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Überflieger: Für den Koch gibt es keine Feiertage

Christian Haferkorn betreibt in Hohenbruch eine Küche mit Kochschule

MAZ Oberhavel, 6.1.2018

Hohenbruch.
Gänsekeulen, Rotkohl, Grünkohl, dazu Klöße. Heiß serviert. So sah das Weihnachtsmenü von Christian Haferkorn aus. Zumindest das, was der Hohenbrucher Koch an den Feiertagen zubereitet hat, um es an seine Kunden auszuliefern. Er selbst freute sich vor allem auf den Kartoffelsalat von seiner Mutter. Allerdings blieb ihm auch dafür nicht so viel Zeit. „Ich stand die ganzen Feiertage in der Küche.“ Er hat komplett durchgearbeitet. „Das ist ein bisschen die Krankheit der Gastronomie, dass man die Feiertage nicht mehr so braucht“, sagt er und lächelt. Er kenne es gar nicht mehr, an solchen Tagen zu Hause zu sitzen. Silvester sah es genauso aus. „Ich freue mich, wenn ich 130 Gäste habe, die dann sagen, alles ist gelungen.“ Um 23 Uhr werde meist auf das Menü angestoßen. „Da habe ich Freude dran“, sagt der 31-Jährige.

Christian Haferkorn hat in seinem Leben schon einiges erreicht. Am Kirchring in Hohenbruch betreibt er seine Küche mit Kochschule. Er hat einen Cateringservice, ist im Sommerfelder Hotel in der Küche beratend tätig, übernimmt Messeauftritte für einen Hersteller von Küchenwaren und ist Teil der Nationalmannschaft der Köche.
Er stammt aus Hohenbruch und gehörte zum letzten Jahrgang, der an der Beetzer Schule seinen Zehnte-Klasse-Abschluss machen konnte. Danach machte er eine Lehre als Hotelfachmann. „Aber ich habe mir die Frage gestellt, was mache ich, wenn ich 40 bin“, erinnert er sich. Also begann er mit 19 in Sommerfeld noch eine Lehre als Koch. Danach nahm er öfter an Kochwettkämpfen teil und schaffte es in ein Berlin-Brandenburg-Team. Über diese Schiene kam bald das Angebot, Teil der Jugendnationalmannschaft der Köche zu werden. Er wollte – und er sagte dafür sogar einen Job ab. Er hätte Küchenchef auf dem Petersberg in Bonn werden können, er blieb stattdessen in Sommerfeld und hatte so auch Zeit, um in Berlin mit seinem Team zu üben.
Später wurde er Küchenchef in einem Hotel in Dierhagen an der Ostsee. Dann aber wollte er sich selbstständig machen. „Ich habe als Mietkoch angefangen“, erzählt Christian Haferkorn. Er hatte ja schon viele Kontakte. Er machte viel in Rheinsberg, war auch eine Weile Küchenchef in der Kremmener Seelodge. 2012 kam das Objekt in Hohenbruch dazu. „Ich habe vorher in einer kleinen Küche meiner Eltern angefangen, aber es kam immer mehr dazu.“ Von außen sieht das Gebäude zwar noch nicht so ganz ansehnlich aus, drinnen aber ist schon viel passiert. „Wir haben nach und nach was reingesteckt.”

Hohenbruch soll auch verstärkt der Ort werden, an dem er in seine Kochschule einlädt. „Da kommen Leute aus Berlin, Magdeburg oder der polnischen Grenze.“ Kommt ein Paar zum Kochen vorbei, dann bringen sie beim nächsten Mal eine ganze Gruppe mit. So habe sich schon jetzt vieles ergeben. Er selbst mag am liebsten die gehobene Landhausküche. „Lamm, Wild. Ich bin über alles aus der Region dankbar“, sagt er. „Säfte von den Bauern, Wurzeln aus Linum. An so was habe ich Spaß. Das ist dann vernünftig verarbeitet. Dass er aber selbst eine Gaststätte eröffnet, das stehe momentan nicht auf seinem Plan. Das sei schwierig. „Vielleicht mal mit einem großen Team, aktuell habe ich aber viel mehr Freude am Catering.“ Er habe Respekt davor, wenn man in einem kleinen Restaurant sechs Tage pro Woche vor Ort sei. Christian Haferkorn beschäftigt momentan zwei Festangestellte, plus zehn Pauschalkräfte, die abrufbereit seien.

Und dann hat Christian Haferkorn auch noch die Goldmedaille, die er stolz vorzeigen kann – von der Kocholympiade 2016 des Verbandes der deutschen Köche. Damals gab es unter anderem Heilbutt in Heuasche gegart und Lammhüfte mit Maronenpüree, „Gerade hat sich eine neue Mannschaft gegründet. Wir sind jetzt dabei, das Menü für Luxemburg zu planen.“

Es wird also ein spannendes Jahr für Christian Haferkorn. „Gesundheit ist das Wichtigste, und dass alle Spaß haben bei der Arbeit, dann kommt der Rest von allein.“ In fünf Jahren soll in Hohenbruch innen und außen alles fertig sein. Ein wirkliches Vorbild hat der 31-Jährige dabei übrigens nicht. „Mit Christian Lohse unterhalte ich mich gern, mit ihm tausche ich mich aus.“ Er ist ein Zwei-Sterne-Koch, „aber das ist ein hartes Pflaster, denn da muss man immer sehr akkurat sein“, sagt er.

Zeit für Hobbys bleibt nur bedingt. „Ich gehe jagen.“ Er liebe es, nach dem Kochen rauszugehen oder früh morgens aufzustehen. „Der Wald ist ja hier vor der Tür.“ Auch hat er einen großen Freudeskreis. Und was gibt es zu essen, so ganz privat? „Hausmannskost von Oma. Leberwurststulle, Königsberger Klopse. Bulette, Erbsen, Püree. Aber das machen wir selten.“

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