Tagesarchiv für 18. August 2018

aRTikel

Früher Schulhaus – heute Wohnzimmer

Samstag, den 18. August 2018
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Die 83-Jährige Elli Rosemann wohnt seit zwei Jahren im Vehlefanzer Seniorenheim – aufdem Gelände hat sie als junges Mädchen insgesamt acht Jahre lang gelernt

MAZ Oberhavel, 18.8.2018

Vehlefanz.
Etwa 2000 Kinder erleben heute ihren ersten Schultag. Bei Elli Rosemann ist das schon ein paar Jahre her. Die 83-Jährige erlebte ihre Einschulung im Spätsommer 1941. „Damals habe ich meine Schultüte gekriegt“, sagt sie. Sie lebte zu der Zeit in der Vehlefanzer Lindenallee, in der Nähe des Dorfangers. Ihre Schule war gar nicht weit entfernt – in der Lindenallee 30. Sie wohnt dort inzwischen. Denn dort, wo sich einst die Schule befand, ist heute das altersgerechte Wohnheim. Es trägt passenderweise den Namen „Alte Schule“.

„Wir haben hier unten den Unterricht gehabt, da, wo jetzt die Tagespflege ist“, erinnert sich Elli Rosemann. Immer mal wieder kommt es vor, dass sie sich an früher erinnert. Da, wo sich der Anbau heute befindet, stand früher eine Holzbaracke. An der Seite des Grundstückes befanden sich eine ganze Reihe Plumpsklos. In jedem Klassenzimmer stand ein schwerer Kachelofen. „Jeden Tag musste der Hausmeister ein paar Zentner Kohlen rumschleppen und Holz. Er musste wirklich viel arbeiten.“ Die Kinder selbst sind meist in Holzpantinen zur Schule gekommen. „Deshalb wurde sie auch Pantinenschule genannt.“ Bis 1945 spielte Hitlers Propaganda eine große Rolle. „Aber wir haben auch viel gesungen: Der Mai ist gekommen“, so die 83-Jährige.
Während der letzten Monate des Zweiten Weltkrieges wurde der Unterricht kurze Zeit ausgesetzt. „Ich weiß noch, bei uns gegenüber waren alle Scheiben kaputt, da ist eine große Bombe gefallen. Das war eine Zeit der großen Angst. Die Flieger kamen in großen Schwärmen über Vehlefanz hinweg.“ Nach Kriegsende war das Dorf voller Flüchtlinge, einige von ihnen gingen auch auf die dortige Schule.
„In der 8. Klasse waren wir dennoch ziemlich wenig“, erzählt Elli Rosemann. „Wir waren bloß zehn Mädels und vier Jungs. Einige sind nach Velten in die Oberschule gewechselt.“ Sie erinnert sich an manche Aufsätze, „bei denen ich immer nichts gewusst habe.“ Nach der 8. Klasse war Schluss. Sie ging danach für drei Jahre auf die landwirtschaftliche Berufsschule in Velten und arbeitete dann auch in der Landwirtschaft. „Wir hatten Kühe, Pferde und Schweine.“ Später zog sie nach Amalienfelde.

„Seit Juni 2016 wohne ich nun hier“, sagt sie. Kurz zuvor war das neue altersgerechte Wohnheim eröffnet worden. Hinter der alten Schule war der Anbau mit den Wohnungen entstanden. „Ein bisschen komisch ist es schon“, ergänzt sie. „Ich habe eine Weile gebraucht, um mich einzugewöhnen.“ Dass sie nun ausgerechnet dort wohnt, wo sie acht Jahre lang zur Schule gegangen ist, sei ein lustiger Zufall. „Man überlegt, mit wem man damals immer so hier war“, sagt Elli Rosemann. „Aber es sind leider nicht mehr viele hier aus meiner alten Klasse.“

RTelenovela

Überraschungsevent (22): Spontan

Samstag, den 18. August 2018
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(21) -> 5.6.2018

Der Startschuss fiel im April 2016. Einmal im Monat wollen wir uns gegenseitig überraschen. Und immer darf der andere nicht wissen, wo genau wir hingehen werden – erst vor Ort wird das Geheimnis gelüftet. Der Termin muss beim anderen natürlich abgefragt werden, alles andere nicht. Die Preisgrenze liegt bei 30 Euro. In diesem Monat durfte ich das Event planen, im September ist sie dran.

Diesmal waren wir in Barbaras Bar. Also, eigentlich waren wir im Ratibor-Theater mitten in Berlin-Kreuzberg. Wieder mal ein Ort, den ich im Rahmen unserer Überraschungsevent kennenlernen durfte. Und dabei war es mein Event. Ich hatte einen Abend zur Verfügung, und den galt es, zu füllen. Ich wusste selbst nicht genau, was uns erwartet.
Das Ratibor liegt im Wrangelkiez in einem Hinterhof. Der Raum ist relativ klein, aber da ist ja immer ganz reizvoll.

Das Stück war reine Improvisation. In einer Bar treffen sich vier Leute und eine Art Barfrau (oder eher: Moderatorin oder Spielleiterin). Das Publikum kann bestimmen, was sie zusammenführt.
In Runde 1 spielt jeder der seinen zugewiesenen Charakter. Das ist ganz interessant, wobei die Sachen vom Publikum eher so lala waren. Was ich reinrief, nahmen sie nicht.
Nur ein Thema war außergewöhnlich. Eine der Schauspielerinnen sollte spielen, dass sie nur noch ein Ding besitzt. Sie milderte es ab auf: nur noch einen Rucksack. Das war ein bisschen schade, denn auch damit ist sie nicht so richtig klargekommen.
In Runde 2 wurden diese vier Figuren dann zusammengeführt.

Das war ganz amüsant und relativ kurzweilig. Nicht mehr, nicht weniger. Es war alles spontan, aber irgendwie nicht mitreißend. Manchmal kann man das selber gar nicht genau erklären, warum das so ist. Vielleicht war es nicht abgedreht genug oder im Detail dann doch nicht so außergewöhnlich umgesetzt.
Schwierig ist, dass die Klimaanlage so laut ist, dass es manchmal schwer ist, den Schauspielern ohne Mikro zu folgen.

Und eines fällt auf: Die Jugendlichen im Raum wollten immer, wenn es etwas zu bestimmen gab, irgendwelche sexuellen oder erotischen Dinge haben. Ermüdend. Aber so sind Kids wohl nun mal…

RTZapper

Endlich Feierabend!

Samstag, den 18. August 2018
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DO 16.08.2018 | 18.00 Uhr | Sat.1

Das Frühstücksfernsehen bei Sat.1 läuft so erfolgreich – da dachte man sich: Machen wir das doch auch am Abend. Irgendwer fand, dass das eine tolle und vor allem total frische Idee ist. Zwar hat man bei Sat.1 die Idee, eines abendlichen Frühstücksfernsehens schon einige Mal gehabt und einige Male einen Flop hingelegt – aber einen weiteren Versuch war es doch offenbar wert.
Seit anderthalb Wochen läuft “Endlich Feierabend!” immer um 18 Uhr – und ist momentan ein, nun ja, Flop.
Wobei man leider sagen muss: Wirklich Mühe hat man sich bei Sat.1 mit seinem neuen Feierabendmagazin nun wirklich nicht gegeben.

Am Donnerstag zum Beispiel: Die beiden Moderatoren hatten ein paar Sekunden, um einen “Guten Abend” zu wünschen und den ersten Beitrag anzusagen. Fünf Minuten ging es um eine Familie, die einen Urlaubszwischenfall erlebte.
Das innovative neue Magazin steigt also mit einem ewig langen Schicksals- und Boulevardstück ein, für das man echt kein Live-Magazin braucht.
Wie sich zeigte, ist “Endlich Feierabend!” eine bloße Abfolge von Beiträgen. Dass das nun wirklich nicht der heiße Scheiß0 ist, mit denen man Zuschauer lockt, sollte eigentlich klar sein.

Wozu hat man eigentlich Daniel Boschmann und Annett Möller engagiert? Sie kommen locker und sympathisch rüber, können sich durch das bloße Ansagen von Beiträgen aber kaum entfernen. Mal eine Aktion? Irgendein Einfall?

Zehn Minuten vor Schluss kam Studiogast Maximilian Arland ins Spiel. Mit ihm gibt es ein launiges Gespräch zu seinem Lebenswandel nach seiner Scheidung. Warum ist Arland nicht von Anfang an dabei? Oder zumindest früher? Erst am Ende von “Endlich Feierabend!” wird es irgendwie locker, und da wird aus dem lahmen und einfallslosen Boulevardmagazin das, was diese Sendung vermutlich sein soll.
Aber, Sat.1, da muss man sich über miese Quoten nicht wundern. Ein bisschen mehr Mühe sollte schon drin sein.