Tagesarchiv für 2. Juli 2018

RT liest

Martin Tietjen: Selbstrufmord – Geschichten, die man eigentlich nicht erzählen sollte

Montag, den 2. Juli 2018

Wenn Prominente ihre Biografie schreiben, dann kann man immer wieder lesen, wie toll sie doch sind und was sie alles schon so geleistet haben. Bei Martin Tietjen ist das ein bisschen anders.
Martin Tietjen kennt man… unter Umständen nicht. Oft ist er Backstage-Moderator bei diversen RTL-Shows, die aber eher selten im “richtigen” Fernsehen zu sehen sind. Angefangen hat er beim Offenen Kanal, später moderierte er ein halbes Jahr bei VIVA – bis dort sein Vertrag nicht verlängert worden ist. Weil, nun ja, es nicht besonders gut lief.

Damit disst man Martin Tietjen nicht. Das erzählt er selbst sehr freimütig. In “Selbstrufmord” berichtet er von seiner ziemlich durchwachsenen Karriere. Von seinem Lebenstraum, für das Fernsehen zu arbeiten und davon, wie sein Lebenstraum drohte, zerstört zu werden. Davon, wie schwierig es war, sich von solchen Rückschlägen zu erholen. Von durchaus üblen Jobs, die er durchmachen musste, von seinem Volontariat beim NDR.
Aber auch das Private lässt er, halb Deutscher, halb Schwede, nicht aus. Tietjen berichtet über seine Kindheit, seine Familie – und darüber wie schwierig sein Outing war. Spätestens als es bei der von Freunden geschenkten Entjungferung bei einer Prostituierten nicht so wirklich klappte, wusste er, dass er schwul ist. Völlig vergurkte Dates, aber auch eine langjährige Beziehung mit ihren Höhen und Tiefen kommen zur Sprache.

“Selbstrufmord” heißt das Buch. Auf unterhaltsame Weise berichtet Martin Tietjen darin tatsächlich, wie es ihm immer wieder gelungen ist, seinen eigenen Ruf in die Tonne zu treten. Bemerkenswert ehrlich und schonungslos geht es mit sich ins Gericht. Es ist nicht der schillernde Promi, der hier erzählt. Sondern hier berichtet ein Typ, der so ziemlich auf dem Boden der Tatsachen steht (nachdem er dorthin auch immer wieder zurückgeholt worden ist). Das ist sehr sympathisch. Und das macht vor allem Mut: Nämlich auch mal selbst was zu wagen, auch wenn man droht, damit auf die Schnauze zu fallen. Tietjen erzählt nämlich nicht nur vom Scheitern, sondern auch auch davon, immer weiter an sich zu arbeiten, immer weiter voran zu kommen. Beruflich und privat.

Martin Tietjen: Selbstrufmord – Geschichten, die man eigentlich nicht erzählen sollte
Fischer Taschenbuch
8/10

RTelenovela

Abi98 – Das Wiedersehen 2018

Montag, den 2. Juli 2018
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2008 -> 29.6.2008

20 Jahre. So lange ist es nun schon her, dass wir am Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium unser Abitur gemacht, die Schule verlassen haben.
Vor zehn Jahren haben wir unser erstes großes Jahrgangstreffen in der Hohen Neuendorfer Havelbaude gefeiert, nun sind weitere zehn Jahre vergangen. Das 20. Jubiläum fand auf dem Spargelhof in Kremmen statt.

Die Location hat sich angeboten. Schon allein, weil ich mich ja berufstechnisch in Kremmen gut auskenne. Aber das Positive war, dass die Planung relativ einfach war. Wir brauchten kein Büfett bestellen, sondern uns schlicht nur anmelden. Zwei Wochen vorher haben wir Näheres besprochen, als auch die Personenzahl einigermaßen fest stand.

Immerhin gut die Hälfte unseres Jahrgangs war dabei, auch unser damaliger Schulleiter, die heutige Schulleiterin und drei Lehrer kamen. Einige weitere haben immerhin abgesagt. Von vielen haben wir gar nichts gehört. Aber so ist das nun mal: Wer keinen Bock hat, kommt nicht. Man kann keinen zwingen.
Dabei war das Treffen sehr entspannt. Wie ich später in Gesprächen gehört habe, war es sogar entspannter als vor zehn Jahren. Wir sind alle inzwischen um die 40, haben Berufe, viele schon Familie. Das erdet in der Regel, das macht ruhiger, man muss meistens niemandem mehr etwas beweisen.
So saßen wir fast neun Stunden zusammen, haben geplaudert, was denn er oder sie inzwischen machen – und natürlich sind wieder viele Erinnerungen ausgetauscht worden.

Zum 25. Jubiläum, also im Sommer 2023, werden wir wohl wieder so ein Treffen machen. Schon allein, weil wir ja alle nicht jünger werden. Und schon jetzt mussten wir zwischendurch an eine Mitschülerin denken, die leider nicht mehr unter uns weilt.

RTZapper

Sat.1-Frühstücksfernsehen: Claus Strunz spricht Klartext – Löws Team: Ein Spiegelbild Deutschlands

Montag, den 2. Juli 2018
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DO 28.06.2018 | 5.30 Uhr | Sat.1

Jetzt sind die Flüchtlinge auch noch schuld, dass wir aus der WM geflogen sind. Der Frühstücksfernseh-Kommentator Claus Strunz weiß es genau. Am Donnerstagmorgen hat er erklärt, warum es diesmal so schlecht gelaufen ist. Und eigentlich hätten wir da ja selbst längst drauf kommen können.

Es hat nicht gefunzt zwischen Mannschaft und Fans. Die Fans haben das gespürt, und die sind ja sowieso gerade total mies drauf, und die Mannschaft ebenfalls.
Deshalb ist Deutschland nach der Vorrunde der Fußball-WM raus. Nicht weil die Mannschaft schlecht gespielt hat, sondern weil Deutschland ganz allgemein schlecht drauf ist.

Moderatorin Marlene Lufen, die für Strunz als Stichwortgeberin fungierte, erzählte, dass sie 2014 noch hätte angefangen zu heulen, wenn Deutschland bei der WM ausgeschieden wäre. 2018 war’s ihr wurscht. Und nicht die mutmaßliche Rumheulerei macht ihr Sorgen, sondern die Wurschtigkeit in diesem Jahr.
Dabei reden wir ja immer noch nur über Fußball. Aber Claus Strunz sieht mehr in dieser WM: Das Spiel der Deutschen sei lahm gewesen. Genau wie die aktuelle Politik, und da gebe es einen Zusammenhang. Die erreiche viele Menschen nicht mehr, sei mutlos – genau wie Bundestrainer Löw, der Andersdenkende zu Hause gelassen habe.

Politkommentator Strunz hat zwar keinen blassen Schimmer davon, wie es zur Löwschen Personalentscheidung gekommen ist, ein bisschen Frühstücksfernsehfaselei ist aber immer drin. Wenn’s im Land nicht laufe, dann könnten wir auch die WM vergessen. Hach ja, ist das schön, wenn man sich die Welt so einfach denken und wichtig tun kann.