Tagesarchiv für 30. August 2018

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Sportschau live: Nach der WM – Die DFB-Pressekonferenz

Donnerstag, den 30. August 2018
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MI 29.08.2018 | 12.00 Uhr | Das Erste

Manchmal braucht es Zeit, zu analysieren, was schief gelaufen ist. Man braucht Abstand. Die Wut muss verfliegen, die Trauer, die Depression. Man muss nachdenken, in sich gehen.
Neun Wochen nach dem Ausscheiden der Fußball-Nationalmannschaft äußerte sich Fußball-Bundestrainer Jogi Löw zu den Geschehnissen bei der WM in Russland. Das Erste übertrug die Pressekonferenz am Mittwochmittag live.

Es waren bemerkenswerte Worte, die Löw da sprach. Man sei arrogant gewesen, sagte er. Man habe geglaubt, dass man schon irgendwie durchkommt in der Vorrunde. Durch bloßen Ballbesitz. Weil es ja 2010 und 2014 bei den WM immer so gut lief. Man habe versäumt, die Mannschaft so zu formen, dass daraus eine Einheit wird. Man habe keine Schlüsselreize gesetzt.

Bemerkenswert, ja. Aber nicht neu. Was Löw sagt, ist in allen Medienanalysen so schon gesagt worden. Da gab es im Grunde wenig bis nichts Neues. Dass der Bundestrainer dafür neun Wochen gebraucht hat, ist dann doch verwunderlich. Wenn auch seine Offenheit gut ist und sein Wille, es nun besser zu machen (und dass man ihm das auch zubilligt) löblich ist – er hätte sich gern früher dazu äußern können.
Übrigens auch zum Fall Özil. Dass Löw bis heute keinen Kontakt zu Özil hatte, ist dann aber schon irritierend – seitens Özil. Auch kein guter Stil des Zurückgetretenen.

RT im Kino

Gundermann

Donnerstag, den 30. August 2018
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Der Name Gundermann war mir bekannt. Seine Musik nicht. Vermutlich bin ich dafür tatsächlich noch zu jung. Als die Wende kam, war ich 11, und mit Ostmusik habe ich mich damals kaumbeschäftigt, und auf den vielen Ost-Musik-Samplern, die es seitdem immer wieder gibt, spielt Gundermann keine Rolle.
Jetzt weiß ich: schade. Denn Gerhard Gundermann war ein Großer.
Dass ich das nun weiß, das habe ich Regisseur Andreas Dresen und Hauptdarsteller Alexander Scheer zu verdanken.

Gerhard “Gundi” Gundermann war eigentlich Baggerfahrer. Aber was heißt eigentlich? Er war es durch und durch, im Lausitzer Tagebau. Tag für Tag. Absolut pflichtbewusst.
Gundermann war aber auch Musiker, Sänger. Er schrieb Lieder, die sein Leben beschrieben, das Leben der Menschen in der DDR und später in Ostdeutschland. Als er bekannter wurde und größere Auftritte hatte, fuhr er danach noch arbeiten. Zur Schicht. Er wollte immer wirtschaftlich unabhängig bleiben in seinem Musikschaffen.
Und er glaube an den Sozialismus. Er hatte aber auch den Standpunkt, dass man alles offen sagen können muss. Dass man Dinge verbessert, in dem man sagt, was schlecht läuft. Der SED passt das nicht, sie schließt ihn aus.
Nach der Wende aber kommt raus: Gundermann war bei der Stasi, jahrelang. Seine Täterakte ist lang. Er beschließt: Er muss es öffentlich machen.

“Gundermann” ist ein extrem faszinierendes und spannendes Biopic. Wer diesen Mann – wie ich – nicht kennt, wird in eine extrem interessante Biografie abtauchen können. Denn in diesem Film wird der Osten nicht schwarz-weiß dargestellt. Hier geht es um einen Mann, der einen guten Sozialismus wollte, einen ehrlichen. Um einen Mann, der bei der Stasi war, der später selbst über das Ausmaßes des eigenen Verrats erschrocken war. Und es geht um ein System, das scheinbar nicht wollte, dass man Dinge verbessern kann, in dem man aber auch Wahrheiten anspricht. Um ein System, das niemandem vertraute.
Alexander Scheer spielt nicht Gundermann, er ist es. Einen guten Schauspieler erkennt man daran, dass man als zuschauer nie darüber nachdenkt, dass da gerade jemand was spielt. Scheer taucht komplett in die Rolle ein – fantastisch! Aber auch die vielen Nebenrolle sind extrem gut dargestellt.
Auch die Musik von Gundermann findet viel Platz in diesem Film – ebenfalls interpretiert von Alexander Scheer. Es sind mitunter großartige Lieder, die so noch mal einem neuen Publikum dargeboten werden.

Danach wird man sicherlich im Internet nach Gundermann suchen – und ihn finden. Und nachlesen. Er hat beispielsweise den Text von “Verlorene Kinder” von Silly geschrieben. War mir so nicht bewusst. Einer der schönsten Osthits.

Gundermann
D 2018, Regie: Andreas Dresen
Pandora, 127 Minuten, ab 0
9/10