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Weihnachten ist Schluss: Meyhöfers Gasthaus schließt

In Kremmen könnte eine fast 170 Jahre lange Tradition enden –Familie will das Anwesen verkaufen – es fehlt an neuem Personal

MAZ Oberhavel, 17.8.2018

Kremmen.
Der zweite Weihnachtsfeiertag nimmt in diesem Jahr in Kremmen ein trauriges Ende. Der 26. Dezember ist der Tag, an dem „Meyhöfers Gasthaus“ das letzte Mal geöffnet hat. Die Wirtsleute geben ihr Geschäft, das sich Am Kanal 6 befindet, zum Jahresende auf. Meyhöfers wollen das Haus verkaufen, auf einem Immobilienportal im Internet befindet sich ein entsprechendes Angebot.
Eigentlich seien die Gästezahlen gut gewesen, sagte Andy Meyhöfer in einem Gespräch mit der MAZ. Dass die Gaststätte am Kremmener Stadtrand trotzdem schließt, habe andere Gründe. Zum einen geht seine Mutter, die immer Teil des Gasthauses gewesen ist, im kommenden Jahr in Rente. „Sie ist die gute Seele des Hauses.“ Zum anderen sei es aber immer schwieriger geworden, neues Personal zu finden. „Es herrscht Nachwuchsmangel“, so Andy Meyhöfer. Mehrfach hatte er inseriert und nach neuen Leuten gesucht. „Das fängt schon bei Reinigungskräften an, auch da ist es sehr schwierig“, so der Gastwirt.

Über den zweiten Weihnachtsfeiertag hinaus werde es keine Gastronomie mehr in den Räumen geben. „Sollte sich bis zum Jahresende kein Käufer finden, dann könnten wir auch vermieten“, so Andy Meyhöfer weiter. Es müsse auch nicht zwingend wieder eine Gastronomie auf das Gelände ziehen. Er könne sich vorstellen, dass auch eine Physiotherapie-Praxis oder etwas ganz anderes in das heutige Gasthaus einzieht. Möglich sei auch eine Nutzung als Wohnungen.

Das Aus von „Meyhöfers Gasthaus“ ist für die Kremmener durchaus bitter. Immer wieder ist der große Saal für private und öffentliche Veranstaltungen genutzt worden. Schon seit 1850 gibt es an dieser Stelle eine Gaststätte. Um 1900 brannte das damalige Haus jedoch ab. Auf den Kellergewölben ist es 1903 wieder aufgebaut worden – jedoch etwas größer und im victorianischen Stil. Es bekam den Namen „Hartwigs Ruh“, später dann „Bruno Hartwigs Gasthaus“. Auf dem Anwesen wurde auch Landwirtschaft sowie ein Kohlen- und Saatguthandel betrieben. Sogar eine Tankstelle gab es vor dem Haus.
Hartwig starb Ende der 50er-Jahre, seine Frau war dann – wie viele Betriebe in der DDR – gezwungen, an den Konsum zu verpachten. Familie Meyhöfer kaufte das Anwesen Ende der 60er. In den 70ern und 80ern arbeitete dort der Wirt Assen Arsow („Assi“). Die „Gaststätte am Kanal“ erlebte damals seine große Discozeit. Zwei Jahre nach der Wende schloss das Wirtshaus, der Wirt übernahm eine Kneipe in Flatow.
Erst am 2. April 1995 ging es weiter, die Familie Meyhöfer eröffnete nach längeren Renovierungsmaßnahmen ,,Meyhöfers Gasthaus“. Nach fast 24 Jahren endet also diese Ära – vielleicht sogar die fast 170-jährige Gaststättentradition. Und was wird aus Andy Meyhöfer, dem jetzigen Wirt? „Das wird sich noch finden“, sagte er.

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