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Rüdiger Barth / Hauke Friederichs: Die Totengräber – Der letzte Winter der Weimarer Republik

Was man manchmal gern vergisst: Die Machtergreifung von Adolf Hitler am 30. Januar 1933 erfolgte nicht durch eine Wahl. Der Beginn des Dritten Reiches konnte passieren, weil in Berlin viele politische Akteure skrupellos um die Macht kämpften, anderen die Macht zuschob – oder einfach zu müde waren, um irgendwie noch andere Lösungen zu finden.

Rüdiger Barth und Hauke Friederichs haben ein sehr spannendes Buch zusammengestellt, das den letzten Winter der Weimarer Republik beleuchtet.
Vom 17. November 1932 bis zum 30. Januar 1933 erzählten sie Tag für Tag, was genau passiert ist. Wer traf sich mit wem, was passierte im Reichstag, welche Entscheidungen traf der Reichspräsident Hindenburg? Wer intrigierte mit wem, wer verhandelte und wer nicht. Und was war ganz allgemein in Berlin los, wie war die Stimmung?
Entstanden ist ein Krimi, ein politisches Drama – das leider keine Fiktion ist, aber dennoch so aufwühlend wie ein Thriller ist.

Mitunter gibt es erhellende Momente in den Erzählungen. Da ist zum Beispiel die SPD, die mahnt, die bangt – die aber nichts unternimmt, die einfach nur zuschaut. Kommt einem bekannt vor. Erschreckend sind auch die Parallelen zu heute: Die Rechtsextremen erstarken, ihre politische Macht wird 1932 immer stärker. Heute kündigen Mitglieder gewisser Parteien an, dass sie im Falle eines Wahlsieges gleich mal die Pressehäuser stürmen werden – am 30. Januar 1933 ist genau das passiert.

„Die Totengräber“ – ein wichtiges, hochinteressantes und lehrreiches Buch.

Rüdiger Barth / Hauke Friederichs: Die Totengräber – Der letzte Winter der Weimarer Republik
S.Fischer, 410 Seiten
9/10

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