Tagesarchiv für 25. Januar 2018

RTZapper

Tagesschau: Dieter Wedel

Donnerstag, den 25. Januar 2018
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MI 24.01.2018 | 20.00 Uhr | Das Erste

Wo ist eigentlich die Grenze zum Boulevard? Unter welchen Umständen schafft es der Boulevard in die seriöse Tagesschau? Oder wann wird der Boulevard so groß, dass sie zu einer handfesten Meldung wird?
Die 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau in der ARD berichtete am Mittwoch ausführlich über die Vorwürfe, die dem Star-Regisseur Dieter Wedel gemacht werden. Es sind nicht die ersten Vorwürfe. “Die Zeit” berichtete über eine Schauspielerin, die Wedel angeblich sexuell belästigt und geschlagen haben soll. Tatsächlich brisant: Es passierte während einer Serienproduktion des Saarländischen Rundfunks, und beim SR waren Vorwürfe Anfang der 80er bekannt. Folgen hatte das keiner, und warum das so ist, wird nun untersucht.

Die Vorwürfe wiegen schwer, aber dennoch: Ist das eine Nachricht für die Tagesschau? Dass ein Star mutmaßlich etwas Verbotenes getan haben soll?
Es war schon immer so, dass die Tagesschau auf solche Themen verzichtet hat – unabhängig davon, wie sehr die Meldung diskutiert wird. Das ändert sich jedoch, was vor allem vermutlich am wachsenden Druck von außen liegt. Man ist im Zugzwang: Berichtet die Redaktion nicht, kommen Vorwürfe des Verschweigens. Berichtet sie, wird angezweifelt, ob das dahin gehört.
Ganz abgesehen von der Frage, wie Medien überhaupt mit solchen nicht bewiesenen Vorwürfen umgehen sollten. Der Fall Kachelmann zeigte immerhin, dass falsche Vorverurteilungen großen Schaden anrichten können.

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ORA aktuell

Kreisverwaltung durchkreuzt Oranienburger Tempo-30-Pläne

Donnerstag, den 25. Januar 2018
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Die Straßenverkehrsbehörde des Landkreises Oberhavel hat die Oranienburger Tempo-30-Pläne kassiert. Eigentlich sollte in weiten Teilen der City für mindestens Tempo 30 eingeführt werden.
Die rechtlichen Grundlagen seien stellenweise nicht gegeben, so argumentiert dagegen die Behörde. So wird es in der Bernauer Straße zwischen Hauptkreuzung und Bahnbrücke keine Beschränkung geben. Ebenso nicht in der westlichen Walther-Bothe-Straße, in der Straße der Einheit und der Lehnitzstraße zwischen Willy-Brandt-Straße und Saarlandstraße.

Tempo-30-Zonen gibt es nur auf der B273 zwischen dem Kreisel am Gymnasium und der Hauptkreuzung, in der Berliner Straße vom schloss bis zur Havelstraße, in der Stralsunder Straße zwischen Bahnhofsplatz und Bernauer Straße sowie in der Lehnitzstraße zwischen Hauptkreuzung und Willy-Brandt-Straße.

Der Bauausschuss in Oranienburg befasst sich am 30. Januar mit dem Thema.

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RTelenovela

Aggressives Pulverfass

Donnerstag, den 25. Januar 2018
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In Lünen hat ein 15-Jähriger einen anderen 15-Jährigen in den Hals gestochen. Angeblich weil er der andere dessen Mutter provozierend angeguckt hat.
Genau, er hat geguckt.
Aber so läuft das heute offenbar: Guckt man einen anderen aus welchem Grund auch immer, scharf an, dann ist das Echo meist höchst unerfreulich. Dann wird gleich gepöbelt, im schlimmsten Fall geprügelt.

In Oranienburg ist ein 15-Jähriger zusammengeschlagen worden, eine Gruppe trat dann auf ihn ein. Angeblich, weil er jemanden angesprochen hat, weil er von dessen Fahrradlicht geblendet worden ist.
Neulich gab es auf der Oranienburger Schulstraße mal wieder lautstarken Zoff. Ein Fußgänger sprach einen jungen Autofahrer an, weil er auf dem Gehweg parkte. Der Gehwegparker wurde darauf laut und extrem aggressiv. Wie man es denn wagen könne, ihn anzusprechen. Ich muss nicht mal das Fenster aufmachen, ich konnte auch so alles hören.

Immer wieder hört man davon. Leute fühlen sich gestört, wenn man sie auf etwas hinweist, wenn man sie in ihrer Welt stört. Dann ist die Freundlichkeit im Eimer, und man muss Angst haben, verprügelt zu werden.
Es herrscht immer öfter eine große Aggressivität, es scheint, als ob viele Menschen ein so großes Stress- und Frustlevel haben, dass sie ein Pulverfass sind. Dass im Gegenzug immer mehr Menschen in solchen Situationen nicht mehr eingreifen wollen, kann da nicht verwundern. Ein Teufelskreis.

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RTZapper

Generation ’89 – Erwachsenwerden im Wendejahr

Donnerstag, den 25. Januar 2018
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SO 21.01.2018 | 23.50 Uhr | mdr-Fernsehen

Wer die Menschen im Osten verstehen möchte und rausfinden will, warum sie eventuell frustriert und enttäuscht sind von der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Lage, der muss sich nur mal mit der Wendezeit beschäftigen.
Der mdr zeigte am späten Sonntagabend die sehr spannende Doku über die “Generation ’89 – Erwachsenwerden im Wendejahr”. Sie porträtierte Menschen, die im Herbst 1989 um die 13, 14 oder 15 Jahre alt waren. Wer diesen Leuten zuhört, wird feststellen, dass jeder anders die Wendezeit erlebt und jeder für sich andere Schlüsse draus gezogen hat.

Da ist die junge Frau, die an die DDR glaube, die in der FDJ mitmischte – und die erschüttert war, dass mit dem Mauerfall von einem Tag auf den anderen nichts mehr so war wie vorher. Die da stand und nicht wusste, woran sie nun eigentlich glauben wollte.
Da ist der Schüler, der beobachtet hat, dass die Lehrer nach der Wende plötzlich nichts mehr zu melden hatten, weil die plötzlich keine Autorität mehr waren – und dementsprechend alles durchgehen ließen.
Da ist die Frau, die im November mit den Eltern in den Westen geflohen war und am 9. November 1989 in einem Aufnahmelager die Bilder aus dem fernen Berlin vom Mauerfall sah.
Und natürlich der junge Mann, der gleich am Tag des Mauerfalls rüber nach West-Berlin reiste – und ein anderer, der am Wochenende danach gleich mal mit dem Zug nach Hamburg fuhr.

Es bringt auch die eigenen Erinnerungen wieder zurück. An eine Zeit des Umbruchs. Im Leben, in der Familie, in der Schule. In den eigenen Erinnerungen sah das alles gut aus.
Alles haben die Menschen im Osten Deutschlands etwas gemeinsam: Innerhalb eines Jahres kamen sie in einer neuen Gesellschaft an. Wiedervereinigung. Das war ein großartiges Ereignis – es hatte aber auch Schattenseiten. Die DDR wurde geschluckt – mit allem, was an ihr übel war, aber auch mit dem, was gut war. Gewohnheiten, Produkte, das Fernsehen, Konventionen – vieles war einfach nicht mehr da. Vom System, in dem es ja auch Menschen gab, die sich inklusive Ideologie wohl fühlten, ganz zu schweigen.

Fast 30 Jahre nach dem Untergang der DDR könnte man denken, die wunden seien verheult, dass Ost und West verschmolzen sind. In vielerlei Hinsicht sind sie das auch. Aber dennoch: Im Osten ist der Frust auch aktuell wieder groß. Das Gefühl, wieder kümmere sich keiner um sie. Das Gefühl, sie seien wieder auf dem absteigenden Ast. Das Gefühl, wieder werde überall gelogen.
An diesen Gefühlen ist nüchtern betrachtet vielleicht nicht immer was dran, aber man muss sie ernst nehmen.
Für solche Auseinandersetzungen ist diese Doku des mdr ein guter Einstieg.

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