Tagesarchiv für 8. Mai 2018

RTelenovela

Portugal (17): 50 Cent eingesackt

Dienstag, den 8. Mai 2018
Tags: , , ,

(16) -> 17.11.2014

Rückkehr nach Lissabon. In dieser Woche kommen besonders viele Touristen in die portugiesische Hauptstadt – der Eurovision Song Contest hat seine Zelte in der Stadt aufgeschlagen.
Der Empfangsbereich auf dem Flughafen ist voll mit Schildern, auf denen Namen stehen von Menschen, die abgeholt werden sollen. Draußen, vor dem Gebäude, hängt ein riesiger Banner, der auf den ESC hinweist.

Wer mit einem Großraumtaxi vom Airport in die Alfama gebracht wird, der kann zwar auch so sitzen, dass er rückwärts fährt, er sollte aber in der Zeit keine Nachrichten auf dem Handy lesen. Unser Fahrer rast ziemlich, durch die Kreisverkehre, und immer wieder bremst er scharf. An einer Stelle muss er eine Kehrtwende machen, und ich lese eine wichtige Nachricht. Schlagartig wird mir schummrig – wie ein Blitz. Ich lege das Handy und weg und starre nach draußen. Das flaue Gefühl endet erst, als wir aussteigen.

Wir wohnen direkt an der Strecke, auf der die berühmte Straßenbahnlinie 28E fährt, die Electrico. Aber diesmal – es bleibt alles ruhig. Keine Bahn kommt vorbei gezuckelt. Die Gleise sehen unbenutzt aus. Lissabon wird doch wohl nicht den Bahnverkehr auf der Linie eingestellt haben. Sind die wahnsinnig?
Bauarbeiten sind des Rätsels Lösung, die Strecke ist in dem Bereich, wo wir wohnen, unterbrochen. Schade für uns.

Wir müssen ein bisschen was einkaufen – unweit von uns gibt es einen größeren Supermarkt. Ich schiebe 50 Cent in den Einkaufswagen, und es kann losgehen.
Vorne im Eingangsbereich steht immer ein Polizist und eine Art Wachmann. Als wir alles bezahlen, stehe ich etwas abseits, und der Wachmann greift sich den Wagen und schiebt ihn zu den anderen. Ich beobachte ihn. Er guckt, schließt den Wagen an, greift sich die 50 Cent, schiebt sie sich fast unbemerkt in die Hose. Dann nimmt er den Wagen wieder und schiebt ihn zu einer anderen Kasse – warum auch immer. Unsere 50 Cent hat er sich jedenfalls eingesackt. Aber zum letzten Mal…

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Der Entertainer

Dienstag, den 8. Mai 2018
Tags: ,

SO 06.05.2018 | Berlin, Theater am Kurfürstendamm

Man merkt deutlich die Wehmut der Menschen. Dieser Mai ist der letzte Monat, bevor das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm schließen und abgerissen werden. Noch einmal laufen die Besucher durch das Foyer. Mehr als werden Fotos geschossen. Vom großen Kronleuchter im Saal. Von den Stuhlreihen, der Bühne, von den Logen, von der Bar im Vorraum, von den Kassenhäuschen, an dem noch ein alter Aufkleber der BZ klebt, auf die die Rettung der Kudamm-Bühnen gefordert wird.

“Der Entertainer” war das letzte klassische Theaterstück im Theater am Kurfürstendamm, und am Sonntag wurde es letztmalig aufgeführt. Ursprünglich war es sogar überhaupt der letzte Akt im Theater – aber später kamen dann noch ein paar Tage Gastspiel mit Gayle Tufts hinzu.
Umso erstaunlicher ist es, dass der Saal am Sonntagabend fast leer war. Nur ein Bruchteil der Stühle waren besetzt. Ein bisschen mehr Interesse und Rückhalt wäre schön gewesen.

Aber vielleicht lag es auch am etwas sperrigen Stück “Der Entertainer”. Eigentlich ein Klassiker, es hat schon Harald Juhnke auf dieser Bühne gespielt. Peter Lohmeyer steht auf einer fast leeren Bühne. Sein Theater steht kurz vor dem Abriss. Als er davon erzählt, wirkt es, als spräche er von diesem Theater. Das passt, und das ist fast schon ein bisschen beklemmend.
Es geht um einen gescheiterten Mann, beruflich und familiär. Allerdings geht es im 2. Teil fast nur um die Familie – und das ist leider ein wenig langweilig. Zumal der Cast größtenteils nur als Hologramme auftreten. Nette Idee, aber auch befremdlich.
Nach 35 Minuten soll die ersten Pause beginnen, und plötzlich spricht Peter Lohmeyer offenbar als Peter Lohmeyer zum Publikum. Angeblich sei eine unpassende Szene gestrichen worden, und jetzt müsse er die Zeit füllen – denn Pause nach 35 Minuten sei nicht so toll. Vielleicht gehörte es aber auch zum Stück, wer weiß das schon so genau.

Am Ende des Stückes gilt der Applaus deshalb auch dem Saal, in dem das alles stattfand, und dass da nicht noch ein paar Worte gefunden worden sind, ist schade.
Viele verweilen danach noch kurz im Saal, im Foyer, in den Logen, vor dem Theater. Noch mal gucken – bevor alles weg ist.