Tagesarchiv für 21. April 2018

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ZAPPER VOR ORT: Maybrit Illner

Samstag, den 21. April 2018
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DO 19.04.2018 | Berlin, ZDF-Hauptstadtstudio

Unglaubliche 18 1/2 Jahre läuft jeden Donnerstag die ZDF-Talkshow mit Maybrit Illner, gestartet noch im alten Jahrtausend. Das merkt man auch – an der Moderatorin selbst und an der altbackenen Sendung.
Ein Ticket für “Maybrit Illner” kostet 12 Euro, was erstaunlich viel ist. Es ist relativ simpel über den ZDF-Kartenservice zu haben.

Als wir am ZDF-Hauptstadtstudio Unter den Linden ankommen, sehen wir schon den ersten Security-Mann. Das erste Anzeichen, dass da heute besonders wichtige Leute auftreten.
Ich wusste schon, dass es um das Thema Syrien gehen wird, und ich wusste auch, dass Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen und der ehemalige Brandenburger Ministerpräsident und Russland-Experte Matthias Platzeck auftreten.
Einlasskontrollen gibt es allerdings immer. Wie am Flughafen.

Im Studio werden wir platziert. Niemand darf sich da hinsetzen, wo er will. In die Nähe der großen LED-Wand durfte man nicht mit blauen Klamotten – oder irgendwelche Muster waren an einigen Stellen auch schwierig.Wir saßen in der letzten Reihe, was aber unproblematisch ist, weil das Studio relativ klein ist.
Gute 20 Minuten vor dem Start der Live-Sendung beginnt das Warm-Up, in dem es zum Glück keine Applaustests gibt, stattdessen erklärt man uns, wie das jetzt eigentlich ablaufen wird.
Zum Beispiel, dass niemand gezwungen ist, zu klatschen. Wer will, darf. Wer nicht will, muss nicht. Das ist ganz angenehm, und so kommt es, dass oft nur die von den Gästen mitgebrachten Leute an den passenden Stellen applaudieren.

Maybrit Illner kommt dann als erstes rein. Die Frau ist ein seltsames Phänomen. Dass sie ihre Sendung fast zwei Jahrzehnte lang macht, merkt man ihr an. Alles ist Routine, das Publikum wird kurz, na ja, zur Kenntnis genommen. Sie ist nett, aber es ist eine distanzierte Nettigkeit. Sie macht einen merkwürdig unauthentischen Eindruck. Ihre Gesichtsschminke wirkt ebenso wie ihre Friseur wie betoniert, ihre Haare sehen aus wie eine Perücke. Ihre ganze Haltung wirkt wie Beton, stocksteif sitzt sie auf ihrem Sessel.
Nach und nach holt sie die Gäste rein, alle bekommen sie höflichen Applaus. Bevor es los geht, gibt es noch Smalltalk mit allen – als Mikrotest.

Die Sendung beginnt pünktlich, und im Studio wirkt der Übergang vom Geplänkel in die Live-Sendung eher unspektakulär.
Zwar ist man hautnah dabei, man sieht auch alle gut. Aber mit dem Hören hapert es. Als Studiopublikum muss man ziemlich lauschen, wenn man der Diskussion folgen will.
Die verläuft sehr herkömmlich, mehr oder weniger überraschungsfrei, und die ganze Zeit überlege ich, ob man heute wirklich noch so Talkshows machen sollte. Die Elite unterhält sich, ansonsten kommt keiner zu Wort. Zu Hause, vor dem Fernseher, würde ich das langweilig finden.

Im Studio kann man immerhin beobachten, was drumherum passiert. Sage und schreibe sechs Kameras nehmen das Geschehen auf, darunter eine Krankamera und eine Steady-Cam. Der Mann mit der Körperkamera scheint immer Vorrang zu haben, denn wenn er kommt, müssen alle anderen Kameras weichen.
Der junge Aufnahmeleiter wuselt auch immer mal von A nach B, am Ende zeigt er Maybrit Illner, die ihre Gäste weiter abfragt, wie viele Minuten sie noch talken darf. Als die zeit um ist, macht Illner aber weiter. Scheinbar darf sie – wie die “heute show” auch, inoffiziell ein paar Minuten überziehen, diesmal diesmal mehr als sieben Minuten.

Als die Sendung zu Ende ist, werden noch Fotos gemacht, Maybrit Illner verabschiedet sich erneut höflich, aber routiniert vom Publikum, und alle strömen raus. Was übrigens auch einige Mitarbeiter verwundert. Während zu Beginn die Security wohl streng war, laufen nun alle durcheinander – die Ministerin mittenmang.

Vermutlich ist es themenabhängig, ob ein Besuch bei Maybrit Illner lohnt. Spannend ist Live-Fernsehen aber allemal. Jedoch im Gegensatz zu “aspekte” ist das eine Sendung, in die ich kein zweites Mal muss.

RTelenovela

Ausmisten

Samstag, den 21. April 2018
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Irgendwann muss man sich trennen. Da kommt der Moment, wo man sagt: Nein, jetzt ist Schluss!
Wenn zum Beispiel der Klamottenschrank dermaßen überquillt, dass man eigentlich gar nicht in den Laden zu gehen braucht, weil eh kein Platz mehr ist. Aber dann schafft man eben mal Platz, und der Frühjahr ist die beste Zeit, um mal auszumisten.

Nachdem neulich schon die Kassetten dran glauben mussten (na gut, die fristen ihr Gnadenbrot im Keller), ging’s also diesmal an die Klamotten.
Dieses schöne T-Shirt, das ich mal geschenkt bekommen habe, selbst bemalt. Wegschmeißen? Kann man doch nicht, war doch ein Geschenk! Andererseits, es ist blass geworden, der Stoff nicht mehr schön. Also dann doch weg!
Und dann dieses tolle Shirt, das ich in New York gekauft habe. Erinnerungen! Aber andererseits ziehe ich es nicht mehr an. Also dann doch weg!
Dieser Pullover! In Blau, und es war mal ein schönes Blau. Wie gesagt: war. Und auch schon lange nicht an gehabt, und der Stoff ist auch hinüber. Also weg damit.

Letztlich war es doch ein sehr ordentlicher Stapel, der ausgemustert worden ist. Im Schrank war plötzlich wieder ein bisschen Platz, und der Gang zum C&A hatte wieder einen Sinn.