Tagesarchiv für 12. März 2018

RT liest

Brittany Cavallaro: Holmes & ich – Unter Verrätern

Montag, den 12. März 2018

(1) -> 10.12.2016

Holmes und Watson sind zurück – im Fall der Autorin Brittany Cavallaro aber das zweite Mal als Jugendliche. Charlotte Holmes und Jamie Watson schlittern in einen neuen Fall.

Jamie wird zum Dinner mit Charlottes Eltern eingeladen. Er hasst das. Wie er überhaupt eher ungern auf dem Landsitz der Holmes’ ist. Ständig fürchtet er, sich in dem riesigen Haus zu verlaufen.
Zwischen den beiden kriselt es auch mal wieder. Jamie könnte sich vorstellen, dass zwischen Charlotte und ihm mehr passieren könnte. Charlotte sieht das ganz anders. Mehr als eine Freundschaft will sie nicht, kann sie nicht. Oder doch nicht?
Als Charlottes Onkel verschwindet, begeben sich die beiden auf dessen Spur – und die führt nach Berlin.

Wirkte der erste Roman so, dass er einen frischen Wind in die alte Geschichte brachte, verzettelt sich die Autorin diesmal ziemlich. Das erste Drittel der Geschichte dreht sich um die – fast möchte man sagen: pubertären – Scharmützel zwischen Holmes und Watson. Läuft da was? Läuft da nix? Ewige Monologe und Dialoge. Da geht der eigentliche Kriminalfall, der auch ziemlich spät überhaupt einsetzt, doch ziemlich unter. Das tut der Story überhaupt nicht gut, so richtig Spannung will nicht aufkommen. Auch schafft es übrigens die Autorin nicht, ein gutes Berlin-Gefühl aufkommen zu lassen, obwohl sie ihre Protagonisten dorthin schickt.
Schade, Band 2 von “Holmes & ich – Unter Verrätern” ist mehr Liebesreigen als Krimi. Die richtige Mischung hat Brittany Cavallaro diesmal nicht gefunden.

Brittany Cavallaro: Holmes & ich – Unter Verrätern
dtv, 350 Seiten
5/10

RT im Kino

Shape of Water – Das Flüstern des Wassers

Montag, den 12. März 2018

Baltimore, 1963. Am Amazons fanden Wissenschaftler ein Wesen, das dort als Gott verehrt wird. Es ist halb Mensch, halb Amphibie. Es überlebt nur in Wasser mit höherem Salzgehalt. Es wird im Labor gefangen gehalten – für geplante Experimente.
Die stumme Elisa (Sally Hawkins) arbeitet in diesem Labor als Putzhilfe. Als sie dem Wesen das erste Mal dort begegnet, ist sie gleich fasziniert. Sie nimmt Kontakt auf, und während das Wesen bei den Wissenschaftlern gewalttätig reagiert, ist das bei Elisa ganz anders. Sie sie rausfindet, dass das Wesen bald für Experimente getötet werden soll, fasst sie den Entschluss, es zu retten. Und nicht nur das: Es ist Liebe im Spiel.

Guillermo del Toro vermischt in “Shape of Water – Das Flüstern des Wassers” Liebesfilm, Spionagethriller und Fantasy. Allerdings ist diese Mischung durchaus gewöhnungsbedürftig. Aber das ist natürlich auch gewollt, schließlich geht es dem Regisseur und Drehbuchautor auch darum, gegen Ausgrenzung zu appellieren. Immerhin kommen in diesem Film ein Menschen, der durch seine Sprachlosigkeit ausgegrenzt wird, und ein Wesen, das allein durch sein Aussehen ausgegrenzt wird, zusammen.
Dennoch wirkt diese Art der Fantasy doch ein wenig absurd, auch weil das Wesen mehr wie ein Monster aus einem Marvel-Film wirkt. Es fällt schwer, dieses Liebesgeschichte zu glauben und mit diesem ganzen Film warm zu werden.
Dass die Schauspieler toll sind – Octavia Spencer spielt Elisas Kollegin Zelda, Richard Jenkins den Nachbarn und Freund Giles, David Hewlett den frustrierten Geheimdienstler Fleming – spricht für den Film, macht ihn dadurch aber nicht packender.
Dennoch hat “Shape of Water” den Oscar als besten Film bekommen. Kann man machen – es gab aber bessere Filme in der Nominierungsliste.

Shape of Water – Das Flüstern des Wassers
USA 2017, Regie: Guillermo del Toro
Fox, 123 Minuten, ab 16
6/10

RTZapper

Das Lachen der Anderen – Comedy im Grenzbereich

Montag, den 12. März 2018
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DO 08.03.2018 | 23.25 Uhr | WDR

Oliver Polak stellt sich auf die Bühne und macht Witze über Menschen mit Downsyndrom.
Der Satz stimmt oder auch wieder nicht. Denn eigentlich stellt sich Oliver Polak auf eine Bühne und macht Witze vor Menschen mit Downsyndrom über sie selbst.
Was zunächst ziemlich bizarr klingt, ist in Wirklichkeit eine unglaublich warmherzige Sache.
In “Das Leben der Anderen” im WDR reisen Oliver Polak und Micky Beisenherz zu besonderen Menschen. In der Folge vom Donnerstag ging es um Menschen, die das Downsyndrom haben. Die beiden treffen sich mit verschiedenen Menschen, befragen sie, erleben sie in ihrem Alltag – und am Ende steht ein Stand up vor genau diesen Menschen. In der Woche davor ging es um HIV.

Es ist einfach wunderbar, wie sich Polak und Beisenherz diesen Menschen annähern. Nämlich ohne Scheu, aber voller Respekt. Sie wollen wissen, wie sie ticken, was sie ausmacht, was sie mögen, was nicht nicht mögen. “Dürfen wir Downies sagen?”, fragt Oliver Polak, das sei doch schließlich ganz nett gemeint. Aber er bekommt eine Abfuhr, der junge Mann mit dem Downsyndrom möchte nicht “Downie” genannt werden. Die beiden akzeptieren das, auch wenn sie es vielleicht erst mal nicht verstehen.
Mit einer jungen Frau sprechen sie über ihren Freund, über die Liebe. Sehr offen sagt sie, dass sie keine Kinder möchte, obwohl sie welche bekommen könnte. Sie könne sich nicht um Kinder kümmern, sagt sie. Ein trauriger, aber wahrhaftiger Moment.

In dieser Mischung aus Comedy, Realität und auch Tragik kommen Menschen zu Wort, die das normalerweise im Fernsehen nicht schaffen. Am Ende steht Polak auf der Bühne – und die meisten seiner Zuhörer lachen meistens.
Dass der WDR in der neuen Staffel nur zwei Folgen zeigt, ist wirklich extrem traurig.