Tagesarchiv für 25. Dezember 2017

RTelenovela

Heiligabend, 18 Uhr

Montag, den 25. Dezember 2017
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Um kurz vor 18 Uhr fahre ich am Heiligabend zur Familienbescherung. Wenn ich das Auto vor der Garage parke und aussteige, dann höre ich die Oranienburger Kirchenglocken läuten. Aus dem Zentrum sind die Glocken der Nicolaikirche zu hören. Um Punkt 18 Uhr setzt das Geleut von St. Johannesberg ein – vom ehemaligen katholischen Kloster. Es ist das Weihnachtsläuten.

Besonders das Läuten von Johannesberg ist mit vielen Erinnerungen verbunden. Denn der Ton der Glocken hat sich seit meiner Kindheit nicht geändert. Früher läuteten sie um 6, 12 und 18 Uhr. Weil ich morgens nie mehr in Hörweite bin, weiß ich nicht, ob es das morgendliche Läuten noch gibt. Es ist ein Stück Nostalgie und vor allem Heimat.

Nun also, um 18 Uhr, stehe ich vor dem Haus und lausche dem doppelten Glockenläuten, halte zwei Minuten inne. Ich denke an die, die nicht mehr da sind, Streiflichter von früher.
Irgendwann setze ich mich dann in Bewegung, gehe ins Haus, um Weihnachten zu feiern.

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Feuer, Wasser und Posaunen

Montag, den 25. Dezember 2017
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SO 24.12.2017 | 5.30 Uhr | Das Erste

Vor gut 50 Jahren scheinen Kinder noch viel mehr vertragen haben als heute. Und die in der damaligen Sowjetunion waren vermutlich noch viel mehr abgehärtet. 1968 waren Märchen aus der UdSSR jedenfalls noch gruselig, schmutzig und hässlich.
Das Erste zeigte am frühen Sonntagmorgen den Märchenfilm “Feuer, Wasser und Posaunen” aus der UdSSR. Damals nahm man sich, bevor es losging, sehr viel Zeit für einen mehr als zweiminütigen Vorspann, bestehend ausschließlich aus Schrifttafeln.

Der Film beginnt damit, dass die Zuschauer von einer Oma begrüßt werden. Sie hat ein Kopftuch um, scheint keine oder kaum Zähne zu haben und sieht überhaupt nicht unbedingt aus wie eine Sympathieträgerin. Sie warnt die Kinder gleich mal vor, dass es sein könne, dass die Figuren in dem Märchen furchteinflößend sein könnten und hässlich – aber man solle sich dann sagen, dass das ja nur ein Märchen sei.
Solche Warnhinweise gibt es heute auch noch, aber mit dem Hinweis versehen, der Film sei erst ab 16 oder 18.

Und tatsächlich ging es ordentlich zur Sache. Ein Gerippe will die über 100 Jahre alte Tochter der Hexe Baba Jaga heiraten. Zur Hochzeit bekommt er Verjüngungsäpfel, und als er die gegessen hat, ist ihm seine alte Schachtel nicht mehr jung genug. Er will eine Neue – die aber ihn nicht, also entführt er sie.
Nun gut, Märchen sind ja nie kuschelig. Aber “Feuer, Wasser und Posaunen” klingt zwar wie eine 80er-Jahre-Volksmusikshow, ist aber ein echter Märchengruselthriller. Die Menschen sind hässlich, haben riesige Hakennasen, die Zähne wachsen ihnen wie Stoßzähne aus den Mündern, das Gerippe ist sowieso gruselig. Die Gerippe-Schwiegermutter sieht aus wie ein verwirrter alter Mann.
Und gegen einen ach so bösen Wolf wehrt man sich, in dem man ein brennendes Feuerholz nach dem Tier wirft, das heulend wegrennt. Da schluckt man dann doch ein wenig.

Es ist ein Märchen. Aber ist es auch das Richtige für das ganz frühe Kinderprogramm, bei dem Kinder unter Umständen noch alleine vor der Glotze hocken? Wobei ich mich schon frage, wer genau eigentlich um 5.30 Uhr vor der Glotze hockt.

Spannend waren übrigens auch die 1968-Trickeffekte in der Sowjetunion. Als der Wolf naht, flüchten die Vögel des Waldes in ihre Nester und in die Manteltasche eines gutmütigen Mannes. Warum Vögel Angst vorm Wolf haben sollen, ist allerdings auch unklar. Wie aber bekommt es hin, dass die Vögel in einem Realfilm dorthin fliegen, wie sie sollen? In dem man die Vögel aus ihren Löchern fliegen lässt und den Film schlicht rückwärts laufen lässt. Sieht dann nicht echt aus? Das war damals vermutlich noch zweitrangig.

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