja. Sie wollen aber auch nicht offen drüber reden.

Es ist ein ruhiges, schon sehr kalter Freitagabend in Velten. In Bahnhofsnähe ist nichts los. Ich baue meine Kamera auf, um einen RTest zu drehen. Ein harmloses Filmchen, in dem ich ein Produkt teste. Der Ort im Hintergrund ist nur Kulisse.
Ich habe gerade den Test abgedreht, das Stativ abgebaut und die Kamera eingepackt, als sich ein Auto nähert. Es kreist einmal um den Platz, steuert wieder in meine Richtung. Es stoppt direkt neben mir.
Ein Mann öffnet das Fenster. Er sieht nicht gerade wie ein Sympathieträger aus. Er fragt, was ich denn da mache. Was ich denn da gefilmt habe. Ich sage, dass ich mich selbst gefilmt habe.
Ich solle mich verpissen, und ich habe hier gar nichts zu filmen, erfahre ich von dem freundlichen Mann, der mit Nazis ganz ganz sicher überhaupt gar nichts am Hut hat. Vermutlich bezeichnet er sich selbst als besorgten Bürger, der ein bisschen Angst hat, dass ich ihm Velten wegfilme.

Man stellt sich also ins Nichts und wird dafür bedroht. Zumal ich mich frage, ob ich beobachtet worden bin. Zum Zeitpunkt, als das Auto auftauchte, habe ich ja nicht mehr gefilmt, da hatte ich alles eingepackt. Entweder wurde ich beobachtet und gemeldet oder das Auto fuhr vorher schon mal an mir vorbei.
Bemerkenswert war dieser Moment auf jeden Fall. Und wer weiß, was passiert wäre, wenn der Typ ausgestiegen wäre.
Ist Velten dabei, eine befreite Zone zu werden? Eine No-go-Area?
Ein Facebook-Forum heißt “Velten verbindet”.
Nicht wirklich.

4 Kommentare zu “In Velten bleibt keiner unbeobachtet”

  1. ThomasS

    In deinem RTest sind im Hintergrund insgesamt vier vorbeifahrende Fahrzeuge zu sehen und zu hören.
    Das letzte Kfz ist mir gleich beim ersten Anschauen aufgefallen, wegen der lauten Musik, die zu hören war.
    Dir wird das auch aufgefallen sein, da du kurz den Kopf drehst.
    Außerdem ist am rechten Bildrand ein stehendes Fahrzeug mit aufgeblendeten Scheinwerfern zu sehen. Normalerweise hätte ich nicht darauf geachtet.
    Aber so trägt es zu der beklemmenden Atmosphäre bei, die du schilderst.

  2. RT

    Krass. Das Auto im Hintergrund ist mir gar nicht aufgefallen, vor Ort auch nicht.
    Und das Auto mit der lauten Musik war dann auch das, der dann die Ansage gemacht hat.

  3. ThomasS

    Velten scheint nicht unbedingt ein Ort zu sein, den ein Reiseveranstalter in seinen Hochglanzprospekt aufnehmen würde. Kann das sein?

    Bestenfalls könnte man den Aufenthalt noch als “Erlebnisurlaub” anbieten.
    So ähnlich wie in diesem Film “Westworld”.
    Nur eben nicht mit Androiden, sondern mit realen Menschen. ^^

  4. RT

    Vermutlich, ja.
    Bei den Wahlveranstaltungen vor der Bürgermeisterwahl ging es jedenfalls teilweise ganz schön ab.

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