Tagesarchiv für 8. April 2018

RTZapper

Dirty Dancing

Sonntag, den 8. April 2018
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Amazon Prime

Kaum zu glauben, aber wahr: Zum 30. Jubiläum von “Dirty Dancing” im vergangenen Jahr ist man bei der Produktionsfirma Liongate auf die Idee gekommen, den Film einfach noch mal neu zu drehen. Er ist auf Amazon Prime zu sehen.
Was könnte die Motivation sein? Es besser zu machen? Aber kann man einen Klassiker – der ohne Zweifel hier und da Schwächen war – wirklich besser machen? Können die Darsteller von 2017 denen von 1987 das Wasser reichen? Will man es spannender machen? Lustiger? Musikalischer?
Um es vorweg zu nehmen: Sie hätten es schlicht sein lassen sollen.

Die Story ist bekannt. Im Jahre 1963 verbringen die Housemans den Sommer in einem Urlaubscamp. Baby verliebt sich in den Tanzlehrer Johnny, was zu Verwicklungen führt.
Neu in der 2017er-Version: Es gibt eine Rahmenhandlung. Sie spielt etwa zehn Jahre später. Francis “Baby” Houseman (Abigall Breslin) besucht die Musicalvorstellung von “Dirty Dancing”. Johnny Castle (Colt Prattles) hat damit den Durchbruch geschafft. In diesem Zuge erinnert sich Francis an die zeit damals – und der Film erzählt die damalige Story einfach noch mal – sehr oft mit den selben Dialogen wie 1987. Allerdings dauert die 2017er-Version mehr als zwei Stunden (viel zu lang), und da bleibt zusätzlich Zeit für eine Geschichte über das Ehepaar Jake (Bruce Greenwood) und Marjorie Houseman (Debra Messing). Die stecken nämlich in einer Krise, die hier nun (überflüssigerweise) thematisiert wird.

Dieser Film – der auch noch den selben Schriftzug-Look wie 1987 verwendet – ist ein einziges Trauerspiel. Der Darsteller sind längst nicht so treffend ausgesucht wie die Originale. Der Witz einiger Nebenfiguren ist komplett verloren gegangen. Der neue Johnny ist blass und lahm, auch Baby fehlt es an der richtigen Mischung aus Schüchternheit und Frechheit. Die neuen Handlungsstränge zeigen eigentlich nur, dass es Gründe gab, sie damals wegzulassen.
Die Songs sind ebenfalls dieselben, teilweise neu eingespielt – mitunter sind zusätzliche Lieder hinzugekommen. Im Schluss-Tanzact singen Baby und Johnny den Song selbst, was albern wirkt.
Dieser Film erzeugt nur Kopfschütteln – wozu so was produziert wird, wenn man eigentlich dem Ganzen nichts draufsetzen kann, ist mir schleierhaft.

KeineWochenShow

#66 – Geschichte wird verbannt

Sonntag, den 8. April 2018
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Geschichte wird verbannt! In der neuesten Folge der “KeineWochenShow” sprechen wir darüber, wie wir mit Geschichte und mit der Vergangenheit umgehen. Vor allem mit der sichtbaren Vergangenheit. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Museum für die Geschichte des KdF-Bades, der NVA und der DDR in Prora. Es fällt der Sanierung des Ex-KdF-Gebäudes zum Opfer. Es wird damit wohl keine Stelle mehr dort geben, an der man sehen konnte, wie das Gebäude mal ausgesehen hat.

Außerdem geht es um diverse Krisen: um die bei der Feuerwehr in Berlin, die unter dem Motto #Berlinbrennt momentan für bessere Bedingungen kämpft. Um die Krise rund um den UKW-Radioempfang, der in der kommenden Woche in Gefahr sein könnte. Um die Grippe-Krise und die Entscheidung der Krankenkassen, nun doch den Vierfachimpfschutz zu bezahlen. Um einen Kampfhund in Hannover, der zwei Menschen totgebissen hat.

Das alles und noch mehr in KeineWochenShow #66 auf YouTube.

RTZapper

Lass dich überwachen! Die Prism is a Dancer Show

Sonntag, den 8. April 2018
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DO 05.04.2018 | 21.45 Uhr | zdf neo

Ab und zu darf Jan Böhmermann bei zdf neo über die Strenge schlagen. Heißt: länger senden als die 45 Minuten, die das “Neo Magazin Royale” normalerweise hat, und sich etwas Spezielles ausdenken. So erfand er am Donnerstagabend gleich mal eine neue Abendshow, die erstaunlich interessant war.
“Prism is a Dancer” heißt eine Rubrik in der Sendung. Dafür wird das komplette Studiopublikum digital durchleuchtet. Was ist über die Leute im Netz zu finden? Welche Peinlichkeit kann man erzählen oder über welche Erfolg oder Hobbys reden?

Am Donnerstag gab es nun “Lass dich überwachen! Die Prism is a Dancer Show”, und es muss für das Studiopublikum erst mal ein Schock gewesen sein. Denn die Leute wussten nicht, dass sie dieser Sonderausgabe der Böhmermann-Sendung beiwohnen. Und sie wussten vor allem nicht, dass sich das Böhmermann-Team die Mühe gemacht hat, über alle 199 Leute rauszufinden, was über sie rauszufinden ist.

Da gab es den Fernsehkritiker (ja, komische Typen sind das) von Wunschliste.de, den Böhmermann gleich mal auf die Bühne rief. In einem Einspieler redeten dann plötzlich die Stars, über die sonst geschrieben wird, über den Kritiker. Ziemlich unangenehm – aber auch viel Werbung für seine Internetseite.
Da war der Typ, der im Internet fragte, ob er irgendwo alle “Bravo Hits”-CDs kaufen könne – und bei Böhmermann wurde er zum Quiz geholt und gewann die CDs.
Da war die junge Frau, die nur 1,60 Meter groß ist und sich ärgert, dass sie bei Konzerten nichts sieht. Böhmermann schenkte ihr ein Konzert, bei dem alle Zuschauer nicht größer als 1,55 Meter waren.
Auch nebenan sprach der Moderator immer wieder Leute im Publikum auf ihre Hobbys oder Erfolge an – er wusste alles.

Spannend! Einerseits weil es immer wieder interessant ist, was über die einzelnen Menschen im Netz zu finden ist und wie es auf sie wirkt, wenn man sie teilweise nach Jahren der Veröffentlichung drauf anspricht.
Dabei hat Jan Böhmermann niemanden ernsthaft bloß gestellt – er hat nur aufgegriffen, was im Netz eh zu finden ist – wobei sein Team mitunter Erstaunliches zutage gebracht hat.

Diese Show hat das Zeug zu einer neuen Abendunterhaltung – auch wenn natürlich der Rechercheaufwand enorm ist – und man das Publikum, das ins Studio kommt, vorher nicht einweihen darf. das ist vermutlich das Schwierigste an dieser Nummer.