Tagesarchiv für 7. Februar 2018

RTZapper

Werbung: Parship

Mittwoch, den 7. Februar 2018
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SO 04.02.2018 | 3.22 Uhr (Mo.) | ProSieben

Wenn man alle fünf Minuten eine Werbebotschaft eingehämmert bekommt, dann kann das ganz schnell nach hinten losgehen. Aber offenbar gibt es Unternehmen, die das irgendwie nicht bedacht haben.
Parship, zum Beispiel. Das Verkuppel-Unternehmen hielt es für eine gute Idee, während des SuperBowls auf ProSieben gefühlte 63 Spots zu schalten. In jedem Werbeblock – und wer mal den SuperBowl gesehen hat, der weiß, dass es beim Football sehr, sehr viele Pausen gibt – teilte uns Parship mit, dass sich alle elf Minuten jemand auf Parship verliebt – angeblich.

Immerhin sind offenbar spezielle SuperBowl-Spots gedreht worden. Da musste, äh, durfte dann eine junge Frau die Footballkugel fangen. Und sie hatte dabei unglaublich viel Spaß – weil sie scheinbar unbedingt einen Footballer auf Parship zu treffen hofft. In einem anderen Spot bekam eine junge Frau, die in einem Café parshipte, einen Football auf den Tisch gelegt. Na, da hat sie sich aber gefreut.
Ich vermute, dass sich während des SuperBowl sogar alle 1,5 Minuten sich jemand auf Parship verliebte. Und alle 1,8 Minuten wieder entliebte, weil ja der Football weiterging.

RT liest

Jens Eisel: Bevor es hell wird

Mittwoch, den 7. Februar 2018

Alex hat in seinem Leben schon einiges mitgemacht. Gerade kommt er aus dem Knast frei, und irgendwie muss er jetzt erst mal alles auf die Reihe kriegen. Wieder arbeiten. Wieder zu sich und seinen Leuten finden.
Erst vor zehn Jahren ist er mit seiner Mutter und seinem Bruder Dennis nach Hamburg gekommen. Er fand seinen besten Freund, einen Job in einem kleinen Kino. Er schloss die Schule ab, machte eine Lehre in einer Autowerkstatt.
Eine gute Zeit war das. Kein ausschweifendes Leben, aber er war zufrieden. Bis es zu einem Unglück in der Familie kommt und alles auseinanderzubrechen scheint.

“Bevor es hell wird” von Jens Eisel ist ein sehr besonderer Roman. Der in Hamburg lebende Autor schreibt über einen jungen Mann, der in seinem Leben vor einige Entscheidungen gestellt wird, der Herausforderungen meistern muss.
Das alles ist einfach und zurückgenommen aufgeschrieben. Relativ schnörkellos, fast möchte man sagen: nüchtern. Aber irgendwie ist diese Nüchternheit sehr fesselnd. Über lange Strecken hat man den Eindruck, dass in der Geschichte gar nicht so viel passiert. Alex lebt sein Leben. Aber das ist irgendwie so gut aufgeschrieben, dass man das sehr gern liest.
Zumal hinterrücks eine große Spannung aufgebaut wird. Denn dass Alex im Knast war, weiß der Leser von Anfang an. nicht aber, warum. Die Auflösung kommt, und sie kommt genauso einfach dahergeschrieben wie die ganze Geschichte. Aber diese Einfachheit erwischt den Leser mit voller Wucht.
Berührend. Extrem lesenswert!

Jens Eisel: Bevor es hell wird
Piper, 207 Seiten
9/10

RTZapper

live ran: SuperBowl 52 – Halbzeitshow

Mittwoch, den 7. Februar 2018
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SO 04.02.2018 | 2.15 Uhr (Mo.) | ProSieben

Früher war das ja so: Unten auf der Bühne wurde großes Entertainment geboten, und auf den Rängen gingen die Leute ab, sie feierten und klatschten. Das sorgte für Stimmung, und irgendwie war das immer sehr schön.
Aber das scheint die Vergangenheit zu sein.

In der Nacht zum Montag wurde in Minneapolis der SuperBowl 52 ausgetragen. ProSieben übertrug live. Höhepunkt ist immer die Halftimeshow, die diesmal von Justin Timberlake bestritten wurde.
Nun kann man über den Auftritt sagen, was man will, man kann sich über den Kommerz beschweren und über eventuelle Playbacks – eines aber fiel auf: Als Justin Timberlake mitten im Publikum stand, klatschte und jubelte niemand.
Das lag nicht unbedingt daran, dass alle den Justin doof finden. Nein, sie alle waren beschäftigt, und zwar so ziemlich ausnahmslos. Damit, den Justin zu filmen. Alle hatten sie ihr Smartphone in der Hand und hielten es in Richtung des Sängers. Und klar, da hat man keine Hand zum Klatschen frei, und man ist zu beschäftigt als dass man jubeln könnte.

Es war ein trauriges Bild. Und ich frage mich immer wieder: Erlebt man den Moment eigentlich, wenn man damit beschäftigt ist, ihn mitzufilmen? Ärgert man sich danach nicht über die miese Bild- und Tonqualität? Wäre es nicht viel geiler gewesen, stattdessen Stimmung zu machen – oder es einfach zu genießen?
Aber vielleicht bin ich in der Hinsicht einfach von gestern.