Tagesarchiv für 9. Februar 2018

aRTikel

Bescheiden, streng, gutmütig: Viel Lob für Ursula Münchow

Freitag, den 9. Februar 2018
Tags: ,

Die 96-Jährige ist Kremmens dritte Ehrenbürgerin – bis heute übt sieimmer im Herbst mit dem Akkordeonorchester für einen Auftritt

MAZ Oberhavel, 9.2.2018

Kremmen.
Kremmen hat drei Ehrenbürger. Zu diesen ganz besonderen Menschen zählt seit dem vergangenen Freitag Ursula Münchow. Sehr viele Kremmener können mit dem Namen etwas anfangen. Als Lehrerin für Klavier und Akkordeon haben ganze Generationen bei ihr ein Musikinstrument gelernt. In den 60er-Jahren gründete die heute 96-Jährige das Akkordeonorchester. Viele Proben fanden in ihrem Wohnzimmer statt.

„Ihr habe ich meinen Beruf zu verdanken“, erzählt Inken Hertel, die heute in Sommerfeld lebt und als Akkordeonlehrerin tätig ist. „Sie war immer sehr streng, aber hat uns total motiviert, mehr aus unserem Instrument zu holen.“ Mit acht Jahren, 1971, hat Inken Hertel ihre erste Musikstunde bei Ursula Münchow gehabt. „Sie hat ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl geschaffen“, erzählt sie. Das hält bis heute: Immer im Herbst trifft sich das Akkordeonorchester mit Ursula Münchow, und immer auf dem Kremmener Weihnachtsmarkt gibt es ein Konzert.

„Sie war freundlich, aber super streng“, erzählt Andrea Busse. Sie arbeitet heute in der Tourismusinfo im Scheunenviertel und hatte mit sieben Jahren bei Ursula Münchow die erste Klavierstunde. „Wenn man mal nicht geübt hat, fand sie das nicht witzig.“ Die Strenge habe aber nicht dazu geführt, dass sie unbeliebt war. „Diese Strenge hat einen ja an ein Ziel geschubst. Man hätte auch rausgehen und spielen können, aber man wollte ja das Instrument lernen. Sie hat uns spüren lassen, dass die Strenge nichts damit zu tun hat, dass sie uns vielleicht nicht mochte, sondern es ging ihr immer um die Sache.“ Das rechnen ihr die Menschen hoch an – egal, wen man fragt, alle reden gut über sie..

„Ich war auch ihre Schülerin“, sagt Birgit Neumann-Hannebauer, die beim Neujahrsempfang auch die Laudatio auf Ursula Münchow hielt. „Von 1961 bis 1971 habe ich bei ihr Akkordeon gelernt und war auch im Orchester“, sagt die ehemalige Bauamtsleiterin. „Ich wollte das auch. Bei uns zu Hause ist immer sehr viel Musik gemacht worden.“ Auch sie erinnert sich an die strenge Lehrerin. „Es kam immer auf den Takt an. Wir durften zum Beispiel beim Spielen nicht auf die Tastatur gucken, sondern mussten sehen, was Frau Münchow macht. Darauf hat sie ganz doll geachtet.“ Nach dem Unterricht habe sie immer ein liebes Wort übrig gehabt.

Ursula Münchow ist aber auch sehr bescheiden. Ein Porträt über sie in der Zeitung? Ach nein, das müsse ja nicht sein, findet sie. Sie redet nicht gern über sich. „Ich habe das, was ich getan habe, immer für selbstverständlich gehalten“, sagte sie nach der Verkündung der Ehrenbürgerschaft. „Ich war erstaunt, wer sich so was ausgedacht hat.“ Birgit Neumann-Hannebauer hatte sie vorher gesagt, dass sie, wenn sie gewusst hätte, was beim Empfang passiert, vielleicht gar nicht gekommen wäre. Sie mag es nicht so, wenn man sie lobt, aber andererseits freut es sie doch, wenn die Menschen an sie denken. Harte Schale, weicher Kern – diesem Satz kann die ehemalige Akkordeonschülerin Birgit Neumann-Hannebauer nur zustimmen. Sie hält immer noch ständigen Kontakt zu ihrer ehemaligen Lehrerin.

RTZapper

Medien-KuH des Jahres 2017

Freitag, den 9. Februar 2018
Tags: ,

DI 06.02.2018 | 19.15 Uhr | Rocket Beans TV

#GoslingGate hat die MedienKuH gewonnen!
WER hat WAS gewonnen?
Wenn du dich das jetzt fragst, dann weißt du wohl nicht, was Deutschlands wirklich wichtigster Medienpreis ist. Das ist nämlich nicht die “Goldene Henne”, sondern die goldene KuH – die Medien-KuH.

Dahinter verbirgt sich ein wöchentlicher Audio-Podcast mit Körber und Hammes – KuH. Kevin Körber und Dominik Hammes sprechen seit 2009 regelmäßig über das deutsche Mediengeschehen. Und sie vergeben den größten und (erwähnte ich das schon?) wichtigsten Medienpreis: die KuH des Jahres!
Erstmals gab es das Ganze auch im Fernsehen – live bei Rocket Beans TV, und es war die glanzvollste Gala, die das deutsche Fernsehen (und das deutsche Internet auch) jemals gesehen hat. Immerhin hat die KuH sogar dem Deutschen Fernsehpreis diese Live-Übertragung voraus, wenn wenn bei der KuH nur vier Leute auf ihren Sesseln saßen und plauderten.

Der Sieg jedenfalls ging – vollkommen zurecht – an #GoslingGate. Dahinter verbirgt sich der Coup des “Circus Hallgalli”-Teams von ProSieben, die sich mit einem falschen Ryan Gosling in die “Goldene Kamera” eingeschlichen hatten. Wie es sich gehört, hat Klaas Heufer-Umlauf den Preis persönlich abgeholt. Kein Wunder: Wenn man die KuH gewinnt, dann ist das immerhin eine riesige Ehre.
Muh.

RTelenovela

Bombensuche und das lange Warten

Freitag, den 9. Februar 2018
Tags:

Direkt unter meinem Fenster wird momentan nach Bomben gesucht. Das heißt, eigentlich wurde schon vor genau einer Woche unter meinem Fenster nach Bomben gesucht.

Ein bisschen aufregend ist das ja durchaus. Immerhin könnte es rein theoretisch sein, dass die was finden. Und dann müssten wir vermutlich sofort das Haus verlassen. Aber in Oranienburg sehen wir das alles viel gelassener, schließlich sind solche Bomben bei uns (leider) nichts besonderes.

Aber wie gesagt: Das ist eine Woche her. Die zugedeckten Bohrlöcher und die Absprerrungen der Parkplätze und des Gehweges sind immer noch da, obwohl sich seit sieben Tagen nichts mehr getan hat.
Muss man noch irgendwas auswerten? Hat man die Lust verloren? Kann man beim aktuellen Fröstchen nichts mehr machen?
Das Warten auf den Abbau der Baustelle ist nerviger als die Aufregung bei der Bombensuche selbst.

RTZapper

Die Notrufzentrale

Freitag, den 9. Februar 2018
Tags:

MO 05.02.2018 | 22.15 Uhr | VOX

Polizeidokus gibt es vor allem im Nachmittagsprogramm der Privatsender inzwischen einige. Sie gehören nicht gerade zum Premium-TV.
Am Montagabend lief bei VOX erstmals “Die Notrufzentrale”, und allein der Titel erinnerte an die Mutter alle deutschen Reality-TV-Dokus bei RTL: “Notruf”. Da ging es um Rettungseinsätze, und wie alle Leute aus dieser Situation herauskamen.
Wer jedoch “Die Notrufzentrale” sieht, wird schnell feststellen: Da ist etwas anders, und am Anfang erscheint das ziemlich merkwürdig.

Denn diese Dokureihe dreht sich ausschließlich um die Menschen, die Notrufe aufnehmen. Die sich anhören, was die Anrufer erzählen. Die etwas unternehmen, damit diesen Menschen geholfen wird.
Die Doku verlässt diese Notrufzentrale nicht. Der Zuschauer hört, wie die Leute in der Zentrale, den Notfall nur aus der Telefonleitung. Das Filmteam verlässt die Räume nicht, es gibt keine Bilder von vor Ort.

Am Anfang denkt man: Was soll das? Was bringt das? Denn oft ist es auch so, dass man als Zuschauer nicht mitbekommt, wie der Notfall zu Ende geht.
Aber schnell ist klar: “Die Notrufzentrale” ist ein hochgradig spannendes und überraschend emotionales Format. Denn wir erleben hautnah, wie die Notrufe eingehen. Das ist mitunter erschütternd. Wenn eine jung Frau weinend erzählt, dass ihre betrunkene Mutter Auto fahren will und sie das verhindern müsse – und sie dann zugibt, dass sie ihre Mutter deshalb auch geschlagen habe. Die Mutter keift währenddessen im Hintergrund. Oder die Frau, die anruft, weil ein Baum auf der Straße liegt, und während sie das erzählt, hört man, wie ein anderes Auto in diesen Baum rast. Es sind Schockmomente.
Oder wenn Hektik ausbricht, weil eine Frau anruft: Ihr Mann hatte am Steuer des Autos einen Schlaganfall, und nun weiß die Frau aber nicht, wo genau sie eigentlich sind.

“Die Notrufzentrale” handelt weniger von den dort eintreffenden Fällen. Sondern von den Menschen, die am anderen Ende der Leitung sitzen. Die sich die Not anhören und für Hilfe sorgen. Die immer ruhig bleiben müssen, egal was passiert. Die es trotzdem manchmal mitnimmt, wenn sie Katastrophen live miterleben.
VOX leistet mit der Reihe – jeden Montagabend – einen wichtigen Dienst an den Menschen, die Hilfe leisten, aber auch für die, die (hoffentlich nie) diese Weise Hilfe brauchen, aber dann eventuell eine Ahnung davon haben, wo sie mit ihrem Anruf landen.