Tagesarchiv für 22. November 2017

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Silvester hat’s gefunkt

Mittwoch, den 22. November 2017
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60 Jahre verheiratet: Ulla und Fredy Müller aus Sommerfeld feiern morgen ihre diamantene Hochzeit

MAZ Oberhavel, 22.11.2017

Sommerfeld.
Morgen Nachmittag könnte „Die Küchenschlacht“ wohl ausfallen, denn dann haben Ulla und Fredy Müller weniger Zeit zum Fernsehen. Stattdessen wollen sie bei Kaffee und Kuchen ihren 60. Hochzeitstag feiern. Die beiden Sommerfelder haben diamantene Hochzeit. Es wird keine große Sache, „denn wir haben gerade erst den 80. Geburtstag von meinem Mann gefeiert“, erzählt Ulla Müller.

60 Jahre – herrscht da noch die große Liebe oder hat es auch mal gekracht? „Ja, ab und zu gibt es auch mal ein Donnerwetter, aber wir vertragen uns immer wieder“, sagt sie und lächelt. „Hinter jedem Gewitter ist ein Sonnenschein“, ergänzt er. Geheiratet haben sie am 23. November 1957 zu Hause – der Pfarrer kam zu ihnen. „Ich war im siebenten Monat schwanger, da wollte ich nicht mehr raus“, sagt sie. Es gibt nicht mal Fotos von damals. „Wir hatten keinen Fotoapparat.“ Ganz schön sei die Feier gewesen. „Wir hatten viel Verwandtschaft da und haben feucht-fröhlich gefeiert.“

Es passierte Silvester 1956. Fredy und Ulla hatten sich auch schon vorher mal bei der LPG gesehen – aber beim Anstoßen zum Jahreswechsel, da hat es gefunkt. Er mochte ihr ruhiges Wesen. „Ich lasse mich nicht gerne jagen, und ich jage auch nicht“, sagt er. „Er war etwas größer als ich, und der erste Blick hat gereicht“, sagt sie. „Man redet. Er hat mir geholfen, Milch wegzubringen. Er durfte mir Mittag bringen.“ Sie lächelt wieder.
Als klar war, dass sie schwanger ist, „hat mein Vater gesagt, du musst jetzt heiraten“, so erinnert sie sich.Zwei Monate nach der Hochzeit wurde Tochter Petra geboren. Sie kam in der Berliner Charité zur Welt. Die kleine Familie hatte immer ein schönes Zusammenleben, sagen beide. Inzwischen haben sie auch zwei Enkelkinder.
Er ist schon immer Sommerfelder, sie stammt ursprünglich aus Stettin und kam nach dem Zweiten Weltkrieg ins Dorf. Viel gereist sind die beiden nie – in Moskau waren sie, 1980, als gerade die olympischen Spiele stattfanden. Er bekam die Reise als Auszeichnung von der LPG. „Das war eigentlich unsere einzige große Tour“, sagt Ulla Müller. „Und er wollte erst gar nicht und hat es mir anfangs gar nicht erzählt, dass er diese Auszeichnung bekommen hat.“ Nach der Wende konnten sie nicht mehr weg, aus gesundheitlichen Gründen. Insbesondere Fredy Müller bleibt nun leider meist nur noch die Couch.

Dafür hatte er früher zu Hause eine kleine Werkstatt, in der Küche baute er ein halbes Jahr an einem Gleitboot, mit dem sie dann auf dem Beetzer See unterwegs waren. Er angelte gern. „Ich puzzle und stricke viel“, erzählt sie. So entstanden für die Kinder schon Kleider und Socken. In der MAZ löst sie jeden Tag die Rätsel. Morgen aber wollen sich Müllers einen schönen Hochzeitstag mit ihren Lieben machen.

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Brennpunkt: Aus für Jamaika – Wer wird uns regieren?

Mittwoch, den 22. November 2017
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MO 20.11.2017 | 20.15 Uhr | Das Erste

Da durfte sich Martin Schulz schon mal zu etwas Aktuellem äußern, und da erdreistet sich die ARD wieder mal, der Angela Merkel viel mehr Zeit einzuräumen als ihm, den großen SPD-Chef! Empörend.
Weil die Sondierungsgespräche zwischen CDU/CSU, FDP und Grünen am Sonntagabend gescheitert waren, sendete Das Erste am Montagabend einen “Brennpunkt: Aus für Jamaika – Wer wird uns regieren?”.

Die FDP, Christian Lindner, sagt, ihre Positionen seien nicht beachtet worden.
Die CDU, Angela Merkel, sagt, man sei auf die FDP und auf die Grünen zugegangen.
Die Grünen sagen, man habe Zugeständnisse gemacht, und man habe FDP-Standpunkte zugelassen.
Die SPD… ach, nein, die hatte da ja gar nichts zu sagen.

Was die SPD, also Martin Schulz aber nicht daran hinderte, doch was zu sagen. Immerhin wurde der SPD-Chef ja in den “Brennpunkt” eingeladen, auch wenn er erst mal wieder rumnölte, dass Merkel ja viel länger reden durfte als er. Dabei, lieber Herr Schulz, sollte doch klar sein: Sie ist Kanzlerin (noch?). Er nicht. Er will in die Opposition. Also gibt’s auch nicht mehr Redezeit. So einfach ist das.
Aber auch ist es merkwürdig, was Schulz zu erzählen hatte. Es sei unmöglich, dass die nur SPD ein Notnagel sei, weil Jamaika nicht klappe, deshalb wolle die SPD jetzt auch nicht gefragt werden. Dabei wäre sie vielleicht sogar erste Wahl gewesen, wenn Schulz nicht zwei Sekunden nach Schließung der Wahllokale getönt hat, dass die SPD keineswegs mitregieren wolle. Und was sich Martin Schulz von Neuwahlen erhofft, durfte auch spannend sein – denn ob die SPD daraus erstarkt hervorgeht, darf bezweifelt werden. Und wieso Schulz überhaupt irgendwas zu fordern hat, in dieser Situation, ist eh bemerkenswert.

Überhaupt, Neuwahlen. Da wird davon geredet, dass die Bürger jetzt eine Neubewertung abgeben müssten. Aber erstens: Was soll ich neubewerten? Und seit wann sind Wahlen dazu da, zu einem Konsens unfähige Politiker neuzubewerten? Sollen wir wählen, bis entweder der Arzt kommt oder ein Ergebnis da ist, das irgendwem besser gefällt?
Dieser “Brennpunkt” hat eigentlich nur gezeigt, warum die Deutschen immer politikverdrossener werden. Streit, Schuldzuweisungen von allen Seiten und Verantwortungsverweigerer. Wo soll das alles bloß hinführen?