Monatsarchiv für Juni 2018

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Katthult – wo Michel wohnt

Samstag, den 30. Juni 2018
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DI 26.06.2018 | Gibberyd, Katthult

Und plötzlich stand da ein Filmteam auf dem Hof in Gibberyd in Smoland in Schweden. Der Hof entspreche ziemlich genau den Vorstellungen von Astrid Lindgren, hieß es. Er sehe aus wie in “Michel aus Lönneberga” beschrieben. Die dort lebenden Leute willigten ein, und so entstanden in den frühen 70ern auf diesem Hof drei Filme der Michel-Reihe. Der Katthult-Hof war Wirklichkeit geworden.
Die Michel-Filme wurden zu einem riesigen Erfolg, und nun kamen immer wieder Menschen auf den Katthult-Hof, den es ja wirklich gibt, um sich dort umzusehen. Die Bewohner dachten, der Trubel würde sich bald legen. Aber das tat er nie. Bis heute nicht.
Statt zu mosern, machten sich die Bewohner den Erfolg zunutze – sie machen den Hof ganz offiziell für Besucher zugänglich. Für 60 Kronen – etwa 6 Euro – kann man rauf und sich alles ansehen.

In Vimmerby – wo Astrid Lindgren gelebt hat – gibt es einen großen, ihr gewidmeten Park. Der Eintritt ist teuer, und eigentlich ist es eher ein großes Vergnügungsdingsbums. Nichts für uns.
Wenn wir schon in Smoland unterwegs sind, dann war klar, dass wir auch irgendwas in Richtung Lönneberga unternehmen müssen. Aus dem Vorhaben, uns am Ortsschild zu fotografieren, wurde das Vorhaben, doch einfach auf den Katthult-Hof zu fahren. Ich hatte gelesen, dass das möglich ist.

Auf dem Parkplatz stehen fast nur Autos mit deutschen Kennzeichen. Kein Wunder: Michel läuft regelmäßig Ostern und Weihnachten im ZDF. Gerade erst lief die Serie wieder mal im Sonntagmorgenprogramm.
In Schweden heißt Michel übrigens Emil. In Deutschland hat man sich wegen Erich Kästners “Emil und die Detektive” einst für eine Umbenennung entschieden.

Auf dem Hof sieht tatsächlich alles aus wie im Film. Die Bewohner haben weitgehend alles so belassen wie zu den Filmdrehzeiten. Irgendwie ist es schon rührend, vor dem Haus zu stehen, in dem die Svenssons gelebt haben. Im Vorgarten steht der Fahnenmast mit der schwedischen Fahne, an dem einst die kleine Ida hing.
Das Haus selbst kann nicht besichtigt werden. Dort leben die Betreiber des Hofes, und im Haus ist auch nicht gedreht worden. Die Innenaufnahmen entstanden in der Volkshochschule in Mariannelund, ein paar Kilometer weiter.
Läuft man ein paar Schritte weiter, kommt man aber schon zu dem Gatter, an dem einst Michel das Geld eintrieb, wenn Kutschen durchfahren wollten.
Gegenüber des Hauses ist auch der Schuppen, in den Michel musste, wenn er wieder Mist gebaut hat – und in dem er die vielen Holzfiguren geschnitzt hat. Die entsprechenden Szenen entstanden auch in dieser Hütte, und man kann sich sowohl die Schnitzutensilien als sich Schnitzereien ansehen.

Ein paar Schritte weiter steht das Häuschen, in dem Knecht Alfred lebte. Auch dort wurde original gedreht. Zu sehen ist noch ein kleine Holzbett, in dem Alfred schlief. Auch die Küche mit dem kleinen Herd war Originalkulisse.
Weiter hinten auf dem Hof ist noch das Plumpsklo, ein Hühnerstall und eine Erdkammer – der Vorläufer vom elektrischen Kühlschrank.

Auch ein kleiner Hofladen gehört dazu. Das ist legitim, ein bisschen Geld muss ja reinkommen – auch als Gegenwert dafür, dass jeden Tag stundenlang fremde Leute auf dem eigenen Hof rumspazieren.

Es ist ein Ausflug in das alte Schweden, den man auf den Katthult-Hof macht. Aber es ist auch Nostalgie, denn Michel begleitet inzwischen ganze Generationen von Menschen – und ist und bleibt Kult. Die pure Bewahrung dieser Stätte ohne rummeligem Schnickschnack ist das Beste, was die Betreiber machen konnten.

RTelenovela

WM-Tipps 2018: Achtelfinale

Samstag, den 30. Juni 2018
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Weiter geht’s! Im Tippspiel zwischen Thommi und mir führe ausnahmsweise mal ich. Es steht nach der Vorrunde 34:32 für mich. Ich habe damit genau so viele Punkte wie bei der WM 2014, Thommi drei weniger als vor vier Jahren.

Und jetzt kommt das Achtelfinale. Ohne Deutschland.
Getippt wird das Ergebnis nach 90 Minuten – und dann der weitere Verlauf, also das Endergebnis. Im Fall eines Unentschieden gibt es also im besten Fall doppelte Punktzahl.

SA 30.06.2018
Frankreich 1:2 Argentinien
Uruguay 1:3 Portugal

SO 01.07.2018
Spanien 2:0 Russland
Kroatien 2:1 Dänemark

MO 02.07.2018
Brasilien 1:1 Mexiko -> 2:1 n.V.
Belgien 1:0 Japan

DI 03.07.2018
Schweden 2:1 Schweiz
Kolumbien 1:1 England -> 1:2 n.V.

RTZapper

10 vor 11: Jeder Zirkus hat ein Ende

Freitag, den 29. Juni 2018
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MO 25.06.2018 | 0.30 Uhr (Di.) | RTL

Der Geist der Bienen.
Der dreißigjährige Krieg.
Ein Dämon namens atomare Gewalt.
Schirachs Tabu.
Die Erde vor Milliarden Jahren.
Die Pyramiden, eines der sieben Weltwunder.
Die Teleskope von Hawaii.
Der Propeller der Saturnmonde.
Jesus und Pilatus.
Der Kampf der Wagen und Gesänge.
Leibnitz und die Mathematik der Schlangen.

Das sind alles Titel von ausgestrahlten Kultursendungen. Und erstaunlicherweise liefen sie nicht bei arte oder 3sat – sondern bei RTL. Seit 1989 gab es jeden Montagabend das Magazin “10 vor 11”. Dort beschäftigte sich Alexander Kluge eine gute halbe Stunde lang mit nicht immer ganz leicht verdaulichen Themen. drei Jahrzehnte Hochkultur auf dem Privatsender, auf dem sonst Bauern Frauen suchen oder Familien im Brennpunkt sind.

Bei RTL hätte man auch ein bisschen stolz sein können, dass solche hochkulturellen – und manchmal auch durchaus bekloppten – Sendungen laufen, wenn auch im Nachtprogramm. Aber RTL strahlte “10 vor 11” nie freiwillig aus. Stattdessen lief die Sendung über als Drittsendeformat. Unter dem Namen dctp hatte Alexander Kluge seit Ende der 80er das Recht, bestimmte Sendezeiten von RTL zu besetzen – eine Besonderheit im deutschen Medienrecht. Sender oder Sendergruppen, die mehr als zehn Prozent Marktanteil erreichen, müssen bestimmte Sendezeiten an Fremdanbieter abgeben. Wegen der Meinungsvielfalt. Am 1. Juli 2018 beginnt eine neue Lizenzperiode, und nach 30 Jahren hat dctp diese Lizenz verloren.

Mit einer 90 Minuten langen Abschiedssendung verabschiedete sich “10 vor 11” am sehr späten Montagabend von den wenigen RTL-Zuschauern: Jeder Zirkus hat ein Ende. Stattdessen laufen ab nächsten Montag gefälligere Reportagen von neuen Fremdlizenz-Inhabern. Ein bisschen schade ist das schon. Aber andererseits – wie oft hast du eigentlich dieses Magazin in den vergangenen Jahrzehnten gesehen?

RT liest

Thomas Geigenmüller: Das ziemlich lebendige Leben des vermeintlich toten Elvis

Freitag, den 29. Juni 2018

Elvis lebt. Wenn du denkst, dass Elvis Presley seit mehr als 40 Jahren tot ist – dann vergiss es nun endlich mal. Tobias Geigenmüller beschreibt in seinem Roman “Das ziemlich lebendige Leben des vermeintlich toten Elvis”.

Als am 17. August 1977 Elvis Presley stirbt… also, als die Leute denken, dass Elvis gestorben ist, da geht es dem Rockstar in Wirklichkeit ziemlich gut. Der King of Rock ‘n’ Roll hat stattdessen endlich die Gelegenheit, ein neues Leben zu führen. Oder ständig von Leuten verfolgt und angesprochen zu werden. Doch dieses Leben muss erst mal in die richtigen Bahnen gelenkt werden.
Elvis versucht es tatsächlich zunächst als Elvis-Imitator, was natürlich absurd ist, wie er auch selber einsehen muss. Er versucht es als Drehbuchautor, er hat auch einige spannende Stoffe, die er seiner Priscilla anbietet. Die lehnt aber ab – schließlich will sie bald “Die nackte Kanone” drehen. Er geht 1989 nach Leipzig, wo er die Montagsdemonstrationen miterlebt. Und er muss sich mit seiner Tochter Lisa Marie rumschlagen, die sich in einen gewissen Michael Jackson verliebt.

“Das ziemlich lebendige Leben des vermeintlich toten Elvis” von Thomas Geigenmüller lebt von einer Idee, die manche Leute ja gar nicht so abwegig finden: dass Elvis Preslex im Untergrund lebt. Der Roman beginnt leider ein bisschen einfallslos, es braucht ein bisschen, bis man als Leser seinen Spaß hat. Nämlich dann, wenn der Autor wahre Ereignisse aufgreift und sie in den Elvis-Zusammenhang bringt. So zofft sich Elvis in Leipzig mit David Hasselhoff, der unbedingt an der Mauer singen will. Oder er operiert Michael Jackson Nase in den Eimer.
Es ist durchaus witzig zu lesen, welche Theorien sich der Autor überlegt hat, wo Elvis überall seine Hand im Spiel haben könnte.

Thomas Geigenmüller: Das ziemlich lebendige Leben des vermeintlich toten Elvis
Rowohlt Berlin, 255 Seiten
7/10

RTZapper

ZDF Sport extra: Tennis-ATP-Turnier – Finale

Freitag, den 29. Juni 2018
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SO 24.06.2018 | 13.00 Uhr | zdf info

Als der Schweizer Roger Federer vom Kroaten Borna Coric besiegt worden ist, lief das auch im deutschen Fernsehen. Immerhin handelte es sich um das Finale beim ATP-Tennisturnier in Halle in Westfalen.

Nachdem das ZDF am Sonnabend immerhin gute zwei Stunden seines kostbaren Mittagsprogramms freigeräumt hat, sah man sich dazu am Sonntag leider nicht mehr dazu in der Lage. Das Finale lief am Nachmittag stattdessen beim Spartenkanal zdf info.
Im Hauptprogramm gab es keine Möglichkeit dazu. Weder konnte man sich mit dem Veranstalter absprechen, dass das Finale eventuell eine Stunde später beginnen kann. Auch dass der “ZDF-Fernsehgarten” mal eine Stunde früher beginnt, war unmöglich. Die Wiederholung des Films “Zwei mitten im Leben” von 2014 war bedauerlicherweise auch nicht verschiebbar.

Somit war die Abschiebung der Live-Übertragung vom Finale zu zdf info scheinbar unabdingbar.
Sicherlich, wer sich für Tennis interessiert, hat die Sendung auch bei zdf info gefunden. Aber es hat auch ein bisschen was mit Wertschätzung zu tun, ob eine solche Übertragung im großen Hauptprogramm gezeigt wird oder im Minisender.

RTelenovela

Schweden (6): Stockholm und seine Restaurangs

Freitag, den 29. Juni 2018
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(5) -> 28.6.2018

Gute Seiten, schlechte Seiten. Das ist kein Ableger der ähnlich klingenden RTL-Soap, sondern meine Einschätzung von Stockholm. Auf unserer Schweden-Tour hatten wir zwei volle Tage in der Hauptstadt.
Wirklich sehenswert ist die Gamla Staden – die Altstadt. Es gibt nahe einer Kirche viele schmale Gassen. Diverse Geschäfte mit Klamotten, Eisläden, Gaststätten, Bars und vieles mehr. In einer Seitenstraße ist eine deutsche Kirchengemeinde, in der es regelmäßig deutschsprachige Gottesdienste und andere Veranstaltungen gibt.
Aber auch so versteht man hier und da die Schweden ganz gut. Viele Wörter klingen, wenn man sich ein bisschen konzentriert ähnlich wie im Deutschen oder Englischen. Restaurang – ohne Hemmungen werden Fremdwörter umgeschrieben, so dass es passt.

Interessant ist auch der Besuch des Rathauses. Dort können Besucher auf einen Turm steigen – mit einer Mischung aus schmalen Treppen und langen Gängen rund um den Turm – und einen Blick auf die Stadt werfen.
Nicht nur von oben kann man aber auch sehen, wie die Stadt zugebaut worden ist. Besonders die vielen Autotrassen auf Brücken zerschneiden die Stadt und machen sie an diesen Stellen leider auch nicht gerade schön. Riesige Betonungetüme stehen da in der Gegend rum – hinzu kommt noch ein riesiger Klotz namens Hauptbahnhof.

Stockholm hat auch viel Wasser. Fährt man mit einer der Boote oder Fähren, kann man sich die alte, großen Häuser am Flussufern ansehen. Oder den Vergnügungspark, in dem sich viele halsbrecherische Attraktionen befinden, die ich nie betreten würde.
Vermutlich gäbe es noch viel mehr in Stockholm zu entdecken – dafür sind 48 Stunden einfach zu wenig.

RTZapper

FIFA-Fotbolls-VM 2018: Tyskland – Sverige

Donnerstag, den 28. Juni 2018
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SA 23.06.2018 | 19.50 Uhr | TV4

Deutschlands zurückgebliebene Machos kriegen sich gar nicht mehr ein, wenn im ZDF bei der Fußball-WM eine Frau das Spiel kommentiert. Claudia Neumann muss sich immer noch widerliche, wüste Beschimpfungen anhören, wenn sie auf Sendung geht.
Die Schweden sind da viel weiter, und sie machen das ganz clever.

Am Sonnabend ist dort das Fußball-WM-Spiel zwischen Deutschland und Schweden übertragen worden. Für den Sender TV4 kommentierten ein Mann und eine Frau das Spiel. Sie wechselten sich immer ab oder analysierten auch im Zusammenspiel das Geschehen – ähnlich wie bei uns während der Radioübertragungen.
In Schweden scheint das normal zu sein, dass die Männer beim Fußball nicht alleine das Sagen haben. Zumal es übrigens auch ziemlich erfrischend sein kann, wenn über mehr als 90 Minuten nicht nur eine Person so ein Spiel kommentiert.
Vielleicht wäre das für Deutschland auch mal eine Überlegung wert, dass man ein Zweierteam ans Mikro lässt. Im Radio bringt das auch immer mal wieder Abwechslung.