Tagesarchiv für 24. April 2018

RTZapper

Raus aus den Schulden – Promi-Spezial

Dienstag, den 24. April 2018
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MO 23.04.2018 | 20.15 Uhr | RTL

35.000 Euro hätte Naddel, die nicht mehr Naddel genannt werden möchte, auf Mallorca verdienen können. Eine Saison lang wäre sie zweimal pro Woche auf einer Party aufgetreten. Aber Nadja Abd el Farrag hatte leider keine Lust auf Mallorca. Da kennt sie doch keinen, und das für zwei Auftritte pro Woche. Was soll sie denn in der restlichen Zeit machen?
Kein Wunder, dass Peter Zwegat schon wieder zu Naddel-Nadja eilen musste, um mit ihr über ihre Schulden zu sprechen. Zwei Stunden lang in der RTL-Primetime ging es um die Schulden einer Frau, die man eigentlich nur noch bemitleiden kann.

Was bringt einen bloß zu, seine tiefgreifenden Lebensprobleme derart im Fernsehen auszubreiten. Einer breiten Öffentlichkeit vorzuführen, wie unfähig man ist, ein geregeltes Leben zu führen? Zu präsentieren, wie man einen Job nach dem anderen zu versemmeln? Wobei ja Nadja davon ausgeht, dass sie nie schuld hat an ihrer Situation.

Nervös wirkt sie, fahrig, ständig zappelt sie, greift sich ins Gesicht und in die Haare. Sie sieht schlecht aus, ihr Gesicht ist fleckig. Sie muss vor Zwegat den Alkoholtest machen, weil alle Welt denkt, sie saufe sich um ihr Leben. So wirkt sie leider. Das Atemalkoholgerät zeigt einen Wert von 0,0. Das ist hoffentlich nicht gefaked. Wäre Naddel Alkoholikerin, wäre ein Wert von 0,0 Promille undenkbar. Stattdessen hat sie eine Erwachsenen-ADHS. Muss man dann wohl glauben.

Die Sendung heißt zwar “Raus aus den Schulden”, aber so richtig schafft selbst Peter Zwegat das nicht. Ein wenig wirkt er, als verzweifele er an seiner prominenten Kundin. Wenn sie keinen Bock auf ihre Jobs hat (oder, ja, es wegen ihrer ADHS irgendwie nie so richtig hinbekommt), dann kann sie auch kein Geld in die Kasse bekommen.

Ob man das als Zuschauer eigentlich alles wissen will oder muss, sei mal dahin gestellt. Aber die Naddel-Schulden-Sause war ein ziemlich unangenehmer Sozialporno.

RT im Kino

Solange ich atme

Dienstag, den 24. April 2018

England, 1958: Robin Cavendish (Andrew Garfield) führt ein erfülltes Leben. Er hat Erfolg im Beruf, und mit Diane Blacker (Claire Foy) lernt er die Liebe seines Lebens kennen. Sie heiraten, Diane wird schwanger.
Doch von einer Sekunde zur nächsten ändert sich das Leben der Cavendishs radikal. Robin bricht zusammen und kommt ins Krankenhaus. Er ist vom Hals abwärts gelähmt. Für immer. Polio.
Robin ist 28, aber für ihn ist das Leben zu Ende. Glaubt er. Zumal er einfach nur vor sich hin vegetiert.
Doch seine Frau kämpft um ihn, und seine Freunde auch. Diane beschließt, dass ihr Mann zu Hause leben wird. Er bekommt eine Beatmungsmaschine, und überhaupt zeigt sich an Robin, wie auch die Gesundheitstechnik mehr und mehr Vorteile für Menschen mit Behinderung bringt.

Produzent Jonathan Cavendish ist der Sohn von Robin und Diane, und mit “Solange ich atme” setzt er seinem Vater ein Denkmal. Denn Robin Cavendish hat den Kampf gegen die Krankheit aufgenommen – oder vielmehr den Kampf gegen den Tod und für das Weiterleben.
Der Film von Regisseur Andy Serkis macht vor allem Mut, auch mit den schlimmen Lebenslagen zurecht zu kommen. Dass es sich lohnt, zu kämpfen. Dass der Zusammenhalt unter den Menschen, unter Freunden immer zu etwas sehr Gutem führt.
Herausgekommen ist kein Meisterwerk, aber gerade gegen Ende ein Film voller Emotionen.

Solange ich atme
GB 2017, Regie: Andy Serkis
Fox, 118 Minuten, ab 12
7/10

RT liest

Helmut Krausser: Geschehnisse während der Weltmeisterschaft

Dienstag, den 24. April 2018

Weltmeisterschaft. Fußball? Nein, es geht um Sex! 2028 findet in Kopenhagen die 11. Weltmeisterschaft für Leistungssex statt.
Leon ist der Star dieser WM, aber diesmal ist alles anders. Denn er hat sich verliebt in die Frau, mit der er verkehrt. Und das ist ja eigentlich so nicht geplant.

Ui, hier kommt ja so einiges zusammen, was die Leute im Laden dazu bewegen könnte, das Buch von Helmut Krausser zu kaufen. Weltmeisterschaft – macht schon mal neugierig. Und Sex – der natürlich erst recht. Und dann ist da noch von einer düsteren Utopie im Klappentext die Rede, von einer provokanten Satire, von einer Geisteskrankheit.
Dabei ist der Roman leider nur eins: langweilig.
Schon auf den ersten 40 Seiten ist klar, dass es schwer wird, da durchzudringen. Der Text ist nüchtern und trocken, die Geschichte bleibt einem fremd. Was der Klappentext verspricht, ist pure PR, um das Buch vielleicht doch noch möglichst gut zu verkaufen.

Helmut Krausser: Geschehnisse während der Weltmeisterschaft
Berlin-Verlag, 240 Seiten
0/10