Tagesarchiv für 23. November 2017

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Tamy Fabienne Tiede: Club der letzten Wünsche

Donnerstag, den 23. November 2017

Krebs. Unheilbar. Und dabei ist Jesslyn doch gerade mal knapp über 20. Sie ist erschüttert, wütend, traurig, und eigentlich will sie den Kampf nicht aufgeben. Aber nichts wird besser, und irgendwann beschließt sie, die Chemo zu beenden.
Sie will ihre letzten Wochen und Monate noch mal in vollen Zügen genießen. Ihre Familie und Freunde werden ihr dabei helfen. Da ist James, in den sich Jesslyn verliebt hat. Aber kann sie ihm diese endliche Liebe zumuten? Und packt James das, der in seiner Familie schon mal etwas ganz Ähnliches erlebt hat? Für ihren Bruder Boomer will sie unbedingt noch den passenden Mann finden. Und ihre Freundin Yuliya bekommt ein Kind. Die Geburt will Jesslyn auf jeden Fall noch mitbekommen. Sie macht sich eine Liste mit den Dingen, die sie unbedingt noch erledigen will.

“Club der letzten Wünsche” heißt der Roman von Tamy Fabienne Tiede. Die gerade mal 20-jährige Autorin aus Frankfurt (Oder) hat mit dem Roman einen Piper-Award gewonnen.
Sehr einfühlsam erzählt sie von den Gefühlen der jungen Frau, von ihren Launen und wie sie versucht, ihre Krankheit zunächst zu verdrängen. Es geht aber auch darum, wie vielleicht der Tod zelebriert werden kann, wie die todkranke Frau in den Kreis ihrer Lieben aufgenommen wird, wie es denen darum geht, es Jesslyn so “angenehm” wie möglich zu machen.
Deshalb geht es auch mehr um diese Umstände, als am Ende um das Sterben an sich – das ist fast schon eine Randnotiz im Buch. Das kann man gut finden oder auch nicht. Es führt beim Lesen jedenfalls zu weniger Emotionen wie man beim Verfolgen der Geschichte hätte meinen können. Aber vielleicht wollte oder konnte die Autorin den Tod selbst dann doch nicht in den Mittelpunkt stellen.

Tamy Fabienne Tiede: Club der letzten Wünsche
Piper, 288 Seiten
6/10

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Boris Becker – Der Spieler

Donnerstag, den 23. November 2017
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MI 22.11.2017 | 20.15 Uhr | SWR-Fernsehen

Der Leimener. Unser Boris. Das Bobbele. Aber eigentlich ist er: Herr Becker.
Am Mittwoch ist Boris Becker 50 geworden. Das SWR-Fernsehen zeigte deshalb am Abend noch mal die Doku, die am Montag im ersten leider ins Spätprogramm verschoben werden musste: “Boris Becker – Der Spieler”. Es war ein bemerkenswerter Film über einen aber auch bemerkenswerten Mann – in verschiedenen Hinsichten.

Ob er es will oder nicht: Er steht im Rampenlicht, und das, seit er 17 Jahre alt war. 1985 gewann er das Tennisturnier in Wimbledon. Der Rasenplatz wurde zu seinem Wohnzimmer. Und Boris Becker zu einem Sportler, der alles preisgegeben hat – preisgeben musste. Es blieb ihm wohl kaum eine Wahl. Wer ein Star ist, muss mit dem Ruhm leben und damit, dass auch sein Privatleben in den Boulevardmedien ausgeschlachtet wird.
Becker wollte das nie, und so hört er sich sehr bitter an, wenn er über seine Popularität spricht. Denn die heißt auch: Wenn man ganz unten ist, wird nachgetreten. Beckers Schulden – und es wird kübelweise Häme ausgeschüttet.

Der SWR-Film begleitet Becker ein Jahr lang. Durch Höhen und Tiefen. Schulden? Erst weist er alles von sich, aber nach und nach wird doch klar, dass da was ist. Als er wegen einer Sprunggelenk-OP humpelt, will er, dass auch das gezeigt wird, es sei ja schließlich die Wahrheit.
Becker – ein gebrochener Mann? Zumindest bitter, so scheint es. Er wolle nicht “unser Boris” sein, das sei er noch nie gewesen, sagt er. Herr Becker, das sei er. Er möchte selbst aussuchen, wer ihn Boris nennen darf. Und wenn er es sich aussuchen könnte, dann wolle er in den Medien, insbesondere bei “Bild” und Co gar nicht mehr vorkommen.

Becker hat – Stichwort Schulden – ganz sicher Fehler gemacht. Zur Ruhe kommen lässt man ihn aber nicht – einmal Star, immer Star, wenn auch in einer anderen Kategorie. Diesen Boris Becker mal zu sehen, so offen, so gebrochen, das ist genauso spannend wie traurig.