Monatsarchiv für Mai 2018

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Letzter Vorhang für die Komödie am Kurfürstendamm

Montag, den 28. Mai 2018
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SO 27.05.2018 | Berlin, Komödie am Kurfürstendamm

Das war’s. Letzter Vorhang. Die Komödie am Kurfürstendamm ist Geschichte. Sie wird abgerissen – wie auch das Theater nebenan, das aber immerhin und höchstwahrscheinlich ein Comeback erleben wird.

Sonntagnachmittag in Berlin-Charlottenburg. Vor der Komödie ist ein großer Menschenauflauf. Alle stehen sie da, erzählen und gucken. Auf das Theater. Soll es das wirklich gewesen sein? Fast 100 Jahre Berliner Kulturgeschichte? Einfach weg damit?
Ja, in Berlin geht so was. In Berlin schmeißt man Geschichte einfach in den Müll, reißt sie gnadenlos ab. Denkmalschutz? Wozu braucht man denn so was?

Einige Prominente schauen auch noch mal vorbei. Ilja Richter ist oft in den beiden Theatern aufgetreten. Auch Tanja Wedhorn in den vergangenen Jahren. Dominic Raake ist ebenfalls da – und einige andere mehr. Alle nehmen sie Abschied von dieser Kulturstätte.
Ja, es ist “nur” Boulevard. Es ist keine Hochkultur, die da geboten wurde. Aber wer bestimmt eigentlich, was gute Kultur ist und was nicht? Brauchte und braucht es nicht immer relativ leichte Unterhaltung? Wobei Theater und Komödie am Kurfürstendamm auch durchaus ernte Stücke im Programm hatten.

Der Saal füllte sich – ausverkauft. Die Spannung, die Wehmut war greifbar. Theaterchef Martin Woelffer kommt auf die Bühne und kündigt die allerletzte Vorstellung an. Und lässt erst mal ein Foto machen. Damals, als die Komödie eröffnet worden ist, wurde zur ersten Vorstellung ein Foto gemacht. Jetzt sollte sich der Kreis schließen – mit einem Foto des Abschiedpublikums – von uns.

Das letzte Stück im alten Haus: “Der Raub der Sabinerinnen”, in einer Inszenierung von Katharina Thalbach. Es geht um einen Professor, der als Jugendlicher eine Römertragödie geschrieben hat. Theaterdirektor Striese kann ihn überreden, das Stück zur Aufführung zu bringen. Das klappt – aber er will anonym bleiben. Was schwierig ist, denn die Frau des Professors kommt viel zu früh vom Ostseeausflug zurück.
Es ist ein Hommage ans Theater – und mit Katharina Thalbach als Hauptdarstellerin ein toller Abend.

Und dann ist es vorbei. Applaus. Alle stehen auf. Die Schauspieler verbeugen sich. Es ist der Applaus für das Stück – aber auch für das Theater, für das Ende einer Ära. Viele Leute haben Tränen in den Augen, denn eigentlich ist das gerade ein sehr trauriger Moment.
Martin Woelffer und und sein Vater Jürgen Wölffer kommen auf die Bühne – sprechen Worte des Abschiedes.
Für die Theaterleiter ist das vermutlich der bitterste Moment. Sie konnten die Kudamm-Bühnen nicht retten. Nur ein Theater wird im neuen Gebäude, das dort entstehen soll, errichtet. So lange geht’s ins Schillertheater.

Martin Woelffer bittet die Leute, noch mal an die vielen Menschen zu denken, die dort aufgetreten sind, die dort gearbeitet haben. Es wird ein Abschiedssong eingespielt, vorn wird ein Plakat aufgezogen, das das Bild zeigt, was am allerersten Vorstellungstag gemacht worden ist. Alle Leute im Saal stehen noch immer. Alle sind still, lauschen dem Lied, machen sich Gedanken, es fließen Tränen.
Ich denke an den 12. April 1999. Damals war ich das erste Mal in den Kudamm-Bühnen. Nebenan, im Theater, trat Mary auf. Es war ein beeindruckender Abend. Danach war ich relativ oft in einem der beiden Stätten. Ich erlebte dort die phantastische Judy Winter in “Spätlese”, diverse andere Stücke, Comedyshows mit Desiree Nick, Bastian Pastewka und Oliver Kalkofe. Ich war dort, im Theater, keinen Kilometer entfernt von dem Ort, wo der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt passierte. Aber meistens waren es eben gute Zeiten.

Die Musik war zu Ende. Dann wieder Applaus. Langer Applaus. Der Vorhang geht zu. Das war’s dann wirklich. Ende.
Der letzte Weg ins Foyer. Zum Abschied noch eine Wiener. Eine Himbeer-Bowle. Und dann raus, in den lauen Sommerabend. Ein letzter Blick vom Kudamm aus auf den Eingang der Komödie.
Und Abgang.

KeineWochenShow

#73 – Mit besten Grüßen

Sonntag, den 27. Mai 2018
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Es gibt auch in Folge 73 von KeineWochenShow wieder eine echte Premiere. Denn das Probierbier in dieser Folge ging an der Gartentür. Ein Zuschauer unserer Sendung hat die Flasche dort – nebst Kärtchen und “Mit besten Grüßen” dort hinterlassen.

Ansonsten feiern wir den DFB-Pokal-Sieg von Eintracht Frankfurt und den Turniersieg von Tennisspieler Rudi Molleker aus Oranienburg. Wir wundern uns, dass Sascha Hehn jetzt erst aufgefallen ist, dass das Niveau auf dem “Traumschiff” ziemlich gesunken ist. Wir freuen uns mit den Neuruppinern, dass sie vom Bombenalarm verschont blieben.
Wir nehmen Abschied von Radiostar Jürgen Jürgens und vom Berliner Theater am Kurfürstendamm.

Das und mehr in Folge #73 von KeineWochenShow auf YouTube.

RTelenovela

Wiedersehen auf dem Dorffest

Sonntag, den 27. Mai 2018
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Eigentlich sollte der Besuch des Dorffestes in Zehlendorf nur eine berufliche Stippvisite werden: Einmal über das Gelände laufen, ein Foto machen und wieder weg. Doch manchmal kommt es anders.

Als mich einer der Veranstalter angesprochen und mir erzählt hat, was es mit diesem Fest auf sich hat, da war schon klar: Mit nur einem Foto wird das hier nichts. Und während ich mit Leuten einer Bürgerinitiative sprach, die dort einen Stand betrieben, tippte mir plötzlich von hinten jemand an die Schulter: Es war eine Klassenkameradin, die ich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen habe. Und sie hatte eine weitere Klassenkameradin im Schlepptau.
Klar, nun gab’s einiges zu erzählen, und während wir da standen, stand schon das nächste bekannte Gesicht vor mir. Er war mit Freunden da, die ich auch gut kenne. Und schon gab es einen Grund, mich auch da für ein paar Minuten an den Tisch zu setzen.

Dann noch ein Becher Cola und einen kleinen Imbiss mit Spargel und Schnitzel – und so wurde aus einer Stippvisite ein fast zweieinhalbstündiger Besuch des Festes.

RTZapper

Das große Promi-Flaschendrehen

Samstag, den 26. Mai 2018
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FR 25.05.2018 | 20.15 Uhr | Sat.1

Flotter Dreier. Gnihihi! Da denkt man doch gleich an, na, du weißt schon! Ein bisschen schlüpfrig sollte es sein, “Das große Promi-Flaschendrehen”, am Freitagabend auf Sat.1.
Denn, seien wir mal ehrlich: Wenn wir früher Flaschendrehen gespielt haben – dann war das immer mal wieder ziemlich schlüpfig. Stichwort: Wahrheit oder Pflicht? Wahrheit: Hast du schon mal geküsst? Pflicht: Gib XY einen dicken Kuss! Da hat man immer gehofft, dass die Flasche nicht vor einem selbst stoppte.

Nun machen das also Promis bei Sat.1 – mehr als zweieinhalb Stunden lang. Die Schlüpfrigkeit diese Shows besteht darin, dass die Spiele “Flotter Dreier” oder “Doggy Style” heißen. Das ist dann aber auch schon das Lustigste an dieser Veranstaltung. Stattdessen muss Wigald Boning Schlager singen, während er in einem Auto durchgeschüttelt wird. Oder Ruth Moschner muss irgendwelche Begriffe raten. Warum sie das alles machen müssen, bleibt im Nebel – aber andererseits: Wir haben damals ja auch Flaschendrehen nur aus Spaß an der Freude gespielt. Und eben wegen der schlüpfrigen Momente. Selbst zu spielen war aber wesentlich spannender als das Promi-Gedöns bei Sat.1 zu verfolgen.

RTelenovela

Hausnummernbesetzung

Samstag, den 26. Mai 2018
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Auch in Oranienburg wird die Wohnungsnot für bestimmte Gruppen offenbar immer größer. Was bisher kaum jemand wusste: Auch dort scheint sich eine Hausnummernbesetzerszene zu entwickeln. Sie kommen und entdecken leerstehende Hausnummern. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, beziehen sie dann diese Hausnummern, sie richten sich ein, sie werden heimisch und wohnen dann dort. Und in dem Moment, wo es jemand merkt, dann ist es im Grunde zu spät. Dann ist es schwierig, die Hausnummernbesetzer wieder loszuwerden. Denn wenn die erst mal da sind, dann gehen sie so schnell nicht mehr.

Zum Beispiel an einem Neubaublock im Oranienburger Bahnhofsviertel. Auf beleuchteten Schild mit der 1c ist ein Vogelnest zu sehen – und darauf sitzt ein Vogel und macht große Augen. Das Tier sieht irgendwie angestrengt aus, vielleicht hat es Angst, vertrieben zu werden, aber eigentlich bin ich nur der Beobachter, der zufällig diese Hausnummernbesetzung entdeckt hat.
Vermutlich wird es an der 1c keinen Polizeieinsatz geben, weshalb die städtische Hausnummernbesetzerszene vorerst unbehelligt bleibt.

RTelenovela

Zahnarzt (41): Der Wechsel

Freitag, den 25. Mai 2018
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(40) -> 29.9.2017

Mehr als zehn Jahre lang war ich bei meiner aktuellen Stammzahnärztin. Bald geht sie in den Ruhestand, und schon jetzt ist sie nur noch an zwei Tagen in der Woche in ihrer Praxis. Der Abschied nahte also sowieso.
Neulich musste ich wegen eines kleinen Notfalls in die Praxis, vor meinem Urlaub hatte ich eine Entzündung, die ich schnell wieder loswerden musste. Schon da musste ich zu einer anderen Zahnärztin in dieser Praxis.

Nun musste ich wegen eines Loches hin, und ich hatte die Wahl. Lange auf einen Termin bei meiner Zahnärztin warten. Oder schneller drankommen, dann aber schon bei der “neuen”.
Lange warten kam nicht in Frage, und so wurde mir der Wechsel quasi vorzeitig abgenommen. Und lustigerweise weiß ich nicht mal, wie die Ärztin heißt, auch nach dem zweiten Mal nicht – da auch der Stempel im Bonusheft nur auf den Praxisleiter hinweist.
Vielleicht sollte ich die Ärztin nächstes Mal einfach fragen, wie sie heißt…

aRTikel

Vom Anschieber zum ewigen Helden

Mittwoch, den 23. Mai 2018
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Der Bob-Olympiasieger Kevin Kuske stellt sich in der Bötzower Grundschule den Fragen der Kinder – Gespräch ist Teil einer sportlichen Projektwoche

MAZ Oberhavel, 23.5.2018

Bötzow.
Die Kinder der Bötzower Grundschule hatten gestern Vormittag viele Fragen. Vor ihnen saß in der Turnhalle nämlich ein echter Sportstar: Mit vier Gold- und zwei Silbermedaillen ist er Deutschlands erfolgreichster Bobfahrer. Inzwischen hat der 39-Jährige seinen Sport aber aufgegeben – aus Altersgründen. Als Teil der Bötzower Projektwoche „Olympia ruft – mach mit!“ kam er gestern an die Grundschule, um sich den Fragen der Kinder zu stellen.

So erzählte er, dass es untypisch für einen Wintersportler gewesen sei, dass er in Potsdam trainiert habe. „Ich bin leidenschaftlicher Potsdamer und Brandenburger, ich bin nie in eine Wintersportregion gegangen“, erzählte er. Angefangen habe er als Kind in der Leichtathletik, schon mit vier Jahren trieb er regelmäßig Sport. Erst 1999/2000 sei er in den Bobsport gewechselt.
Wie schwer sei es, Bob zu fahren?, wollte ein Schüler wissen. „Schwer!“, antwortete Kevin Kuske. 200 Kilogramm wiege das Gerät. „Da braucht es ganz viele Monate Training.“ Mit mehr als Tempo 100 sei der Bob unterwegs, er war immer der Anschieber.
Wie es sei, Gold zu gewinnen?, so die Frage eines Mädchens. „Das ist das absolute Highlight“, antwortete der Ex-Bobfahrer. „Das ist das Allerschönste.“ Es sei sein Kindheitstraum gewesen, zu den Olympischen Spielen zu fahren. „Der olympische Gedanke war schon als Kind da, der ist zum Glück fünfmal eingetreten.“ Zur finanziellen Förderung des Bobsportes sagte er, dass diese ganz gut sei. „Uns könnte es besser gehen“, aber es sei schwierig, jede Sportart gleich zu fördern.

Auch berichtete Kevin Kuske von seinem neuestem Projekt, das im Herbst ansteht. Er nimmt teil an der vierten Staffel der Reihe „Ewige Helden“ bei Vox, die im Frühjahr 2019 ausgestrahlt werden soll. Darin müssen sich ehemalige Spitzensportler in verschiedenen Sportarten ausprobieren und sich gegenseitig messen lassen. „Dafür bin ich schon jeden Tag im Training“, erzählte er gestern den Kindern in Bötzow.

Wenn Kevin Kuske nicht Bobfahrer geworden wäre – was dann? Das war eine weitere Frage eines Schülers: „Lehrer!“, sagte er scherzhaft. Dann aber ernsthafter: „Vielleicht hätte ich mehr Basketball gespielt.“ Jetzt wolle er aber in den Trainerberuf, das mache ihm Spaß.

„Sehr informativ“, fand Jolina (11) die Fragestunde. „Seine Tattoos habe ich besonders bewundert“, sagte Sophie (12) danach. „Ich finde gut, dass er hergekommen ist.“ Tobias (10) strahlte: „Ich habe ein Autogramm, das ist cool!“ Ein Junge ließ sich sogar ein Autogramm auf seinen Arm geben.

„Ich bin momentan relativ viel in Schulen“, sagte Kevin Kuske später im kurzen MAZ-Gespräch. „Ich finde das immer schön, und die Kinder sind immer ziemlich aufgeregt. Ich gebe auch mal eine Frage zurück.“ Auch Schulleiterin Dorit Steinke war zufrieden. „Die Kinder haben sich die Fragen in Gruppen und auch zu Hause ausgedacht“, erzählte sie. Heute geht die Projektwoche in Bötzow weiter.