Tagesarchiv für 15. April 2018

RT liest

Robin Stevenson: Der Sommer, in dem ich die Bienen rettete

Sonntag, den 15. April 2018

Muss nur noch kurz die Bienen retten. Und die Welt damit natürlich auch.
Wolf ist gar nicht begeistert, als er erfährt, was seine Mutter vor hat. Sie beschäftigt sich mit den Bienen, und damit, welche Auswirkungen die Umweltverschmutzungen auf die Bienen haben – und damit, was passiert, wenn Bienen mal aussterben sollten. Wolfs Mutter will auf die Misere aufmerksam machen und dafür mit einem Wohnmobil durch das ganze Land reisen, um in vielen Orten auf der Straße vor den Menschen kleine Stücke zu präsentieren.
Wolf muss sich dafür als Biene verkleiden, seine kleinen Zwillingsschwestern ebenfalls. Die andere Schwester muss auch mit, aber auch sie ist alles andere als begeistert.
So aber ziehen sie los – aber dieser Road Trip entwickelt sich mehr und mehr zur Zerreißprobe für die ganze Familie.

“Der Sommer, in dem die Bienen rettete” ist für Wolf aber auch der Sommer, in dem er irgendwie auch erwachsen werden musste. Der Sommer, als er sich überlegt, wie er sich von seiner Mutter emanzipieren kann. Er beobachtet, wie es seinen Schwestern immer schlechter geht, wie sich seine Mutter dafür aber nicht zu interessieren scheint – und auch, wie er selbst sein Zuhause vermisst.
Die Geschichte von Robin Stevenson erzählt davon, wie sich die Kinder organisieren, wie sie überlegen, ihrer Mutter klar zu machen, dass das alles so nicht weitergehen kann.
Ein Jugendroman darüber, Kompromisse zu schließen und rote Linien zu ziehen. Keine große Literatur, aber gute und ein bisschen lehrreiche Unterhaltung.

Robin Stevenson: Der Sommer, in dem ich die Bienen rettete
Rowohlt Rotfuchs, 251 Seiten
7/10

RT im Kino

3 Tage in Quibéron

Sonntag, den 15. April 2018

Romy Schneider gilt bis heute als einer der größten Filmstars, die Deutschland je hatte. Stichwort: Sissi. Allerdings konnte sie nur schlecht damit umgehen, dass viele Menschen sie oft nur mit dieser einen Rolle identifizierten. Später zog sie nach Frankreich um.
1981 trifft sie sich gemeinsam mit ihrer besten Freundin Hilde im französischen Küstenort Quibéron mit dem stern-Reporter Michael Jürgs und dem Fotografen Robert Lebeck. es war das wohl letzte große Interview – und davon handelt dieser Film.

Romy Schneider (Marie Bäumer) hat viel mit sich und ihren Depressionen zu kämpfen. Deshalb ist ihre Freundin Hilde (Birgit Minichmayr) sehr skeptisch, ob so ein Interview sinnvoll ist. Tatsächlich stellt sich der Reporter Michael Jürgs (Robert Gwisdek) als ziemlich schmierig heraus. Zum Fotografen Robert Lebeck (Charly Hübner) hat Romy dagegen eine engere Bindung, sie kennen sich bereits.

Der Film von Emily Atef – ganz in Schwarz-weiß gehalten, wie die damals entstanden Fotos – erzählt von diesen Tagen, an denen das Interview stattfindet. Es zeigt eine Romy Schneider zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Eine Frau, die viele Zweifel hat und dennoch irgendwie den Schritt wagen will, sich von den Fesseln zu befreien.
Alle vier Hauptdarsteller spielen fantastisch. Allen voran Marie Bäumer als die große Schauspielerin mit all ihren Stimmungsschwankungen. Auch Robert Gwisdek macht seine Sache gut als Typ zwischen Schleimigkeit und Faszination für die Situation, in der er sich befindet.
“3 Tage in Quibéron” erzählt von einem spannenden Einblick von Romy Schneiders Spätphase ihres Lebens, das viel zu früh geendet hatte.

3 Tage in Quibéron
D 2017, Regie: Emily Atef
Prokino, 116 Minuten, ab 0
8/10

RTZapper

Echo 2018

Sonntag, den 15. April 2018
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DO 12.04.2018 | 20.15 Uhr | VOX

Ist ja nur Rap. Da weiß ich gar nicht, warum wir uns da so aufregen. Wenn es da in einem Text sinngemäß heißt, dass sein Körper definierter sei als von Auschwitz-Insassen. Dabei weiß doch jeder, dass man als Rapper alles darf.
Und damit haben Kollegah und Farid Bang total viel Erfolg – und einen Echo, Deutschlands wichtigsten Musikpreis, durften sie am Donnerstagabend dafür auch noch in Empfang nehmen.

Alles nicht so schlimm? Alles übertrieben?
Wenn Kinder und Jugendliche auf dem Schulhof als Juden beschimpft werden, wenn Jugendliche immer noch als Schwuchtel und schwule Sau betitelt werden, dann hat das auch mit den widerlich-prolligen Texten von Kollegah und Farid Bang zu tun.
Das ist vielleicht Kunst, und vielleicht ist das von einer gewissen künstlerischen Freiheit gedeckt. Aber ist es auch was, dem man Preise hinterherschmeißen muss? Muss man antisimetische Texte und Hassreden auch noch mit Lob belohnen?

Campino von den Toten Hosen war am Donnerstag, der während der Live-Übertragung der Echo-Verleihung bei VOX den Arsch in der Hose hatte, etwas dazu zu sagen. Mit zittrigen Händen las er einen Brief vor, in dem er sich von solchen Texten und Interpreten distanzierte.
Später erhielten Kollegah und Farid Bang dann tatsächlich einen Echo (der eben nicht nur nach reinen Verkaufszahl-Aspekten vergeben wird, sondern eine Jury entscheidet mit) und verhöhnten Campino. Die Echo-Macher ließen es dann sogar zu, später die beiden Rapper extra noch mal auftreten zu lassen.

Und was machten die anderen Künstler? Saßen rum und taten nichts. Campino nahm seinen Preis trotzdem an. Mark Forster trat danach auf, als sei nichts gewesen. Bloß nichts Politisches sagen – bloß nicht anecken. Die Branche hat kollektiv versagt und auf die Menschenwürde gepfiffen.
Jaha, sagen da jetzt die Fans, aber Kollegah und Farid Bang haben sich doch bei einer Holocaust-Überlebenden entschuldigt. Was aber natürlich sinnfrei ist, wenn man den Song dann locker-flockig weiterträllert. Da ist so eine Entschuldigung nur für den Arsch. Noch haarsträubender wird es, wenn es heißt, zur Entschädigung können Juden kostenlos zu den Konzerten, wenn sie am Einlass Bescheid sagen. Ja, natürlich, sollen die Juden doch mal bitte ihren Judenstern an der Kasse zeigen. Dann werde man sie kurz in den Arm nehmen und ins Konzert lassen. Da bekommt man echten Brechdurchfall.

So wird nach und nach der Raum frei gemacht für Gedankengut des Nationalsozialismus. Und schon jetzt gibt es viel zu viele Leute, die da nichts mehr gegen haben und stattdessen von Meinungsfreiheit und Stasimethoden faseln.

Aber die Veranstalter des “Echo 2018″ haben so oder so das Gespür dafür verloren, wie man gutes Entertainment macht. Völlig lahm und ohne komplett ideenfrei schleppte sich die dreistündige Show dahin. Kein Intro (also wirklich gar keins), kaum Humor, einfach gar nichts.
Am schlimmsten war aber die Idee, die diesjährige Totenehrung durch Poetry-Slamerin Julia Engelmann begleiten zu lassen. Nicht nur, dass sie über einen gewissen Chester Benningfield redete, der in Wirklichkeit Bennington heißt. Sie leierte einen wirren Text zu den Fotos der verstorbenen Künstler derart gelangweilt runter, dass es einen schüttelte. Ja, sie tat es im Poetry-Slam-Style. Der passte dort aber ganz und gar nicht hin, wirkte schrecklich deplatziert.

Wann kommen endlich die Kreativen, die es doch in Deutschland ganz sicher gibt, und möbeln die langweiligen und einfalls- und lustlosen Preisverleihungen mal auf? Und dann holt auch wieder “normales” Publikum in den Saal – und nicht die Branchenheinis, die sich bei solchen Events eh nur langweilen.

KeineWochenShow

#67 – Grenzüberschreitung

Sonntag, den 15. April 2018
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Wir sind mal wieder unterwegs. Wir beginnen KeineWochenShow diesmal direkt am Berliner Zollernhof. Dort ist das ZDF-Hauptstadtstudio, und wer weiß, vielleicht wird dort ja eines Tages unser Kellerstudio als Kulisse aufgebaut, wenn wir erstmal als ZDF-Late-Night-Show laufen.
Danach laufen wir die Straße Unter den Linden entlang bis zum Brandenburger Tor. Ein Ort, der für uns immer noch historisch ist.

Mit dem Auto geht es dann von Mitte aus durch Berlin, und wir besprechen, was denn in diesem Jahr alles beim Echo, dem Musikpreis, alles schief gegangen ist. Es geht um einen schweren Fahrradunfall in Oranienburg, um die Datenkrake Google, um Mark Zuckerbers Auftritt vor dem US-Kongress und um labberige Pommes.

Das und mehr in KeineWochenShow #67 auf YouTube.