Monatsarchiv für September 2018

RTelenovela

Hamsetnichkleena?

Sonntag, den 23. September 2018
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Da bekommt man ja richtig Lust auf den Club. Oranienburg hat ja nicht so viele davon. In einem fand am Sonnabendabend ein Konzert statt, und ich stand erst mal vor der verschlossenen Tür. Die war einfach zu, obwohl es sich um den Haupteingang handelte. Dachte ich jedenfalls. Einen Hinweis, wo sich denn stattdessen der Eingang befindet, konnte ich nicht finden.
Ein Freund, der schon drinnen war, musste mich dann reinlotsen.

Am Eingang saß ein älterer Herr, der den 8 Euro teuren Eintritt kassierte. Ich legte ihm einen 20-Euro-Schein hin, und er so: “Hamsetnichkleena?” Ob ich es nicht kleiner habe. Und das wirklich, ähm, sympathisch rübergebracht.
Ich habe darauf nicht geantwortet, denn in seiner Kasse habe ich Unmengen von Scheinen und Eurostücken gesehen. Er reichte mir problemlos den Zehner und das 2-Euro-Stück als Rückgeld.
Aber Hauptsache erst mal den Kunden anblaffen.
So nach dem Motto: Wir empfangen den Besucher mit offenen Armen.
Na ja, vielleicht das nächste Mal.

RTZapper

Moma – Das Erste am Morgen: #netzreporter

Samstag, den 22. September 2018
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FR 21.09.2018 | 5.30 Uhr | Das Erste

Ist ja wieder unglaublich, was die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles vom Stapel gelassen hat. Die “#netzreporter” von Radio Bremen haben bei Twitter was gefunden und den Tweet in einen Beitrag des Morgenmagazins der ARD eingefügt.

Zum Thema Maaßen soll Nahles gesagt haben: “Wenn Sie mir alle Ihr Ehrenwort geben, dass Sie bei Neuwahlen SPD wählen, gehe ich heute noch ins Kanzleramt und lasse die Koalition platzen, wenn Frau Merkel die Herren Seehofer und Maaßen nicht unverzüglich entlässt.”
Kawumm! Das knallt natürlich, und dass man diesen Twett mal zeigen muss – na, das ist doch klar!

Wenn er denn mal von Andrea Nahles gewesen wäre. Die RB-Netzreporter sind unglücklicherweise auf einen Satire-Account namens @VorsitzNahles reingefallen.
Hätte man übrigens drauf kommen können. Der vorherige Tweet lautete: “Sie müssen mich auch verstehen. Maaßen hat Informationen. Sensible Informationen. Er kennt meine Konfektionsgröße und Frau Merkels geheimes Kartoffelsuppenrezept.” Und oben links auf der Twitter-Seite steht: “SPD-Vorsitzende. Zukünftige Kanzlerin und Twitterkönigin. ACHTUNG: Satire.”
Warum es den Netzreportern trotzdem nicht gelungen ist, die Twitter-Nahles als Satire zu entlarven, ist eine Frage, die man stellen muss. Immerhin ist der Beitrag gleich zweimal ausgestrahlt worden – am Freitagfrüh gegen 6.38 Uhr und noch einmal zwei Stunden später. Und immerhin ist es nicht das erste Mal, dass Medienleute auf Satireaccounts bei Twitter reingefallen sind.
Sollte nicht mehr passieren.

ORA aktuell

Tödlicher Unfall auf Oranienburger Güterbahnhof

Samstag, den 22. September 2018
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Zu einem tödlichen Unfall kam es am Freitagnachmittag auf dem Oranienburger Güterbahnhof an der Ladestraße.
Laut ersten Erkenntnissen der Polizei steht der Tod eines 47-Jährigen „in Zusammenhang mit der Oberleitung des Bahnhofs“. Der Mann arbeitete an einem Schüttgut-Güterzug und war scheinbar zu dicht an die Oberleitungen heran. Laut Ajugenzeugen gab es einen Lichtbogen. Der Mann erlitt dabei tödliche Verletzungen und fiel in einen Waggon.

Vor Ort war die Polizei, Feuerwehr, Rettungskräfte und Notfallhelfer der Bahn.

RTelenovela

Calliope oder: Ich bin von vorgestern!

Freitag, den 21. September 2018
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Ein großes Fragezeichen. Ich habe mich am Donnerstag sehr unwissend und alt gefühlt. Die Sechstklässler der Kremmener Goethe-Grundschule haben Calliope geschenkt bekommen. Und wenn du jetzt fragst, was das sein soll, dann antworte ich: Willkommen im Club!

Minutenlang beobachtete ich, wie die Kinder die sternförmigen Dinger auspackten, die ihnen die Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg geschenkt hatte. Sie setzten die Batterien ein, und schon blinkte da irgendwas.
Ich stand da und guckte nur blöd, weil ich keinen blassen Schimmer hatte, was die da machen und was das für ein Gerät sein soll – nämlich ein Minicomputer, den man selber programmieren kann.

Dazu muss ich sagen, dass ich in Informatik nie eine Leuchte war, meine Noten waren verheeren, ich kann mich da sehr dunkel an eine Null-Punkte-Klausur erinnern. Heute bin ich froh, wenn meine Technik so funktioniert, wie sie das soll.
Aber wenn dann Kinder auf mich zukommen und fragen, wie sie denn mit dem Dingsbums Dieses oder Jenes machen sollen und ich nicht mal die Frage verstehe, dann fühlt man sich wirklich verdammt alt und von vorgestern.

aRTikel

Sie hilft den Kindern bei den Hausaufgaben

Donnerstag, den 20. September 2018
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Alle zwei Wochen am Donnerstag kommt Eveline Kretschmann ehrenamtlichan die Beetzer Grundschule – außerdem gibt sie zu Hause Nachhilfe

MAZ Oberhavel, 20.9.2018

Beetz.
Mit Kindern kennt sich Eveline Kretschmann aus. Viele Jahre hat die heute 67-Jährige aus Sommerfeld als Lehrerin an der Bötzower Schule gearbeitet. 2010 war Schluss. Dennoch steht sie inzwischen regelmäßig wieder vor Schulkindern – allerdings nicht im Unterricht.
Alle zwei Wochen fährt sie am Donnerstagmittag zur Grundschule nach Beetz. „Ich mache die Hausaufgabenkontrolle“, sagt sie. Die Kinder haben an diesem Tag immer um 12 Uhr die Gelegenheit, an ihren Hausaufgaben zu arbeiten. „Sie kommen dann zu mir, um sie mir vorzulegen.“ Sie kontrolliert dann, ob alles richtig ist. Meistens geht es um die Fächer Deutsch und Mathematik. Eine Dreiviertelstunde steht sie den Kindern der Flexklasse mit Rat und Tat zur Seite. Sie beantworten Fragen oder verbessert gemeinsam mit den Kindern eventuelle Fehler in der Hausaufgabe.
„Die Arbeit mit den Kindern macht mir immer noch Spaß“, sagt sie. „Manchmal verstehen sie eine Aufgabe nicht so richtig, und dann versuche ich, ihnen das zu erklären.“ Angefangen hat es mit Zweitklässlern, inzwischen sitzen Kinder der 3. Klasse vor ihr. Wenn sie in den Raum kommt, dann weiß sie nie, was sie erwartet. Immer gibt es neue, andere Aufgaben.

Wenn es nach den Leuten in der Beetzer Grundschule geht, dann könnte sie noch öfter als alle zwei Wochen kommen. „Aber mehr möchte ich nicht machen“, sagt Eveline Kretschmann. Sie macht das ehrenamtlich über den Verein „Sommerfelder Miteinander“. Aber nicht nur in der Schule hilft sie aus – auch bei sich zu Hause. Für Kinder der Grundschule Beetz gibt sie regelmäßig Nachhilfe. Angefangen habe es mit zwei Kindern. Davon hatte sie dann mal bei einer Feier im Ort erzählt, woraufhin sich weitere Eltern mit ihren Kindern bei ihr meldeten.

Im Jahr 2020 feiert Eveline Kretschmann ihren 70. Geburtstag. Dann wolle sie mit den Nachhilfestunden aufhören, sagt sie. Die Kinder, die sie zu Hause betreut, seien nun in der 5. oder 6. Klasse, wenn sie dann in die weiterführenden Schulen kommen, dann habe sie ihre Aufgabe getan, so die Sommerfelderin weiter. „Aber es sind ja noch zwei Jahre Zeit.“

Die Grundschule in Beetz mag sie sehr. „Eine tolle Schule“, sagt sie. „Zumal sie ja so eine kleine Schule ist, das ist immer ein Vorteil.“ Sie freut sich, wenn sie als Dank mal zu Theatervorführungen eingeladen wird, auch wenn es zu Weihnachten ein Geschenk als Dankeschön gibt. Dass sie aushilfsweise wieder richtig in den Unterricht einsteigt, stehe für sie nicht zur Debatte. „Ich hatte meine 37 Jahre.“

Sie kümmert sich stattdessen auch gern um ihre Hobbys. „Wir haben Haus und Garten, da ist immer viel zu tun“, sagt Eveline Kretschmann. „Außerdem lese ich super gerne.“ Wenn sie und ihr Mann die Tochter in Manchester besuchen, dann sei das auch immer eine kleine Reise.

RTelenovela

Ein Stück Kurfürstendamm im Schillertheater

Donnerstag, den 20. September 2018
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Wir waren bei den allerletzten Aufführungen in der Komödie und im Theater am Kurfürstendamm in Berlin. Die beiden Theater sind in ihrer bisherigen Form Geschichte, der Gebäudekomplex wird abgerissen, und irgendwann entsteht dort etwas Neues.
Bis es so weit ist, kommt die “Komödie” im Schillertheater an der Bismarckstraße unter.
Nun waren wir bei der allerersten Aufführung im Übergangsheim.

Mal abgesehen davon, dass die Gegend natürlich nicht mit dem Kudamm mithalten kann. Die Gegend um den Ernst-Reutter-Platz ist das alte hässliche West-Berlin. Schön ist da eigentlich gar nichts. Bummeln will man da nicht wirklich.
Und auch das Schillertheater versprüht längst nicht so viel Charme. Der Saal ist sehr viel höher, auch die Bühne erscheint viel größer und höher zu sein.

Martin Woelffer kommt auf die Bühne und begrüßt das Publikum. An diesem Mittwochabend werde das Haus quasi in Betrieb gebracht. Zwar ist es noch nicht die Premiere von “Willkommen bei den Hartmanns”, sondern nur eine Voraufführung. Da könne es noch zu Pannen kommen, und am Ende gebe es auch nur eine Verbeugung, und dann sei Schluss.
Tatsächlich ging alles fast pannenfrei vorüber. Durch den größeren Raum scheint es, als ob die Schauspieler deutlich mehr zu tun haben, um verstanden zu werden. Das Stück selbst konnte leider nicht so richtig überzeugen, die Inszenierung ist an vielen Stellen nicht schlüssig, das Ende kommt plötzlich, ist seltsam lapidar und funktioniert irgendwie nicht.

Und wir vermissen die Pausen-Wiener. Die gab es immer in den beiden Kudamm-Theatern. Nun scheint es Bouletten und Kartoffelsalat zu geben – wobei die Bouletten wohl nicht so richtig durch waren und eigentlich keiner so genau wusste, ob und wie man sich da bedienen kann, weil die Speisen ein wenig abseits und unbeobachtet rumstanden.
Aber alles in allem funktionierte Tag 1 im Schillertheater recht gut, und die kleinen Ungereimtheiten spielen sich ganz sicher noch ein.
Aber die Sehnsucht nach dem Kudamm bleibt.

RT liest

Nicol Ljubic: Ein Mensch brennt

Donnerstag, den 20. September 2018

Da ist was los im Hause Kelsterberg. Es ist das Jahr 1975. Der 10-jährige Hanno sammelt Fußballbildchen, doch plötzlich stellen sich ganz andere Fragen: Wie steht’s um den Atomausstieg? Was bringt ein Hungerstreik?
In die Einliegerwohnung der Familie ist nämlich Hartmut Gründler eingezogen. Der geht keine Kompromisse ein, der kämpft für das Atom-Aus – und schreibt deshalb auch schon mal an Helmut Schmidt, um einen Hungerstreik anzukündigen – und durchzuziehen.
Auch Hannos Mutter ist von Helmut fasziniert. So sehr, dass auch sie bald zur Aktivistin wird. Auch ihre Ehe gerät mehr und mehr in Gefahr.

Im Deutschen Herbst 1977 kommt es nicht nur in Politik und Gesellschaft zu Verwerfungen, auch bei den Kelsterbergs. Nico Ljubic erzählt von einer Familie, die zerrüttet wird. Rückblickend schaut Hanno auf die Ereignisse in seiner Familie. Er resümiert, wie sie zerbrechen konnte und welche Rolle dieser Hartmut dabei spielte.
Es könnte eine sehr spannende Geschichte sein, aber leider erzählt der Autor sie sehr ruhig und ausschweifend. Es passiert oft seitenweise wenig, außer dass Hanno schwardroniert. Es ist ausgerechnet der eigentlich ja langweilige Vater, der die meisten Sympathiepunkte erringt. Die anderen Figuren erscheinen ein wenig klischeehaft.
So ist es eine etwas merkwürdige Langeweile, die sich durch das Buch zieht, die aber immerhin nicht so langweilig ist, dass man es weglegt.

Nicol Ljubic: Ein Mensch brennt
dtv, 333 Seiten
5/10