Monatsarchiv für Juli 2018

RT liest

Friedrich Ani: Durch die Nacht, unbeirrt

Dienstag, den 31. Juli 2018

Wo ist Isa? Mingo ist besorgt. Es lief doch gerade so gut. Sie hatten sich immerhin schon mal geküsst. Und jetzt ist sie weg. Er muss sie finden, egal, was seine Eltern und alle anderen sagen.
Das ist für Mingo sowieso nicht relevant, denn der junge Mann hat eh kaum Freunde, und mit seinen Eltern kommt er auch nicht wirklich klar.
Dass Isa weg ist, scheint keinen großartig zu interessieren. Jeden, den er fragt, weiß nichts. Aber irgendwas stimmt da nicht, da ist sich Mingo sicher. Und tatsächlich: Bald hat er eine heiße Spur, und sie ist entsetzlich.

“Durch die Nacht, unbeirrt” ist im Jahr 2000 schon einmal erschienen. Nun ist der Roman von Friedrich Ani noch einmal neu aufgelegt worden.
Ani erzählt die Geschichte eines Jugendlichen, der scheinbar nirgendwo richtig integriert ist – vor allem, weil er sich nicht integrieren lassen will. Als er aber Isa kennen lernt, da ändert sich was. Mingo fasst Lebensmut, der aber von den Ereignissen um das Mädchen jäh wieder zerstört wird.
Interessant ist die Rolle eines Journalisten in dieser Geschichte, Andras Kettelbach. Der Enddreißiger entdeckt Mingo im Wald, und die beiden freunden sich an – irgendwie. Aber auch bei Kettelbach scheint einiges im Argen zu liegen.
Allerdings erscheint die Geschichte anfangs etwas spröde, sie zieht den Leser kaum rein. Erst im letzten Drittel ändert sich das, und die Momente, in denen Mingo und Andras sich öffnen – die haben etwas seltsam geheimnisvoll Magisches.

Friedrich Ani: Durch die Nacht, unbeirrt
dtv Hanser, 287 Seiten
6/10

RTelenovela

Rügen 2018 (10): Eingecremt ins Wasser

Montag, den 30. Juli 2018
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(9) -> 30.7.2018

Ein sonniger Tag am Strand von Binz. Es gibt ja Leute, die sagen, Binz sei überfüllt, und das sei sehr anstrengend. Das finde ich gar nicht. Ich kenne Binz zu jeder Jahreszeit, und irgendwie hat der Ort seinen Reiz, wenn es ganz still ist. Aber am schönsten ist Binz, wenn der Ort belebt ist. Und, klar, es gibt Hotspots, aber die kann man ja umgehen, wenn man möchte.
Natürlich ist es auch am Strand ziemlich voll, und da kann man dann einige beobachten.

Wie zum Beispiel die Familie, die am späten Nachmittag am Strand auftauchte. Während sich der Vater in seiner Badehose zügig auf die Decke knallte, die Mutter holte sich erst mal was zu essen, dauerte es bei dem Sohn, vielleicht 16, 17 oder 18 Jahre, etwas länger.
Bis auf die Boxershorts zog er sich aus, dann nahm er sich die Sonnencreme. Sehr akribisch cremte er sich ein. Die Beine, Schenkel, Arme, Oberkörper, Rücken, Füße (!). Das dauerte sicherlich zehn Minuten, und er hatte wirklich die Ruhe weg.
Um sich dann die Badehose anzuziehen – und um umgehend danach ins Wasser zu gehen.
Nun ist es ja so, dass Sonnencreme, wenn sie hochwertig ist, auch im Wasser wirkt. Dennoch würde ich das wahrscheinlich eher andersrum machen – erst mal ins Wasser, dann cremen.
Aber vermutlich bin ich da wissenschaftlich auf dem völlig falschen Dampfer.

RTelenovela

Rügen 2018 (9): Fährmann, hol öwer!

Montag, den 30. Juli 2018
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(8) -> 3.4.2018

Ich dachte ja immer, dass es ziemlich out ist, mit der Fähre vom Festland nach Rügen fahren. Also, nicht bei mir. Aber bei den vielen anderen Reisenden. Immerhin kostet es ja nicht ganz wenig Geld, um überzusetzen, für mich und mein Auto sind es 5,40 Euro.
Diesmal war war alles anders.

Als ich auf Stahlbrode zufuhr, war die Straße noch leer. Doch direkt am Hafen erwartete mich ein kleiner Stau – nie erlebt, bisher. Aber vielleicht liegt es an den aktuellen Verkehrsverhältnissen auf Rügen. Bei Bergen ist die B96 gesperrt, was bedeutet, dass sich der komplette Verkehr in Richtung Inselnorden durch Bergen quält. Mit langen Staus, wie immer wieder im Verkehrsfunk zu hören ist.
Fahre ich mit der Fähre von Stahlbrode nach Glewitz, fahre ich auch gleich an Bergen vorbei, ohne in den dortigen Stau zu kommen.

Ich hatte Glück, erst ein paar Autos hinter mir war Schluss, weil die Fähre voll war. Ich musste also immerhin keine weitere Fähre abwarten. Aber so voll habe ich das Schiff lange nicht (nein: nie) gesehen.

Schon 2014 habe ich hier über die Landesstraße geschrieben, die durch Vilmnitz führt. An ihrem historischen Charakter hat sich immer noch nichts geändert.
Aber Geld scheint da zu sein. Denn in Kasnevitz bei Putbus war die Strecke nicht ganz so übel, aber auch dort gab es Kopfsteinpflaster und Löcher. Immerhin dort ist die Straße saniert worden, und man rollt relativ gemütlich durch.
Wer weiß, wann Vilmnitz dran ist – allerdings: Irgendwie würde mir auch was fehlen, wenn da die Holperstrecke plötzlich weg wäre…

KeineWochenShow

#82 – Hinz und Kunz reden über Özil und den DFB

Sonntag, den 29. Juli 2018
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Hinz und Kunz reden über Özil und den DFB. Und deshalb machen wir das auch. Hat Özil Recht, wenn er die Rassismuskeule schwingt? Was lief falsch beim DFB? Und ist es richtig, dass Özil nicht mehr in der Nationalmannschaft spielen will?

Genau vor einem Jahr haben wir gefragt, wann denn endlich wieder Sommer ist. In dieser Sendung gibt es die Antwort, und natürlich geht es auch um die negativen Seiten dieser Hitze. Und um Weihnachten.

Ansonsten ist es eine musikalische Sendung. Michael Holm wird geehrt – und wer kennt eigentlich Frank und seine Freunde? Und was machen eigentlich Tokio Hotel?
Das und mehr in KeineWochenShow #82 auf YouTube.

RT im Kino

Anne Clark – I’ll walk out into Tomorrow

Samstag, den 28. Juli 2018
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Seit mehr als 30 Jahren steht die britische Musikerin und Poetin Anne Clark auf der Bühne. Mit “Sleeper in Metropolis” und auch “Our Darkness” hat sie echte Meilensteine geschaffen. Und das mit ihren poetischen Texten, die sie auf die rockigen oder auch sphärischen Songs spricht – mal schwermütig und melancholisch, mal voller Wut und Kraft.

In der Doku “Anne Clark – I’ll walk out into Tomorrow” begleitet der deutsche Filmemacher Claus Withopf die Musikerin. Der Zuschauer sieht sie auf ihren Konzerten, aber auch bei den Proben mit ihrer Band. Sie erzählt von ihrer Kindheit, von den Eltern und davon, dass körperlicher Kontakt für sie früher oft nur mit Gewalt in Zusammenhang stand.
Es ist ein zeitweise sehr persönliches, intimes Porträt geworden, das Anne Clark mit all ihrem Mut, aber auch mit ihrer Zerbrechlichkeit zeigt.
Umrahmt wird der Film immer wieder von Anne Clarks Songs. Die eine oder andere längere Anreihung von Songtext-Einblendungen hätte man allerdings auch weglassen können.

Anne Clark – I’ll walk out into Tomorrow
D 2017, Regie: Claus Withopf
Neue Vision, 84 Minuten, ab 0
7/10

RTZapper

Die lange Nacht der Abkühlung

Samstag, den 28. Juli 2018
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FR 27.07.2018 | 0.10 Uhr (Sa.) | ZDF

Das ZDF ist uncool? Nein, das ist schlicht falsch. Am späten Freitagabend hat uns das ZDF gezeigt, dass es sogar verdammt cool sein kann! Also, cool im Sinne von: kalt. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn im Programm lief nach den Spätnachrichten die Doku “Deutschland von oben – Ein Wintermärchen”. Bilder von herrlichen Schneelandschaften. Zum Frösteln. Danach lief der Film “Let it snow – Kalt erwischt auf drei Kontinenten”. Gefolgt vom “Abenteuer Polarkreis”.
Brrr! Da läuft einem doch ein kalter Schauer über den Rücken.

Aber genau das ist so gewollt, denn “Die lange Nacht der Abkühlung” war am Freitag die etwas andere Programmänderung aus Anlass der anhaltenden Hitze. Wer das ZDF geschaut hat, hatte endlich mal die Gelegenheit, sich am offenen Fenster Filme anzusehen, die vom Winter handeln.

Ich hoffe, dass es beim nächsten strengen Frost (falls wir ihn noch erleben) “Die lange Nacht der Sommerhitze” gibt. Und wer Weihnachten doof findet, für den könnte im Dezember “Die lange Nacht des Osterfestes” eine feine Sache sein. Auch das wäre doch mal ganz schön cool, liebes ZDF!

RTZapper

Tschick

Freitag, den 27. Juli 2018
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DI 24.07.2018 | 22.45 Uhr | Das Erste

“Tschick”, der Film über zwei Jugendliche, die einen Road Trip mit einem geklauten Auto unternehmen, gehörte zu den besten Filmen des Jahres 2016. Um so schöner, dass er nun erstmals auch im Free-TV zu sehen war. Er lief am Dienstagabend im Ersten. Um 22.45 Uhr.

Mal wieder vergräbt die ARD eine Filmperle im Nachtprogramm. Was umso schlimmer ist, weil es sich ja vor allem um einen Jugendfilm handelt. Dass dafür um 20.15 Uhr kein Platz gewesen soll, das ist kaum zu glauben.
Dabei läuft gerade im Ersten das Sommerkino – immer montags um 20.15 Uhr und dienstags um 22.45 Uhr. Nach welchen Kriterien die Filme auf den Primetime- oder Nachtsendeplatz gelegt sind, ist nicht bekannt.
Dass aber ein Flop wie “Professor Love” mit Pierce Brosnan eine 20.15-Uhr-Ausstrahlung verdient hat und der deutsche, preisgekrönte Film “Tschick” nicht – das ist bedauerlich, um es mal milde auszudrücken.

Ja, sicher, nun kann man sagen, dass die ARD eher ältere Zuseher erreicht – und dass die vielleicht Brosnan dem Jugendfilm vorziehen, aber man kann doch zumindest mal versuchen, die Jugend an die gute alte Tante ARD zu binden.
Dass man den Film jederzeit (bis 31. Juli 2018) in der Mediathek oder auch am Sonnabend, 28. Juli, um 21.45 Uhr bei one sehen kann, sorgt da wenig Trost. Denn es geht da auch um nichts weniger als Wertschätzung.