Tagesarchiv für 3. Mai 2018

aRTikel

Neun Monate Dauerflut

Donnerstag, den 3. Mai 2018
Tags: ,

Hochwasser auf dem Grundstück von Günter und Gudrun Rohr unweit des Hörstegrabens in Schwante – jetzt können sie erstmals durchatmen

MAZ Oranienburg, 3.5.2018

Schwante.
Monatelang fühlte sich Familie Rohr, als würde sie auf einer Insel leben. Erst vor ein paar Tagen konnte Günter Rohr die Schläuche zum Trocknen aufhängen, davor waren sie im Dauereinsatz. Ihr Grundstück befindet sich am Rand von Schwante, unweit des Hörstegrabens. Nach Starkregenfällen war es immer mal wieder vorgekommen, dass der Graben überlief und sich das Wasser im Garten der Familie ausbreitete. Doch nach dem Jahrhundertregen am 29. Juni war alles anders.
„Da stand hier alles einen Meter unter Wasser“, erinnert sich Günter Rohr. Bis ins Haus drang es glücklicherweise nicht ein – eine Stufe fehlt aber nur noch. Die Feuerwehr musste kommen, beim Abpumpen helfen, aber beim nächsten Regen war die Situation dieselbe. „Seitdem stand das Wasser permanent. Der Graben läuft dieses Jahr nicht ab, irgendwo muss da ein Stau sein.“
Normalerweise habe der Hörstegraben immer nur kurze Hochwasser-Phasen, aber diesmal dauert sie schon zehn Monate an. Bei Familie Rohr ist das Wasser zwar nun abgelaufen, feucht ist die Wiese aber immer noch.
Damit nicht genug: Büsche und Sträucher sterben ab, die Wurzeln faulen weg. Die Hecke ist schon eingegangen. „Wir haben im Garten alles neu gemacht, irgendwann muss man ja mal damit anfangen.“ Inzwischen ist die Feuchtigkeit auch im Haus angekommen, eine Wand im Wohnzimmer ist nass, im Flur sind die ersten Schimmelflecken zu sehen. „Ob ich das jemals trocken bekomme, weiß ich nicht“, sagte Günter Rohr.

Schon seit 1944 wohnt der 74-Jährige auf diesem Grundstück, 1964 hat er sich gemeinsamen mit seiner Frau Gudrun das Haus gebaut, in dem sie bis heute wohnen. So etwas aber haben sie noch nie erlebt. Für die Wasserschäden will Günter Rohr nicht seine Versicherung beanspruchen – aus Angst, dass er gekündigt wird.
Als im vergangenen Herbst zusätzlich beim Sturm auch noch das Garagendach abgedeckt wurde, sprang die Versicherung aber ein. Wie hoch die Stromrechnung vom permanenten Pumpen diesmal ausfallen wird, weiß er nicht.

Hilfe von der Gemeinde Oberkrämer möchte er nicht – aber indirekt schon: „Mit dem Graben muss etwas geschehen“ , sagt er. An einigen Stellen ist der Hörstegraben schon halb zugewachsen, ein vernünftiger Abschluss ist nicht gesichert – das Wasser staut sich.

Dass es so nicht weitergehen kann, weiß man auch in der Gemeindeverwaltung. In der jüngsten Gemeindevertretersitzung hatte Bürgermeister Peter Leys über das Grabenproblem gesprochen. Wie er erklärte, wird unter anderem überlegt, das Wasser, das aus Bärenklau über Vehlefanz nach Schwante kommt, umzuleiten – also an Vehlefanz und Schwante vorbei. Ob das aber auch für Günter und Gudrun Rohr Vorteile bringt, ist unklar. „Dann kommt das ja direkt bei mir an“, befürchtet er.

RT liest

Lucy Clarke: Die Bucht, die im Mondlicht versank

Donnerstag, den 3. Mai 2018

Wir müssen mal kurz über Buchtitel reden.
Die Bücher von Lucy Clarke bringt der Piper-Verlag immer in sehr ähnlichen Aufmachungen heraus – und gibt ihnen nichtssagend-romantische Titel, auf die Frauen wohl total abfahren, wie man beim Verlag vielleicht denkt.
“Die Bucht, die im Mondlicht versank” heißt dieser Roman. Im Original: “Last seen”. Passt sehr viel besser. Aber der deutsche Titel reiht sich ein: “Der Sommer, in dem es zu schneien begann”. “Das Haus, das in den Wellen verschwand”. Und so weiter. Gruselig, aber es scheint ja zu funktionieren.

Es ist ein schicksalhafter Tag. Jacob feiert seinen 17. Geburtstag. Aber es ist auch der Todestag seines besten Freundes Marley. Vor sieben Jahren waren sie gemeinsam schwimmen – doch Marley kehrte nicht wieder ans Ufer zurück, er war ertrunken.
Ihre Mütter Sarah und Isla stehen sich sehr nahe, aber dieses Unglück war eine echte Zerreißprobe.
Dann aber verschwindet Jacob. Zuletzt ist er auf einem Boot gesehen worden, und am Strand wurden seine Sachen gefunden. Ist auch Jacob ertrunken? Keiner weiß was, alle tappen sie im Dunkeln.
Aber nach und nach kommt ans Licht, was in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten verschwiegen worden ist. Schwere Zeiten für alle.

Mit mehr als 400 Seiten ist die Geschichte schon ziemlich aufgebläht, und Lucy Clarke verwendet viel Zeit darauf, seitenweise leere Blasen zu verteilen. Gerade am Anfang und in der Mitte hätte der Roman ziemlich gerafft werden können, da plätschert alles ein wenig dahin. Auch wenn man eine gewisse Grundspannung nicht verleugnen kann. Immerhin geht es ja darum, dass ein Junge verschwunden ist. Aber es geht eben auch um eine Frauenfreundschaft, um Männer, die immer wieder eine Rolle spielen, ums Fremdgehen – also viel Herzschmerz.
Gegen Ende zieht aber die Spannung zum Glück noch mal ordentlich an, wenn die Geschichte auf einen Höhepunkt zustrebt. Dann will man durchaus wissen, was da eigentlich los ist und wie das zu Ende geht. Letztlich also durchaus gut.

Lucy Clarke: Die Bucht, die im Mondlicht versank
Piper, 410 Seiten
7/10

RTZapper

Tatort: Weil sie böse sind

Donnerstag, den 3. Mai 2018
Tags: , , , ,

DI 01.05.2018 | 21.45 Uhr | hr fernsehen

Wieder mal große Aufregung um die ach so einfallslose öffentlich-rechtliche ARD: Am Maifeiertag liefen in den verschiedenen Dritten Programme gleich acht “Tatort”-Filme, davon fünf mehr oder weniger parallel – im hr fernsehen, im WDR, im NDR, im BR-Fernsehen und im rbb. Au weia.
In den Internetforen tönte es wieder: Und dafür zahlen wir Gebühren! Die Anti-Gebühren-Trolle hatten mal wieder Schnappatmung.

Dabei sollte die Frage lauten: na und?
Im Grunde ist der “Tatort” doch bloß eine Marke, hinter der sich die verschiedensten Serien befinden. Der WDR zeigte einen Fall aus Köln, der hr mit “Weil sie böse sind” einen aus Frankfurt/Main, der rbb einen aus Berlin, der NDR einen aus Münster, der BR einen aus München (aus den 70ern!).
Was also ist so aufregend und dramatisch schlimm daran, wenn auf verschiedenen Sendern diese Krimis laufen, meistens sogar regional passend im regionalen Dritten?

Würden die Dritten stattdessen an einem Abend, wo im ZDF die quotenstarke Champions League mit dem FC Bayern München übertragen wird, aufwendige eigene und erstausgestrahlte Shows senden, wäre das auch nicht recht. Mal wird gemeckert, wenn die Sender klotzen, mal wird gemeckert, wenn die Sender sparen. Die Hater wissen irgendwie auch nicht, was sie denn eigentlich wollen.
Die Parallelausstrahlung von mehreren sehr unterschiedlichen “Tatort”-Reihen sollte nichts sein, was uns aufregt. Da gibt es bei ARD und Co. ganz andere Baustellen!