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Kindeswohl

Ein Privatleben? So was kennt Fiona Maye (Emma Thompson) nicht. Dafür nimmt sie ihre Aufgabe als Richterin in London viel zu ernst. Dass aber ihre Ehe eigentlich schon nur noch ein Scherbenhaufen ist, das will sie nicht wahrhaben, obwohl ihr Mann Jack (Stanley Tucci) seinen Frust durchaus zeigt.
Aber Fiona Maye hat andere Sorgen. Zum Beispiel den Prozess um den 17-jährigen Adam (Fionn Whitehead). Er hat Leukämie, und eine Behandlung könnte ihm helfen. Dazu braucht er allerdings eine Bluttransfusion, die er aber als Zeuge Jehova ablehnt. Fiona Maye muss entscheiden, ob sich die Ärzte über seinen Wunsch, dass nichts getan wird, hinweg setzen dürfen. Sie entschließt sich, den Jungen in der Klinik zu besuchen, bevor sie ihr Urteil fällt. Es wird ein denkwürdiger Besuch.

„Kindeswohl“ von Richard Eyre erzählt mehrere Geschichten. Zum einen die um den fast Volljährigen, der sterben will. Aber auch die Geschichte einer Frau, die den Blick auf sich selbst verloren hat. Sie keine Nähe mehr zulassen will oder kann. Die Probleme damit hat, aus dem Laufrad auszubrechen. Die – das muss sie scheinbar schnell erkennen – dieselben Probleme hat wie Adam. Denn auch Adam kann nicht aus seiner Rolle heraus, auch Adam schafft es nicht, sich mal vernünftig mit sich selbst zu beschäftigen. Beiden geht es um den äußeren Schein.
Ohne zu viel zu verraten: Fiona Maye wird die Entscheidung, die sie trifft, noch lange verfolgen – und das ist in diesem Drama sehr faszinierend dargestellt.
Zunächst wirkt ihre Privatgeschichte ziemlich deplatziert, aber wenn dann der Zusammenhang doch noch offensichtlich wird, ist „Kindeswohl“ als solches sehr packend, sehr rührend.

Kindeswohl
GB 2017, Regie: Richard Eyre
Concorde, 105 Minuten, ab 12
9/10

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