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Bericht aus Berlin – Sommerinterview: Horst Seehofer

SO 05.08.2018 | 18.30 Uhr | Das Erste

Kommen wir ganz am Ende mal noch kurz auf andere Themen zu sprechen. Schließlich sei Horst Seehofer ja auch Bauminister.
Das war am Sonntag im Ersten der Satz der Sätze. 20 Minuten hat jeder Gast im Sommerinterview im “Bericht aus Berlin”. 20 Minuten, um über die Lage in Deutschland zu sprechen, und jeder weiß, dass es viel zu besprechen gibt.

Am Sonntag war Horst Seehofer (CSU) zu Gast auf der Terrasse direkt an der Spree. Ziemlich laut ist es dort. Und wie gesagt: 20 Minuten Zeit. Davon ging es gute 17 um die Asylpolitik. Um Flüchtlinge. Um Seehofers Verhältnis zu Merkel. Wie umgehen mit den Flüchtlingen? Wohin sollen sie? Und was ist mit dem Masterplan? Und mit den Ankerzentren?
Das ist ein wichtiges Thema.
Das Problem ist nur: In Wirklichkeit hat Deutschland viel drängendere Themen. Während sich die Union und die SPD um Themen streiten, die zahlenmäßig aktuell gar nicht so akut sind, wie sie akut geredet werden – die AfD sieht das natürlich anders – gibt es weiter riesige Probleme in der Pflege, mit der Infrastruktur, und von der Umwelt wollen wir gar nicht erst anfangen. Und auch über den Wohnungsbau könnte man mal ausführlich mit dem Bauminister reden.
Fragt man die Deutschen, was denn eigentlich die drängendsten Probleme in Deutschland sind, landen nicht die Flüchtlinge ganz oben. In Talkshows hat man aber den Eindruck, es gäbe nichts anderes mehr.

Und du sagst jetzt: Den Text habe ich doch schon mal gelesen? Stimmt! Denn beim Sommerinterview mit Robert Habeck lief das ganz genauso ab. 18 Minuten zum Thema Asyl, zwei für das Restgedöns.
Warum lässt man Seehofer nicht mal zu anderen Themen reden. Warum macht ihn stattdessen wieder wichtig mit seinem Lieblingsthema? Warum machen die Hauptstadtjournalisten ihren Job nicht mal anständiger und befassen sich mit den Themen, die eigentlich wichtiger sind.
Oder ist das 20-Minuten-Format für die Sommerinterviews vielleicht Murks?

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