Tagesarchiv für 13. April 2018

RT im Kino

Der Hauptmann

Freitag, den 13. April 2018

Deutschland, im April 1945. Der zweite Weltkrieg ist fast zu Ende, Deutschland so gut wie geschlagen. Viele Soldaten sind fahnenflüchtig – wie auch der junge, blonde 19-jährige Gefreite Willi Herold (Max Hubacher), der vor einer Horde von Hauptmännern (u.a. Alexander Fehling) wegrennt, die ihn aus reiner Mordlust erschießen wollen. Er entkommt und entdeckt am Wegesrand ein verlassenes Militärauto. Darin entdeckt er nicht nur etwas zu essen, sondern auch eine Uniform – die eines Hauptmannes.
Ab sofort ist der Gefreite Herold der Hauptmann Herold. Er muss seine neue Rolle nur durchhalten, um zu überleben – so seine Strategie.
Als kurz danach der Soldat Freytag (Milan Peschel) auftaucht, kann Herold ihm erfolgreich weismachen, dass er einen höheren Dienstgrad hat. Freytag ist nun Herolds Fahrer, und im Laufe der Zeit kommen weitere Soldaten hinzu. Die “Kampftruppe Herold entsteht.
In seiner Uniform hat er viel Befehlsgewalt. Und immer öfter muss er hart durchgreifen, Plünderer erschießen oder im Gefangenlager dafür sorgen, Hinrichtungen durchzuführen. Aus dem Gefreiten wird ein skrupelloser Hauptmann.

Es ist ein höchst beeindruckender und extrem spannender Film, den Robert Schwentke ins Kino gebracht hat. “Der Hauptmann” erzählt die Geschichte von Willi Herold. Aus dem ängstlichen Soldaten wird einer, der ebenfalls zum Mörder wird.
Anfangs hat er noch Skrupel und sichtbare Ängste, als Hauptmann durchzusetzen, was er durchsetzen muss. Denn ansonsten würde er auffliegen und vermutlich selbst hingerichtet werden. Aber Herold zieht seine Hauptmann-Rolle durch.
Auch für den Zuschauer ist das ein echter Horrortrip. Denn auch er muss sich darüber Gedanken machen, was da passiert. Anfangs leidet man mit ihm mit, und man möchte, dass er überlebt. Es ist ein Spiel, das er da macht. Aber man muss sich während des Films eingestehen, dass man nicht weiter mit ihm mithalten kann. es wird einfach zu grauenvoll, was da passiert.
Das sieht man auch am Soldaten Freytag – unfassbar gut gespielt von Milan Peschel. Man merkt regelrecht, dass er viel von dem Hauptmann hält, aber mehr und mehr entsetzt darüber ist, wie er sich wandelt – bis zu dem Zeitpunkt, wo Freytag eine menschenverachtende Demütigung erfährt.
Ebenfalls brillant spielt Frederick Lau. Er gehört zu den Soldaten, die den Hauptmann später begleiten. Er spielt das Spiel mit, und man weiß ganz genau: Er hat Herold von Anfang an durchschaut. Lau kann dieses Mienenspiel hervorragend.
Überragend spielt auch Samuel Finzi, der als Gefangener für die Nazis ein lustiges Programm aufführen soll – man sieht die Angst in den Augen.
Hauptdarsteller Max Hubacher ist eine echte Entdeckung. Die Entwicklung, die Herold macht, nimmt man ihm immer ab, und er schafft es auch, diese oben beschriebenen Überlegungen beim Zuschauer auszulösen: Aus einem Sympathieträger wird ein Ekel – und, das ist das Grauenvolle: Man tut sich schwer, ihn unsympathisch zu finden. Ein mulmiges Gefühl.
In einer Szene, als plötzlich Bomben fallen, wird dafür scheinbar auch der Zuschauer abgestraft – durch einen erschütternden Effekt.
Zwar zieht sich der Film zum Ende hin ein wenig – das ändert aber nichts daran, dass “Der Hauptmann” ein sehr sehenswertes Meisterwerk ist. Bis hin übrigens zum Abspann mit einer ziemlich abstrusen, aber spannenden Idee.

Der Hauptmann
D 2017, Regie: Robert Schwentke
Weltkino, 119 Minuten, ab 16
9/10

RTZapper

Michael Schulte: You let me walk alone

Freitag, den 13. April 2018
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DI 10.04.2018 | 19.09 Uhr | 104.6 RTL

In vier Wochen steigt in Lissabon der Eurovision Song Contest, und seit einigen Wochen steht auch fest, wer für Deutschland zur großen Show nach Portugal reisen wird. Michael Schulte wird “You let me walk alone” singen.

Und wenn wir mit diesem Song wieder einmal scheitern sollten, dann wird das Geschrei (wie in jedem Jahr) groß sein. Dabei sind es doch wir Deutschen selbst, die mit Unterstützung für den eigenen Song geizen.
Sicherlich, es gibt garantiert immer Lieder, die man besser finden wird, aber der Schulte-Song ist durchaus eingängig und gut hörbar. Aber natürlich muss er sich in Lissabon gegen diverse andere sehr gute Songs durchsetzen. Immer auch ein wenig eine Glücksfrage.

Der Rückhalt hierzulande ist gering. Wie überhaupt es der NDR nicht gerade wichtig nimmt, den Eurovision Song Contest in Deutschland zu zelebrieren. Michael Schulte ist nicht gerade präsent, und von unserem Nachbarland Österreich, das ebenfalls einen tollen Song zu bieten hat, wollen wir erst gar nicht reden. Bislang durften beide Interpreten nur einmal bei Florian Silbereisen gegeneinander antreten. Das war’s dann aber auch.

Läuft der Schulte-Song aber auch im Radio rauf und runter? Radiotauglich ist er in jedem Fall. Wie doch überhaupt mal die Musikredakteure in die Liste der Song-Contest-Lieder 2018 schauen könnten – da ist einiges bei, was man vorab auch mal spielen könnte.
Am Dienstagabend ist aber bei 104.6 RTL in Berlin etwas ganz Nettes passiert. In der “Top 7 um 7” schaffte es Michael Schulte mit “You let me walk alone” auf Platz 4. Was hoffentlich auch bedeutet, dass es hin und wieder auch im normalen Programm zu hören ist.